Seifenkistenrennen
Gemeindepräsidentin: «Seifenkiste-Tragödie war Teil des Restrisikos»

Laut Aussagen der Organisatoren war die Strecke in Wittinsburg genug gesichert. Es gäbe keinen Grund, weitere Rennen abzusagen. Den Unfall verursacht hat wohl ein Baufehler in der Lenkungstrommel. Die Unfall-Opfer sind derweil ausser Lebensgefahr.

Boris Burkhardt
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In dieser Kurve gerieten die beiden Seifenkistenfahrer aus der Bahn und kollidierten mit der Betonmauer. zvg

In dieser Kurve gerieten die beiden Seifenkistenfahrer aus der Bahn und kollidierten mit der Betonmauer. zvg

«Seifenkisten sind heute Hightech-Fahrzeuge: Sie fahren sehr präzise und bremsen sehr präzise», sagt Wittinsburgs Gemeindepräsidentin Regula Blochwitz. Davon habe sie sich während des Rennens am vergangenen Wochenende selbst überzeugen können. Der tragische Unfall, bei dem Vater (46) und Sohn (16) am Samstag schwer verletzt wurden, sei ein «Restrisiko», das trotz aller Sicherheitsmassnahmen nie ganz auszuschliessen sei: «Oft sind das ganze Seifenkistenfamilien. Die Fahrer sind aber alle Profis und kennen ihr Fahrzeug.»

Rennen 2013 findet wohl statt

Prinzipiell gibt es laut Blochwitz für die Gemeinde Wittinsburg deshalb keinen Grund, weitere Seifenkistenrennen abzusagen: «Wir werden uns die Strecke und den Vorfall mit den Organisatoren noch einmal anschauen.» An der Sicherheit der Strecke habe es nicht gelegen, versichert Organisator Thomas Zumbrunn. Die Strecke war vor dem Rennen von einem erfahrenen, internationalen Rennkomitee abgenommen worden. Für das nächste Rennen werde auch der Unfallabschnitt zusätzlich gesichert – aber nur «aus psychologischen Gründen».

Technischer Defekt

Vielmehr will Zumbrunn bei der Delegiertenversammlung des Europäischen Seifenkistenverbandes in Wittinsburg im November eine Verschärfung des Technischen Baureglements erwirken: Seiner Erkenntnis nach habe sich das Lenkungsseil der Seifenkiste zwischen der Lenkseiltrommel und dem Anlaufbrett verklemmt, sodass das Fahrzeug steuerlos in die Mauer fuhr. Das habe nur geschehen können, weil die Trommel an ihren Enden keine Erhöhung hatte, um das Abrutschen des Seils zu verhindern.

Der 8-jährige Noah Kaderli aus Wittinsburg zieht durch die Kurve vor der Tribüne..jpg
8 Bilder
Margrit und Peter Hägler aus Wenslingen wollen auf keinen Fall mitfahren..jpg
Auch die Feuerwehr war mit Sämi Weber als Vorfahrer auf der Strecke..jpg
Ex-Europameister Stefan Jerney und Melanie Riedo vor dem Start..jpg
Vom Ziel werden die Boliden wieder an den Start gezogen
Aus der Sicht des Copiloten
Christoph Trachsel (Aeschlen) und Tobias Buser (Häfelfingen) starten in der Kategorie Side-Car ab 16 Jahren
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Der 8-jährige Noah Kaderli aus Wittinsburg zieht durch die Kurve vor der Tribüne..jpg

Gäste, die vor Ort waren, berichten allerdings, das auch andere Stellen nur mit Pylonen gesichert waren. Zwar handle es sich um gerade Strecken, doch habe es sehr viel ungeschütztes Publikum dort.

Opfer ausser Lebensgefahr

Laut Polizei sind beide Opfer ausser Lebensgefahr. Zumbrunn steht über ihren Heimatverein in Buggingen bei Müllheim in Kontakt zu den Angehörigen: Der Sohn liegt demnach noch mit Hirnerschütterung und inneren Verletzungen im künstlichen Koma; der Vater habe die Operation nach Prellungen und Knochenbrüchen hinter sich. Zumbrunn kann sich nur an einen ähnlichen Unfall mit Knochenbrüchen erinnern, bei der EM in Frankreich: «Die Strecke dort war aber nicht optimal.» In Wittinsburg habe es bisher höchstens Stauchungen oder Prellungen gegeben. Die Baselbieter Staatsanwaltschaft hat bisher noch nicht entschieden, ob sie Anklage gegen einen der Beteiligten erheben wird.