Beide Basel

Geriatriespital: Basler Politiker fordern Plan B

Ob das gemeinsame Geriatriespital gebaut wird, ist ungewiss. Nun fordert die Gschäftsprüfungs-Kommission (GPK) des Grossen Rats eine unabhängige Planung für die Stadt.

Hans-Martin Jermann
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Spital Bruderholz

Spital Bruderholz

Nicole Nars-Zimmer

«Baselland und Basel-Stadt müssen sich die Frage stellen, ob sie das gemeinsame Geriatriespital auf dem Bruderholz wirklich brauchen.» Mit dieser Äusserung in der bz sorgte der Baselbieter Gesundheitsdirektor Peter Zwick jüngst für Irritationen. Hinter vorgehaltener Hand machten einige Basler ihrem Ärger Luft über das Baselbiet, das sich bei gemeinsamen Spitalprojekten einmal mehr als unzuverlässiger Partner erweise.

Nun fordert die Geschäftsprüfungskommission (GPK) des Grossen Rates von Zwicks Basler Amtskollegen Carlo Conti sogar, umgehend eine kantonseigene Planung im Bereich der Geriatrie an die Hand zu nehmen. «Das heisst nicht, dass sich Basel von der Idee eines gemeinsamen Geriatriespitals verabschiedet», gibt GPK-Präsidentin Dominique König (SP) Entwarnung. Allerdings sollte Contis Gesundheitsdepartement bereits etwas in den Fingern haben, sollte der Kanton Baselland das gemeinsame Projekt begraben, findet sie. Dieser Entscheid hängt von den Ergebnissen einer Studie ab, die derzeit die Kosten eines Spitalneubaus auf dem Bruderholz durchleuchtet. Die Resultate der Hamburger Firma sollen im Herbst vorliegen.

Für den Basler Gesundheitsdirektor Carlo Conti kommt die Forderung der GPK nicht überraschend. Selbstverständlich müsse sich Basel-Stadt schleunigst einen Plan B zulegen, sollte sich das Baselbiet vom gemeinsamen Projekt verabschieden. «Bis dann gilt: Die beiden Basel wollen auf dem Bruderholz ein gemeinsames Geriatriezentrum bauen», wiederholt Conti. Dass man bei der GPK mit der Planung offenbar nicht bis zur Vorlage der Studie zuwarten will, «habe ich nicht so verstanden», betont Conti. Er wolle nun das Gespräch mit der Kommission suchen.

Felix-Platter-Spital bis 2015 offen

Ungeachtet dieses möglichen Missverständnisses ist klar: Es eilt. Für das Felix-Platter-Spital – das heutige Basler Geriatriespital – läuft Ende 2015 die feuerpolizeiliche Betriebsbewilligung aus. Um dessen Betrieb nur schon für ein paar weitere Jahre aufrechtzuerhalten, müsste ein zweistelliger Millionen-Betrag aufgeworfen werden. David Wüest-Rudin, Chef der Grünliberalen und profilierter Gesundheitspolitiker im Grossen Rat, rechnet vor: Ein Jahr vergehe, bis ein politischer Entscheid vorliege, ein Jahr benötige die Projektierung, zwei weitere Jahre der Bau eines neuen Geriatriespitals. «Mit Blick auf die Situation im Felix-PlatterSpital heisst das: Es muss noch dieses Jahr ein Entscheid auf dem Tisch liegen.» Für Wüest-Rudin wäre eine gemeinsame Lösung mit dem Baselbiet zwar vorziehen, ein Alleingang aber kein Weltuntergang: «Ich sehe das relativ emotionslos», sagt er.

Derweil macht sich Philippe Macherel, SP-Grossrat und Präsident der Gesundheits- und Sozialkommission, nochmals dezidiert stark für ein Geriatriezentrum beider Basel. Vor allem im Bereich der spezialisierten Geriatrie wäre eine Zusammenarbeit wertvoll, findet Macherel. Zudem würden die beiden Kantone finanziell profitieren. Im Gegensatz zu Peter Zwick ist der SP-Grossrat überzeugt, dass auch das Baselbiet neue Angebote im Bereich der Geriatrie benötige: «Der demografische Wandel macht auch vor dem Baselbiet nicht Halt: Der Anteil der Betagten und Hochbetagten wird auch hier stark zunehmen.»