Unwetter
Halbe Kirschenernte fiel dem Hagel zum Opfer

Der Hagelsturm vom letzten Donnerstag verursachte in ein paar wenigen Baselbieter Gemeinden Schäden von vielen Millionen Franken – insbesondere die Landwirtschaft leidet. Landwirte klagen, dass rund die Hälfte der Kirschenernte dem Hagel zum Opfer gefallen sei.

Leif Simonsen
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Wie nah Glück und Pech beieinander liegen, mussten die Bauern am letzten Donnerstag erleben. Der Präsident des Bauernverbands beider Basel, Gregor Gschwind, bekam in Therwil «gar nichts» mit von Hagelschäden in der Region. Auf der anderen Seite standen Landwirte wie der Buusner Andreas Leuenberger: Er musste bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr zusehen, wie ein Unwetter einen beträchtlichen Teil seiner Kirschen vernichtete.

Die Hälfte der Tafelkirschen musste er bereits nach dem letzten Hagelsturm am 12.Juni günstiger verkaufen – beispielsweise als Brennkirschen. Am vergangenen Donnerstag kamen die Versicherungsvertreter. Kaum waren sie weg, fegte der nächste Hagelsturm über das Baselbiet. Nur ein paar Minuten zwar, aber die Hagelkörner waren genug gross, um die Kirschen ganz zu zerstören. Da sie «teilweise von den Bäumen gerissen wurden», wie Leuenberger sagt, können sie nicht mal als Brennkirschen verkauft werden. Immerhin: Im Gegensatz zu anderen Landwirten ist er gegen Hagel versichert.

Millionenschäden im Oberbaselbiet

Bei der Versicherungsgesellschaft Schweizer Hagel rechnet man nach dem Unwetter vom Donnerstag mit rund 120 Schadensmeldungen aus dem Oberbaselbiet. Gemäss Mediensprecherin Emilia Baldi beläuft sich die Schadenssumme allein bei den landwirtschaftlichen Kulturen auf rund 800000 Franken. Dass das obere Baselbiet viel stärker in Mitleidenschaft gezogen wurde, bestätigt auch die Schweizer Mobiliar Versicherung.

Bei der Generalagentur in Liestal waren bis gestern rund 800 Schadenmeldungen wegen Autos eingegangen, in Arlesheim «nur» deren 100. Die Hälfte der in Liestal eingegangenen Meldungen stammte von vier Garagisten. Bei der Basellandschaftlichen Gebäudeversicherung rechnet man mit rund 600 Schadensfällen in der Grössenordnung zwischen 500000 und einer Million Franken. Und die Axa Winterthur Versicherung hatte bis gestern ebenfalls eine knappe halbe Million Franken an Hausrats- und Gebäudeschäden registriert. Insgesamt rechnet die Presseverantwortliche Nicole Horbelt mit 600 Schadensfällen an Motorfahrzeugen und spricht bei einer durchschnittlichen Schadenssumme von 3000 Franken davon, dass diese «über dem Schnitt» liege.

Frühe Früchtchen - die Kirschen sind schon reif
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Frühe Früchtchen - die Kirschen sind schon reif

Martin Töngi

Vom Unwetter waren aber auch im Oberbaselbiet nicht alle betroffen. Hansueli Wirz, Präsident des Baselbieter Obstverbands, spricht von einem für Hagelschauer «typischen Streifen von einem Kilometer Breite», der dieses Mal unter anderem die Gemeinden Frenkendorf, Füllinsdorf, Arisdorf, Buus, Wintersingen und Magden heimgesucht habe. Wirz hat von Hagelkörnern mit bis zu fünf Zentimeter Durchmesser gehört. Viel hatten die Bauern in der bisherigen, viel zu nassen Kirschensaison nicht zu lachen. Dazu kommt, dass man durch die letztjährige Rekordernte verwöhnt wurde. Der Präsident des Obstverbands aber hat den Mut nicht verloren: Die Ernte der grossen Kirschensorten stehe erst bevor. «Und wenn das Wetter gut wird, kann es allemal noch ein guter Sommer werden.»