Regierungsrat

Heute hat Jörg Krähenbühl als Regierungsrat seinen Letzten

Für SVP-Regierungsrat Jörg Krähenbühl endet heute nach vier Jahren die Amtszeit. Er wird an der Rheinstrasse in Liesstal sein Pult räumen. Es ist sein härtester Tag als Regierugnsrat. Der 65-Jährige Vwar im Frühjahr abgewählt worden.

Jürg Gohl
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«Ich hoffe nun, dass es möglichst schnell vorübergeht.» Jörg Krähenbühl, dem Baselbieter Regierungspräsidenten, fällt es alles andere als leicht, auf seine letzten paar Tage im Amt zu blicken. Heute wird er sein Büro im sechsten Stock an der Liestaler Rheinstrasse 29 zum letzten Mal abschliessen. Seine Miene wird versteinert, sein Blick wird leer sein. Wie vor einer Woche, als ihm der Landrat zum Abschied stehend applaudierte. Wie am 27. März, als ihn das Baselbieter Wahlvolk als ersten Regierungsrat seit 1950 abwählte.

Alle Parteien attestieren ihm, in seinem Amt gute Arbeit geleistet zu haben. In der riesigen Bau- und Umweltschutz-Direktion musste er vor vier Jahren viele unausgegorene Geschäfte an die Hand nehmen. Und an die Affäre um die Kap-Haltestelle vor seinem ehemaligen Sportartikel-Geschäft in Reinach dürfte kaum noch jemand gedacht haben, als die Wahlzettel ausgefüllt wurden.

Aufgeräumte Direktion abgeben

Jörg Krähenbühl will noch immer nicht glauben, dass er als SVP-Vertreter in der Baselbieter Regierung ein Opfer seines Parteikürzels geworden ist, weil sich die SVP mit dem Konsens-Kurs in der Exekutive schwer tut. «Ich bin ja gemässigter SVPler, ein Vertreter des Gewerbes», sagt er in freundlichem, nüchternem Ton. Er als eher ruhiger Typ und seine Partei hätten es versäumt, den Wählern seine Leistungen aufzuzählen. «Ich wurde ja medial nicht angegriffen», sagt er, «aber ein Vertreter der SVP wird viel härter beurteilt als einer aus der CVP oder der FDP.»

Als ihn die Landratspräsidentin verabschiedete, hob sie hervor, dass in vier Krähenbühl-Jahren nicht nur SVP-Anliegen, speziell der Strassenbau, forciert wurden, sondern etwa auch der öV und die Deponie-Sanierung. Entsprechend enttäuscht ist der 65-Jährige, dass die Wähler zu stark Kriterien gewichten wie Partei oder Alter – er ist das älteste Regierungsmitglied. «Ich finde es bedenklich für eine Demokratie, wenn die Leistung eines Bisherigen beim Wahlvolk immer weniger zählt», sagt er. Dass es in dieser Beziehung Regierungsräten aus anderen Kantonen zuletzt gleich erging, tröstet wenig.

Krähenbühl fällt es schwer zu gehen

Man hört und spürt es in jedem Satz: Jörg Krähenbühl fällt es schwer, sehr schwer, sich von seinem Amt zu lösen, auch wenn es ihm enorme Arbeitspensen und immer mal 15-Stunden-Tage abverlangt hat. Die Freude auf ausgedehnte Ferien mit seiner Frau hält sich noch in Grenzen. Ihn schmerzt, dass sein grosses Bauwerk, die H2, nun von seiner Nachfolgerin eingeweiht wird und eines seiner raren Bonmots wegfällt. Er pflegte an Anlässen frühzeitig zur H2-Eröffnung Ende 2013 «am Morgen am zähni» einzuladen. Doch zuletzt blieb ihm kaum Zeit zu Schwermut. Denn eines ist für den Staatsmann Ehrensache: Er will Nachfolgerin Sabine Pegoraro eine tadellos aufgeräumte, funktionierende Bau- und Umweltschutz-Direktion hinterlassen.Interview S. 19