Ein-Blick

Hölstein-Country, wie es tanzt und stampft

Ein Blick ins Training der «Longhorn Stompers». In der Rubrik «Ein-Blick» gewährt die «Schweiz am Wochenende» den Lesern Einblick in die Mikrokosmen unserer Gesellschaft.

Lucas Huber
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Ziemlich schräg, aber Hauptsache auf Linie im Line Dance. LUH

Ziemlich schräg, aber Hauptsache auf Linie im Line Dance. LUH

«Skate, Slide, Spin und Stomp, Shuffle, Cha Cha, Anchor Step.» Und immer wird auf Acht gezählt im Line Dance, den man so unweigerlich mit der Country-Musik in Verbindung bringt, obwohl seine Ursprünge ganz woanders liegen. Doch weg mit ollen Geschichtskamellen und hinein ins Tanzvergnügen: nach Hölstein, wo an drei Abenden die Woche der Tanz in Linie unterrichtet wird. Denn hier ist sie daheim, die Line-Dance-Equipe der «Longhorn Stompers».

Es ist Donnerstagabend, und obwohl die Fenster offenstehen, kullern die Schweissperlen bei den 17 Tänzerinnen und dem einsamen Tänzer, die am Kurs teilnehmen. Man behilft sich mit Abwischen, Trinken, Zufächeln. Denn Line Dance ist Sport. Oder wie es die Longhorn Stompers nennen: «Fitness, Spass und Geselligkeit.» Dass man dazu vornehmlich Cowboyboots und karierte Hemden trägt, ist eine Selbstverständlichkeit. Country-Style eben.

Kein Schritt ist Zufall

Die Liebe zu diesem hat auch Beatrice Jäggin zum Line Dance gebracht. Sie erinnert sich an stimmungsvolle Country Nights, an denen ihre Hüften nach Bewegung verlangten, sich die Männer allerdings lieber Bier und Bar anstatt den tanzwütigen Damen widmeten. So kam sie zum Line Dance, der ein klassischer Gruppentanz ist und schon in seinen Ursprüngen Gegenstück zu den in den 1960er-Jahren vorherrschenden Paartänzen war.

Die Longhorn Stompers sind dem traditionellen Stil verfallen, «Rise & Fall» nennen sich diese Line-Dance-Tanzrichtungen, «Smooth und Lilt». Die Stompers tanzen zu Songs von Nathan Carter, Jerry Reed und CCR. «Proud Mary» nennt sich der aktuelle Tanz, und den üben sie jetzt gerade: Skate, Slide, Spin und Stomp. Beim Scuff wird das Bein geschwungen, wobei die Ferse den Boden streift, beim Flick schlägt das Bein nach hinten, und die Fussspitze streift den Boden.

Denn beim Line Dance ist nichts Zufall, jedem gespielten Song ist ein bestimmter Tanz zugeordnet. Tänze, die «Anything for Love» heissen, «Sweet Sweet Smile» oder «Chattahoochee». Sie bestehen aus festgeschriebenen Schrittabfolgen: links, rechts, vor, zurück. Und tanzen 18 Dancer in perfekter Choreografie, perfekt getimt und in perfekter Linie, ist das zünftig was fürs Auge.

Mit jedem Training, erklärt die Instruktorin, gehe ein Tanz mehr und mehr in einen über, «bis man ihn schliesslich voll im Blut hat». Ohne Schweiss und Biss kommt man also nicht ans Ziel. Jäggin sagt, es brauche ein Jahr Training, um einigermassen eine Figur zu machen. Line Dance ist nachweislich nichts für Unentschlossene. «Man muss dran bleiben», weiss Jäggin. Rund 50 vor allem weibliche Tänzerinnen tun das mit den Longhorn Stompers.

Das erklärt auch, warum in jedes tanzende Gesicht, in das man blickt, ein Lächeln spielt, auch Verträumtheit, bisweilen höchste Konzentration. Line Dance ist pure Lebensfreude. Und wer aus dem Takt gerät, orientiert sich an der Nebenfrau. Was vor allem dann gut geht, wenn man ordentlich in Linie tanzt. Line Dance eben. Übrigens sei das bei schnellen Tänzen einfacher als bei langsamen. Bei denen ist nämlich jeder einzelne Schritt «auszutanzen». Je schneller hingegen Song und Tanz, desto eher lassen sich einzelne Schritte unbemerkt unterschlagen. «Die Langsamen mögen sie nicht», stellt Beatrice Jäggin fest und hebt mahnend ihren Zeigefinger.