Pratteln

Im Dreispitz finden tamilische Migranten Rat

Der tamilische Verein Nordwestschweiz organisierte das Fest «wir feiern zusammen» in Pratteln. Vignarajah Kulasingam ist Präsident des tamilischen Vereins und arbeitet für sein Amt rund 30 Stunden, ehrenamtlich pro Woche.

Madlaina Balmer
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Vignarajah Kulasingam engagiert sich für die Integration MB

Vignarajah Kulasingam engagiert sich für die Integration MB

Der Verein ist Treffpunkt und Anlaufstelle für tamilische Migranten, aber auch Schweizer. Das Vereinslokal befindet sich auf dem Dreispitzareal in Münchenstein. In einem grossen, modernen Gebäude im fünften Stock befinden sich ein Empfangsraum mit Billardtisch, zwei Schulzimmer mit Holzbänken für die Deutschkurse, ein Mehrzweckraum für diverse Aktivitäten, wie Yoga, Tanz und Kinderbetreuung und ein Büro.

Die tamilischen Migranten und Migrantinnen erhalten vor Ort professionelle Unterstützung und können Kurse in den Bereichen Bewegung, Kultur und Sprache belegen. Im Deutschkurs gehe es nicht nur um Grammatik und Vokabeln, sondern auch über die Anwendung im Alltag, erklärt Kulasingam. So sage man in der Schweiz beispielsweise «ja, ja», meine damit jedoch das Gegenteil. Er selbst habe anfangs gemeint, dass «ja ja» wirklich «ja» bedeute, bis er gemerkt habe, dass man damit ein «ja, nein» meine. Der Deutschkurs wird für Kinder und Erwachsene kostenlos angeboten.

Nichts ist selbstverständlich

Da es in Sri Lanka keine Krankenkassen und in Krisenzeiten auch keine Steuerabgaben gibt, müsste man Migranten erklären, wie das System in der Schweiz funktioniere. So seien einige beispielsweise überrascht, das man so viele Rechnungen erhalte. Neuerdings bietet der Verein auch eine Gesprächsrunde für Eltern und Jugendliche an. Dort könne man über die verschiedenen Standpunkte diskutieren. «Viele Jugendliche sind nämlich in der Schweiz aufwachsen und haben teilweise andere Ansichten als ihre Eltern. Darüber muss man sprechen», erklärt Kulasingam.

Er selbst kennt die Freuden und Sorgen der tamilischen Migranten sehr gut. Denn er flüchtete wegen des Krieges als 17-Jähriger alleine in die Schweiz. Damals kannte er nur seinen Onkel in Interlaken und sprach kein Wort Deutsch. In seiner Heimat besuchte er das College, in der Schweiz arbeitete er in einem Restaurant, da seine Schulbildung nicht anerkannt war. Eines Tages traf er auf einen Gast, der ihm ganz spontan eine neue Arbeitsstelle anbot. Kulasingam nahm das Angebot dankbar an und arbeitet noch heute für Unisys im Kundendienst. «Ich will meinen Landsleuten zeigen, dass alles möglich ist», sagt Kulasingam. Man könne alles erreichen mit Interesse und Motivation.

Heute spricht Kulasingam sehr gut Schweizerdeutsch und besitzt die Schweizer Staatsbürgerschaft. Er ist mit einer Tamilin verheiratet und Vater von zwei Kindern. Kulasingam übt viele ehrenamtliche Tätigkeiten in sechs verschiedenen Vereinen aus. Durch sein Engagement hat er ein breites Netzwerk aufgebaut und erreicht dadurch viele tamilische Migrantinnen und Migranten. Er ist aktives Mitglied der SP, Präsident der Stiftung Hindugemeinde, Mitglied der Integrationskommission und Koordinationsperson Heimat, Sprachen, Kultur.