ARA Rhein

In Pratteln stinkt es wohl bis 2016 weiter

Seit langem belästigt immer wieder ein penetranter Gestank die Pratteler Bevölkerung. Ursprung ist die Kläranlage ARA Rhein. Und der MIef verfliegt nicht so schnell. Denn es kann noch lange dauern, bis die alte Biofilteranlage endlich ersetzt wird.

Hans-Martin Jermann
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Die ARA Rhein will im Kampf gegen den Gestank die Anlage sanieren. Das geht nicht von heute auf morgen.

Die ARA Rhein will im Kampf gegen den Gestank die Anlage sanieren. Das geht nicht von heute auf morgen.

Roland Schmid

Es ist ein Riesendesaster: Wortreich entschuldigen sich die Verantwortlichen der ARA Rhein bei der Bevölkerung für die massiven Geruchsbelästigungen in den letzten Wochen. Fieberhaft suchen diese – so wird der verärgerten Öffentlichkeit zumindest versichert – nach den Ursachen für den Gestank. Die Umweltfachleute des Kantons drohen der 40 Jahre alten Abwasserreinigungsanlage gar mit dem Entzug der Betriebsbewilligung. Und was passiert? Nichts. Die ARA stinkt weiter. Erst am vergangenen Wochenende durften die Einwohner zwischen Birsfelden und Augst – immerhin rund 40 000 an der Zahl – wieder den Geruch fauler Eier einatmen.

Belästigt und vertröstet

Der Prattler SP-Landrat Ruedi Brassel bringt die Gemütslage vieler Anwohner auf den Punkt: «Es ist eine Serie von Belästigungen und eine Serie von Verströstungen, die wir verabreicht erhalten haben.» Dass die zuständige Umweltdirektorin Sabine Pegoraro – der Kanton ist zu 15 Prozent an der ARA Rhein beteiligt – gestern im Landrat umfassend Auskunft gegeben hat, wurde zwar gelobt. Dennoch: «Aus den Antworten spricht eine gewisse Hilflosigkeit», kommentiert Brassel. Weshalb es seit vergangenem Frühling neben der Autobahn A2 immer wieder stinkt, ist – entgegen einer anderslautenden Mitteilung der ARA von Ende Oktober – noch immer unklar.

Die ARA und das Lufthygieneamt teilen mit, dass flüchtige schwefelhaltige Verbindungen Ursache seien – daher der Geruch nach faulen Eiern. Auch weisen sie darauf hin, dass sich der Abwassermix in den letzten Jahren stark verändert habe. Die Krux: Die Wasserqualität ist dadurch zwar besser geworden, allerdings fehlen im Abwasser nun Stoffe wie Kupfer, die Bakterien- und somit Geruch-hemmend wirken. «Das hat die Aufgabe der ARA schwieriger gemacht», stellt Pegoraro klar. Grünen-Landrat Philipp Schoch überzeugen die Erklärungen nicht. «Die beteiligten Firmen sollen nun sofort ihre fachkundigsten Leute auf dieses Problem ansetzen», sagt er ungeduldig.

Die Verlautbarungen der ARA und die gestrigen Antworten der Regierung liessen im Landrat allerdings wenig Optimismus aufkommen, dass das Problem rasch gelöst wird. Pegoraro verwies auf das vor kurzem lancierte Projekt der ARA zur Optimierung der Abluftreinigung. Konkret soll eine alte Biofilteranlage ersetzt werden. Da es sich dabei nicht um eine Anlage handle, die «ab Stange» erhältlich sei, könne diese erst Anfang 2016 in Betrieb genommen werden, erläuterte Pegoraro.

Dreck der chemischen Industrie

SVP-Landrat Urs Hess schüttelt den Kopf: Er könne zwar vom Ablauf her nachvollziehen, dass die Sanierung nicht von heute auf morgen vorgenommen werden könne. «Und doch kann es nicht sein, dass es bis 2016 weiter stinkt.» Hess schlägt vor, Puffertanks einzurichten, die dafür sorgen, dass gewisse Stoffe in möglichst gleichmässiger Konzentration in die ARA eingeleitet werden. Pegoraro gibt zu bedenken, dass diese Tanks hohe Investitionen erfordern. Gleichwohl will sie den Vorschlag von Hess den beteiligten Unternehmen unterbreiten. Grünen-Landrat Schoch geht noch einen Schritt weiter: Er fordert, dass der Kanton seine Beteiligung an der ARA verkauft; die angeschlossenen Gemeinden Pratteln, Augst, Giebenach, Arisdorf, Kaiseraugst und Olsberg sollen ihr Abwasser künftig in modernen Anlagen des Kantons – etwa jener in Füllinsdorf – reinigen lassen.

«Dann müssen sich die chemischen Firmen selber um ihren Dreck kümmern, den sie in die ARA Rhein einleiten», sagt Schoch. In Pratteln finden nicht wenige, dass sich die beteiligten Chemiefirmen heute hinter den komplizierten Strukturen der ARA verstecken können – was eine wirksame und rasche Bekämpfung der Geruchsemissionen behindert. Nur: Selbst wenn der Kanton seinen Anteil an der ARA bereits morgen veräussern könnte, würde der Gestank nicht sofort aufhören.