Ausgeklügelt

Innovation: Auf Liestaler «Egoisten» schlafen

Das Liestaler Unternehmen Seven Sundays entwickelte die Matratze «Egoist», die jeder selber füllen kann. Für die individuell veränderbare Schlafunterlage ist ein Patentantrag hängig.

Andrea Schäfer
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Prinzen auf der Erbse: Reinhardt Maier, Benjamin Maier, Robert Iken.

Prinzen auf der Erbse: Reinhardt Maier, Benjamin Maier, Robert Iken.

Juri Junkov

Von aussen sieht das Gebäude der Firma Seven Sundays ganz unscheinbar aus. Läuft man aber um das Haus herum, betritt man eine mit Kisten, Paletten und Maschinen vollgestellte Fabrik. Kaum einer weiss, dass an der Rosenstrasse 21b in Liestal eine Weltneuheit hergestellt wird, für die auch ein Patentantrag hängig ist: Eine für jeden Schlafenden individuell veränderbare Matratze – die auf den Namen «Egoist» getauft wurde.

Hinter Seven Sundays steht Direktor Benjamin Maier. Er hatte die zündende Idee, eine Matratze mit drei verschiedenen Schichten herzustellen, deren Reihenfolge man selbst ändern kann. Unterstützt wird er von seinem Vater Reinhardt Maier. Diesem gehört seit 20 Jahren die Müller Schaumstoff GmbH, welche vor über 40 Jahren in Liestal gegründet wurde.

«Die Seven Sundays AG gibt es erst seit letztem Jahr. Aber bei allem, was in die Matratze eingeflossen ist, handelt es sich um das geballte Wissen von Vater und Sohn», erklärt Benjamin Maier. Die Matratzen des Jungunternehmens werden auch von der Belegschaft der Firma des Vaters in den gleichen Räumlichkeiten produziert, erklärt der 31-Jährige. Er stammt, wie die ganze Familie, ursprünglich aus Lörrach.

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Und so funktioniert's:

Die «Egoist»-Matratze hat einen waschbaren Bezug, den man ringsherum mit einem Reissverschluss öffnen kann. Im Innern hat es drei verschiedene Schichten, die separat mit Stoff umzogen sind. Sie bestehen aus verschiedenen Materialien mit unterschiedlicher Festigkeit, so zum Beispiel Latex, Daunen, Kaltschaum oder Memory-Schaum. Die Schichten werden in den ebenfalls aus Schaumstoff gefertigten Rahmen gelegt. Je nachdem, wie man liegen möchte, platziert man eine andere Schicht zuoberst und verändert so die Härte der Matratze. Die Doppelmatratze ist in der Mitte unterteilt – so können die Liegenden auf ihrer Seite ihre eigene Anordnung der Schichten bestimmen, was wohl manch einer Partnerschaft hilfreich ist.

Der studierte Philologe wohnt in Sissach. Zeitweise habe er auch Physik studiert und habe davor das Arbeiten mit Schaumstoff schon «in der Kinderstube» mitbekommen. Die Idee für sein eigenes Produkt kam ihm dann, als er in der Firma des Vaters arbeitete. An dieser Idee feilten die beiden während zweier Jahre. «Wir haben erst aufgehört, als die Matratze perfekt war», erzählt Maier. «Wir haben davor wirklich viele, anspruchsvolle Testschläfer gehabt.» Das Geld für seinen Traum vom eigenen Produkt stammt aus eigener Tasche. Sein Bruder und ein Onkel haben laut Maier ebenfalls Kapital beigesteuert.

Herausgekommen sei eine «preiswerte Premiummatratze», erklärt Maier. Die Preise für eine Einzelmatratze beginnen bei 1800 Franken, die für eine Doppelmatratze bei 3600 Franken. Robert Iken (25), der Maier vor allem beim Marketing und Vertrieb zur Hand geht, ergänzt: «Die Zielgruppe sind Leute, die sich mit dem Thema Schlaf beschäftigen, die Probleme haben mit dem Schlafen, oder einfach Lust auf ein cooles Produkt verspüren, das anders ist als alle anderen.»

Für Schweizer Betten

Pro Monat könne die kleine Matratzenmanufaktur, die noch wachsen wolle, rund 70 Stück produzieren. Vertrieben werden sie direkt oder durch Bettenhäuser. «Wir finden es schöner, mit Bettenhäusern zusammenzuarbeiten, wo der Chef noch im Laden steht, weil dort die Beratung auf Vertrauensbasis stattfindet», sagt Maier.

Geografisch wolle man sich vor allem auf die Schweiz konzentrieren. «Der Fachhandel ausserhalb der Schweiz ist momentan kein grosses Thema.» Wegen Einkaufstouristen, die vom tiefen Europreis profitieren wollen, macht man sich deshalb bei Seven Sundays auch keine Sorgen «Die Matratze bekommt man noch nicht in Deutschland», so Maier.

Dank einer in Zusammenarbeit mit einem Orthopäden entwickelten Schicht eigne sich die Schlafunterlage gut für Leute mit Rückenleiden. Stapelt man diese Schicht zuoberst, entlaste sie nachweisbar die Wirbelsäule. «Es wäre anmassend zu sagen, die Matratze kuriere alle Rückenleiden. Aber es gibt Leute, die sagen, dass sie nun endlich durchschlafen», erzählt Maier.

Egal was für eine Art von Liegefläche man bevorzuge – das Praktische am Produkt sei auch hier die Wandelbarkeit: «Häufig ärgern sich Leute, wenn sie eine Matratze kaufen und sie nach einem Jahr nicht mehr gut schlafen. Bei unseren Matratzen kann man selber die Reihenfolge tauschen oder eine einzelne neue Schicht kaufen und erhält so ein völlig anderes Liegegefühl», sagt Iken. «Das ist weltweit einzigartig auf dem Markt.»