Coronavirus

Jetzt schnüren auch Gemeinden Hilfspakete: «Es gilt, Konkurse zu verhindern»

Alles spricht von Bund und Kantonen, die in der Coronakrise helfen. Dabei sind auch viele Gemeinden nicht geizig – und sie sind für viele Betroffene die letzte Hoffnung.

Benjamin Wieland
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Eine halbe Million Franken will Allschwil Corona-Betroffenen zur Verfügung stellen. Gemeindepräsidentin Nicole Nüssli sagt, die Gemeinden seien für viele das letzte Auffangnetz.

Eine halbe Million Franken will Allschwil Corona-Betroffenen zur Verfügung stellen. Gemeindepräsidentin Nicole Nüssli sagt, die Gemeinden seien für viele das letzte Auffangnetz.

Kenneth Nars

Bei der Bewältigung der wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise geht die Schweiz ganz traditionell vor: Sie teilt die Aufgaben auf, nach dem bewährten Grundsatz der Subsidiarität: Der Bund nimmt Unternehmen in erster Linie die Lohnkosten ab, die Kantone springen für Nebenkosten ein, etwa Mieten und Strom. Doch was tun die Gemeinden? Auch sie helfen ihrem Gewerbe, wo immer es möglich ist – nur ist das weniger bekannt. Allschwil etwa hat ein grosszügiges Hilfspaket geschnürt (siehe bz von gestern). Bis zu eine halbe Million Franken könnte zu Betroffenen fliessen. 300000 Franken sind als A-fonds-perdu-Beiträge für KMU und Selbstständigerwerbende vorgesehen. Hinzu kommen nochmals je 100000 Franken Soforthilfe für Privatpersonen und Familien.

«Die Krise hat verschiedenste Facetten», sagt Allschwils Gemeindepräsidentin Nicole Nüssli (FDP) zur bz. «Es gibt Personen, die durch alle Maschen fallen, bei denen die Hilfen des Bundes und des Kantons nicht ankommen. Die können dann bei uns andocken.» Als Beispiel nennt sie die Pächterin eines kürzlich eröffneten Restaurants oder jemand, der erst gerade den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt hat. «In beiden Fällen können noch gar keine grossen Einnahmeausfälle belegt werden, wie es Bund und Kanton verlangen», sagt Nüssli. «Doch auch diese Personen leiden stark unter dem faktischen Gewerbeverbot und würden ohne Massnahmen wohl zu Grunde gehen. Das gilt es zu verhindern.»

Der Gemeinderat beschloss die Gelder am vergangenen Mittwoch. Noch muss der Einwohnerrat das Hilfspaket gutheissen. Das Ortsparlament tagt frühestens wieder am 13. Mai.

Birsfelden geht in der Not sogar unter die Verleger

Auch Binningen hat ein Hilfspaket lanciert, um «langfristig negative volkswirtschaftliche Konsequenzen» abzufedern, wie der Gemeinderat schreibt. Er sprach 100000 Franken als Härtefallbeiträge für KMU und Selbstständigerwerbende. Das Geld wird, wie in Allschwil, à fonds perdu ausbezahlt, muss also nicht rückerstattet werden.

Pratteln wiederum hat zwei Massnahmen beschlossen, wie Gemeindepräsident Stephan Burgunder (FDP) auf Anfrage mitteilt. Zum einen würden Unterhaltsarbeiten vorgezogen. Dann hat der Gemeinderat Gelder gesprochen für die Vergünstigung von Gutscheinen, die bei lokalen Betrieben eingelöst werden können. Der Beitrag der Gemeinde: 24000 Franken.

Birsfelden wiederum hat auf eigene Rechnung veranlasst, dass der «Birsfelder Anzeiger» alle zwei statt alle vier Wochen als Grossauflage erscheinen kann – und damit gratis in alle Haushalte verteilt werden kann. «Mit dem Ziel, dem lokalen Gewerbe eine Werbeplattform zu geben für seine Dienstleistungen», schreibt Gemeindepräsident Christof Hiltmann (FDP).

Geld für die eigene Beiz und viele andere

Die Wirtschaftskammer Baselland hat ihrerseits für KMU und Gewerbe den Spendentopf «s Baselbiet schaffts» eingerichtet. Allschwil hängt sich an diese Onlineplattform an. Vorgesehen ist, dass die 300000 Franken dann zusammen mit weiteren Spenden an Empfänger in Allschwil ausbezahlt werden. «Allschwil setzt damit ein beeindruckendes Zeichen für seine KMU-Wirtschaft», schreibt Michael Köhn, Mediensprecher der Wirtschaftskammer. Man stehe bereits im Gespräch mit anderen Gemeinden, die ebenfalls Beträge sprechen möchten.

Bei «s Baselbiet schaffts» seien bislang Spenden in mittlerer sechsstelliger Höhe eingegangen, schreibt Köhn. Mit der Aktion «e Stange Geld für mini Beiz», welche die Wirtschaftskammer zu Beginn des Lockdown zusammen mit Gastro Baselland und Baselland Tourismus aufgezogen hat, kann man seine Stammbeiz unterstützen. Dort stand das Spendenbarometer per Ende vergangene Woche bei stolzen 360000 Franken.