Münchenstein

Kanton Baselland hat Sonderschule übernommen – jetzt hat fast die gesamte Leitung gekündigt

Seit der Kanton Baselland das Schulzentrum TSM übernommen hat, steigt die Unzufriedenheit beim Personal. Nun verlassen vier von fünf Geschäftsleitungsmitgliedern die Institution.

Benjamin Wieland
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Schulzentrum TSM Münchenstein
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Die ständigen Wechsel und Strukturänderungen hatten Unruhe ausgelöst.
«Für viele ist die Situation natürlich unangenehm, es gab seit 2010 tatsächlich einige Wechsel in der Schulleitung.» Fred Aschwanden, Schulrats-Präsident des TSM

Schulzentrum TSM Münchenstein

Kenneth Nars

Die Mitteilung ist nüchtern gehalten. Die Rede ist von einem «Wechsel in der Leitung sowie Änderungen im Schulrat» – so steht es auf der Website des TSM, des Therapie Schulzentrums Münchenstein. Was diese Mutationen bedeuten: Vier von fünf Geschäftsleitungsmitgliedern verlassen die angesehene Institution, die Kinder und Jugendliche mit Behinderung unterrichtet. Unter den Abgängern befindet sich auch der Zentrumsleiter Peter Frei. Der Schulrat muss ebenfalls erneuert werden. Zwei Mitglieder treten zurück, darunter der Präsident Fred Aschwanden. Am Dienstagabend wurden die Mitarbeitenden informiert.

Die Wechsel an der Spitze der Einrichtung stehen in Zusammenhang mit dem Eigentümerwechsel vor eineinhalb Jahren. Im August 2016 ging die Sonderschule, die im selben Jahr ihr 40-jähriges Bestehen feierte, zum Kanton Baselland über.

Zuvor waren die beiden Basel gemeinsam Trägerkantone des Schulzentrums mit seinen rund 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Es besass eine eigene Rechtspersönlichkeit, vergleichbar mit anderen kantonal getragenen Betrieben.

Geschäftsleitung entmachtet

Die Eingliederung in die kantonale Bildungsdirektion betraf insbesondere die Zentrumsleitung. Die Geschäftsleitung musste viele wichtige Funktionen und Aufgaben an «Liestal» abgeben. Ebenso sanken die Löhne von einigen Mitarbeitenden markant.

Beim Personal ist die Verunsicherung gross. Wie die bz von Lehrpersonen in Erfahrung bringen konnte, haben die ständigen Wechsel und Strukturänderungen Unruhe ausgelöst. Ausserdem seien die Klassen zu gross, ebenso würden zu wenig Heilpädagogen beschäftigt.

Schulratspräsident Fred Aschwanden sagt auf Anfrage, das Personal habe bei der Mitarbeiterinformation am Dienstag überrascht reagiert. «Für viele ist die Situation natürlich unangenehm, es gab seit 2010 tatsächlich einige Wechsel in der Schulleitung.» Dass die Saläre nach dem Eigentümerwechsel gesunken seien, habe damit zu tun, dass Basel-Stadt in den betreffenden Kategorien höhere Löhne zahle als Baselland. Mit Ausgleichszahlungen hätten die Differenzen jedoch abgefedert werden können. Aschwanden zeigt sich überzeugt, dass das TSM nun gefestigt sei. Auf den Schulbetrieb hätten die Wechsel keine allzu grossen Auswirkungen. Bis zum Beginn des neuen Schuljahres im August sollten alle Vakanzen wieder besetzt sein. Aschwanden tritt aus Altersgründen zurück. Er wird dieses Jahr 72.

Die Baselbieter Bildungsdirektion schreibt auf Anfrage, der Entscheid der ausscheidenden Mitglieder der Zentrumsleitung sei zu respektieren. Am Status des TSM seien keine Veränderungen geplant, es bestehe aber auch nicht die Absicht, das TSM «in ein enges Korsett zu drücken, das den Betrieb beziehungsweise den Bildungsauftrag einschränkt.» Die Schule könne ihr eigenes Profil entwickeln und stehe «auf sicheren Beinen».