Münchenstein

Kanton sträubt sich gegen Strasse, die Quartier entlasten soll

Münchenstein plant neue Wohnüberbauungen. Damit der zusätzliche Verkehr das Quartier nicht zusätzlich belastet, möchte der Kanton eine Entlastungsstrasse bauen. Die Kanton ist dagegen, weil dort ein denkmalgeschützter Park ist.

Michel Ecklin
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Münchenstein

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Google Earth/bz

Auf der Hardstrasse in Münchenstein fahren jetzt schon viele Autos. Denn der ganze motorisierte Verkehr vom und zum Quartier nördlich des Zollweidenkreisels fährt dort. Das gefährdet die vielen Schüler und Kindergärtner, und die Anwohner beklagen sich über zu viel Verkehr. Die Situation dürfte sich verschärfen, wenn beim ehemaligen Läckerli Huus und im Dychrain rund 500 neue Wohnungen stehen – die Quartierpläne sind in Vorbereitung. Weil sowohl die Gemeindeversammlung als auch der Zonenplan dies fordern, hat der Gemeinderat nach einer alternativen Erschliessung des Quartiers gesucht – und ist fündig geworden.

Er möchte nämlich die Muttenzerstrasse Richtung Westen verlängern, quer durch den Park vor der Ehinger Villa zur Baselstrasse. Derzeit läuft das öffentliche Mitwirkungsverfahren – obwohl der Kanton bereits sehr deutlich gemacht hat, dass er die neue Strasse nicht zulassen will. Grad fünf Gründe gibt das Amt für Raumplanung nämlich in seinem Vorprüfungsbericht an, warum «wir dringend empfehlen, von weiteren Abklärungen (...) abzusehen». So steht die 1830 erstellte Villa unter kantonalem Denkmalschutz, inklusive Park. Zudem werde die Strasse «die ökologische Qualität und den Erholungswert des Parks deutlich schmälern».

Gemeinde will Kanton umstimmen

Weiter erachtet der Kanton den Landverbrauch als unnötig, weil das Quartier über die Hardstrasse «raumplanungskonform und hinreichend erschlossen» sei. Und schliesslich bestehen Bedenken bezüglich Trinkwasserschutz und an der Bushaltestelle an der Baslerstrasse. Das Fazit aus Liestal ist eindeutig: «Wir empfehlen dringend, von weiteren Abklärungen an diesem Standort abzusehen.» Und auch für das Gymnasium Münchenstein wäre die Strasse «nicht so toll», wie es Rektor Gabriel Hänggi ausdrückt. Der Park vor der Villa wird von den Schülern als erweiterter Pausenhof genutzt, etwa für die Mittagspause. Für den Münchensteiner Gemeindepräsidenten Giorgio Lüthi (CVP) macht es sich der Kanton mit seiner Kritik zu einfach. Denn die Strasse sieht er als die Konsequenz der Verdichtung nach innen, die Münchenstein vorantreibe. Das entspreche einem Grundsatz im neuen eidgenössischen Raumplanungsgesetz, auch der Kanton habe sich dazu bekannt. «Wenn wir das umsetzen wollen, kann der Kanton nicht einfach Nein zur Strasse sagen», sagt Lüthi.

Noch wisse niemand, wie man bei Verdichtungen mit Konflikten mit dem Denkmal- oder Umweltschutz umzugehen habe. Der Kanton stelle sich mit seinem kategorischen Nein solche Fragen gar nicht erst. Lüthi ist aber guter Hoffnung, dass das Amt für Raumplanung noch umzustimmen ist. Deshalb liefert die Gemeinde in ihrem Planungsbericht Argumente, die die Bedenken aus Liestal abschwächen sollen. So werde die Strasse nur «die absolut erforderliche Mindestbreite» haben, den Denkmalschutz werde man mit einer «annehmbaren Lösung» berücksichtigen, und die Wasserfassung könne man an diesem Ort ganz aufheben.

«Mit den geeigneten Massnahmen kann man die Bedingungen des Kantons wenigstens teilweise erfüllen», findet Lüthi. Die Anwohner der Hardstrasse hätten berechtigte Anliegen. «Der Kanton meint, es gebe eine einfachere Variante als die unsere, die nicht am Natur- oder Denkmalschutz scheitert. Dahinter setze ich aber ein grosses Fragezeichen.»

Sucht Münchenstein die Konfrontation mit dem Kanton? Lüthi winkt ab. Die Gemeinde treibt die Planung trotz der negativen Haltung aus Liestal weiter, «weil es unsere Aufgabe ist, Lösungen aufzuzeigen. Das ist der ganz normale demokratische Weg.» Stimmt die Gemeindeversammlung der Strassenverlängerung zu und legt der Kanton sein Veto ein, kann die Gemeinde die Angelegenheit vom Regierungsrat entscheiden lassen. Danach stünde der Rechtsweg offen. Dazu Lüthi: «So weit will ich gar nicht denken.»