Öffentlicher Verkehr

Kein Licht am Ende des Tunnels: Läufelfingerli bleibt noch für viele Jahre ein Sorgenkind

Im Oberbaselbiet sitzt der Frust tief wegen der vielen Ausfälle und Ersatzbusse rund ums Läufelfingerli. Die SBB als Betreiberin stehen in der Kritik. Nun fordern die Grünen im Landrat eine Neuausschreibung der Bahnlinie. Eine verlockende, aber eben auch aussichtslose Idee.

Hans-Martin Jermann
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Die SBB sind als Betreiberin der S 9 in Frage gestellt.

Die SBB sind als Betreiberin der S 9 in Frage gestellt.

Kenneth Nars

Seit Montag verkehren auf der S 9 zwischen Sissach und Olten Ersatzbusse. Grund ist der landesweite Lokführermangel bei den SBB. Die Busse sorgen für Ärger: Nicht nur dauert die Fahrt durchs Homburgertal im Bus fahrplanmässig länger als im Läufelfingerli; darüber hinaus kommen viele Ersatzbusse verspätet ans Ziel, wie Pendler klagen.

Zwar wollen die SBB Mitte Dezember wieder auf den ordentlichen Zugbetrieb umstellen. Dass dann Ruhe einkehrt, glaubt hingegen kaum jemand. Zu oft war die S 9 in der Vergangenheit von Störungen und Zugausfällen betroffen.

Frust wegen SBB: «So kann es nicht weitergehen»

«Die SBB sind kein zuverlässiger Partner mehr», findet der Muttenzer Grünen-Landrat Peter Hartmann. Da die SBB den Leistungsauftrag auf der S 9 offensichtlich nicht erfüllen könnten, stelle sich die Frage, ob andere ÖV-Unternehmen nicht geeigneter wären.

Die SBB sind kein zuverlässiger Partner mehr.

(Quelle: Peter Hartmann, Grünen-Landrat, Muttenz)

Der Kanton solle daher prüfen, unter welchen Voraussetzungen die S 9 neu ausgeschrieben werden könnte, fordert Hartmann in einem Vorstoss im Parlament. Das heisse nicht per se, dass die SBB der falsche Anbieter seien. «Wichtig ist, dass der Kanton den SBB klarmacht, dass es so nicht weitergehen kann», findet er.

Betreiberwechsel würde kompliziert werden

Die Läufelfingerli-Linie neu vergeben? Das klingt verlockend, zumal einige Kantone mit Ausschreibungen von Buslinien gute Erfahrungen gemacht haben. Recherchen der bz zeigen nun aber: Dass eine regionale Bahnlinie ausgeschrieben wird, ist laut Gesetz zwar möglich, aber in der Schweiz noch nie vorgekommen. Ein Betreiberwechsel im Bahn- ist wesentlich komplizierter als im Busverkehr.

In Frage käme als alternative Betreiberin der S 9 de facto nur die BLS AG. Sie betreibt im Mittelland einige Regionallinien, darunter die S-Bahn Bern. Allerdings ist das Interesse der Berner am Läufelfingerli «aus heutiger Sicht eher gering», teilt die BLS-Medienstelle auf Anfrage mit. Dies auch deshalb, weil die BLS in der näheren Region über keinen Produktionsstandort verfügt.

Doch das Killerargument gegen eine Neuausschreibung ist ein anderes: Die aktuelle Konzession der S 9 läuft erst im Dezember 2029 aus, wobei diese durch das Bundesamt für Verkehr an die SBB erteilt worden ist. Die Bestellerkantone Baselland und Solothurn verfügen lediglich über ein Anhörungsrecht.

Tunnelsanierung wird dem Läufelfingerli schaden

Baselland hat sich nach dem Volks-Ja im November 2017 zum Erhalt des Läufelfingerli darum bemüht, mit Fahrplanänderungen und anderen Massnahmen die Bahn attraktiver zu gestalten. Erste Erfolge sind nun wieder infrage gestellt.

So werden die SBB zwischen 2023 und 2027 den Hauenstein-Basistunnel zwischen Tecknau und Olten sanieren. Dies wird zeitweise zu einer Verlagerung des Fern- und Güterverkehrs auf die Linie durchs Homburgertal führen.

«Wir rechnen deshalb mit Einschränkungen auf der S 9», sagt die Baselbieter ÖV-Delegierte Eva Juhasz. Wie gravierend diese sein werden, wird 2021 bekannt. Klar ist bereits: Das Läufelfingerli bleibt für Jahre eine Baustelle.