Windenergie

Kleinlützel streitet um den Windpark auf dem Chall

Mit einer Motion wollen die Einwohner von Kleinlützel das Projekt einer Windanlage bodigen. Der Gemeinderat zeigt sich hingegen offen für Windkraft.

Dimitri Hofer
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So könnte der Windpark Chall eines Tages aussehen – falls er denn tatsächlich gebaut wird. (Montage/bz-Archiv)

So könnte der Windpark Chall eines Tages aussehen – falls er denn tatsächlich gebaut wird. (Montage/bz-Archiv)

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Es ist eine paradoxe Situation, die in der Solothurner Exklave Kleinlützel herrscht: Der Windpark Chall, der dereinst über der Ortschaft thronen könnte, spaltet das Dorf. Einwohnerinnen und Einwohner setzen sich dafür ein, dass niemals Windräder drehen werden. Dabei war es einst der Gemeinderat, der beim Kanton Solothurn einen Richtplaneintrag des Chall als Potenzialgebiet für Windenergie beantragt hatte.

«Die Gemeinde soll ihren Antrag wieder rückgängig machen. Das wäre die eleganteste Variante», sagt Rolf Meyer. Der Kleinlützler ist Präsident eines Aktionskomitees, das sich zum Ziel gesetzt hat, den Chall als Naherholungs- und Naturschutzgebiet zu erhalten. Am Montag übergab das Komitee dem Gemeinderat eine Motion, die von 207 Einwohnern unterschrieben worden war.Mit der Motion möchte das Komitee in der 1300-Einwohner-Gemeinde eine Urnenabstimmung über die Grundsatzfrage, ob der Chall als Standort für einen Windpark erwünscht ist, erreichen. Ebenso soll der Gemeinderat im kommunalen Zonenreglement den Chall als Landschaftsschutzzone ausscheiden.

Komitee durchkreuzt die Pläne des Gemeinderats

Das Aktionskomitee arbeitet eng mit dem Verein Wind-Still zusammen, der sich seit langer Zeit gegen die Pläne der Industriellen Werke Basel (IWB) engagiert. «Ein Windparkprojekt auf dem Chall ist nicht rentabel, da zu wenig Wind weht. Da werden viele Subventionen verschleudert», sagt Komiteepräsident Meyer. Ausserdem würde durch eine solche Anlage der Chall als Naherholungsgebiet zerstört. Er fasst zusammen: «Dieses Projekt braucht es schlicht nicht.»

Das Komitee durchkreuzt die Pläne des Kleinlützler Gemeinderats. Gemeindepräsident Martin Borer (SP) kann nicht verhehlen, von der Motion ein wenig überrumpelt worden zu sein. «Wir wollten nach einem allfälligen Solothurner Richtplaneintrag und nach Vorliegen aller nötigen Fakten sowieso eine Urnenabstimmung in Kleinlützel durchführen. Dies wurde auch mehrfach so kommuniziert. Jetzt ist die Motion da und wir müssen klären, was das für das weitere Vorgehen bedeutet.» Ob die Motion des Aktionskomitees für erheblich erklärt werde, entscheide die Gemeindeversammlung.

Der Windpark Chall sieht fünf Turbinen mit einer Höhe von 140 Metern vor. Die Anlagen würden auf dem Gebiet der Solothurner Ortschaft Kleinlützel und der Baselbieter Gemeinde Röschenz stehen. Damit die Planungen der IWB weitergehen können, muss der Chall in den Richtplänen beider Kantone als Potenzialgebiet für Windenergie aufgenommen werden. Im Richtplan des Kantons Baselland ist dies bereits geschehen. Im Kanton Solothurn ist man nach dem Antrag des Gemeinderats von Kleinlützel an einem Richtplaneintrag. «Wir beantworten die über 200 Eingaben, die zum Chall als Potenzialgebiet für Windenergie gemacht wurden», sagt Brigitte Schelble, die für die Richtplanung im Kanton Solothurn verantwortlich ist. Danach bestehe für die Gemeinden die Möglichkeit, sich an den Regierungsrat und letztlich an den Kantonsrat zu wenden. Der Regierungsrat, sowie im Fall von Beschwerden der Kantonsrat, beschliesst letztlich den Richtplan.

IWB verfolgen Projekt seit einem Jahrzehnt

«Liegt der Eintrag auch im Solothurner Richtplan vor, werden wir eine detaillierte Umweltverträglichkeitsprüfung erstellen», erklärt IWB-Sprecher Reto Müller. «Wir werden die nächsten Schritte in enger Abstimmung mit den involvierten Gemeinden angehen.» Der Basler Stromlieferant plant seit mehr als einem Jahrzehnt auf dem Chall eine Windkraftanlage. In Deutschland und Frankreich betreibt die IWB bereits einige derartige Einrichtungen. Ebenso ist man seit einiger Zeit an einer Anlage im bernischen Saint-Imier beteiligt.

Der erste Windpark des Unternehmens in der Region Basel scheint jedoch noch lange auf sich warten zu lassen.