Demeter-Landwirtschaft
Kompost, Mond und Kosmos: Bei diesem Bauern hat Chemie keine Chance

Demeter-Bauern betreiben Landwirtschaft nach anthroposophischen Grundsätzen. Andy Miesch aus Wittinsburg ist einer von ihnen. Er vermarktet 80 Prozent seiner Ernte direkt und auf dem Markt.

Daniel Haller
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Demeter-Bauer Andy Miesch aus Wittinsburg
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Ein Demeter-Hof versteht sich als Organismus: Vieh und Pflanzenbau bedingen sich gegenseitig.
Reibt man das Gemüse nur ab, statt es zu waschen, bleibt es länger frisch.
Demeter-Kirschen für den eigenen Hausschnaps, der im Aargau gebrannt wird.

Demeter-Bauer Andy Miesch aus Wittinsburg

Nicole Nars-Zimmer

«Jeder Bauer kann überleben, wenn er seine Nische und seinen Absatz hat», meint Andreas Miesch. Seine Nische heisst Demeter: Bereits seine Eltern stellten 1969 den Betrieb auf die in der Anthroposophie verwurzelte biodynamische Produktionsweise um. Dies heisst nicht nur, dass man mit der Natur nachhaltig umgeht. Die Demeter-Wirtschaft steht zusätzlich quer zur auf wissenschaftliche Beweise orientierten Weltsicht.

So sollen in homöopathischen Dosen versprühte Kiesel- und Hornmist-Präparate gemäss Rudolf Steiners Geisteswissenschaft den Pflanzen helfen, mehr Energie aus dem «kosmischen Erdmeer» aufzunehmen. Auch altes Erfahrungswissen wird hochgehalten: Die Konstellationen der Sterne beeinflusse das Pflanzenwachstum und ein Kalender legt optimale Pflanz- und Erntetage für Blatt-, Wurzel-, Frucht- und Blütenpflanzen fest. «Ein an einem Wurzeltag geerntetes Rüebli ist viel haltbarer», versichert Miesch, der selbst kein Anthroposoph ist.

Viel Handarbeit

Doch nicht nur kosmisch bedingte Massnahmen sollen die Qualität steigern: «Bei uns wird kein Gemüse gewaschen, wir reiben es ab», betont Bäuerin Sandra Miesch. So werde es im Kühlschrank nicht so gummig. Das erfordert zusätzliche Handarbeit und Geduld - ebenso das Jäten in den Gemüse-Tunnels und auf dem Pflanzblätz, das Behandeln des Viehs mit Homöopathie statt Antibiotika oder das Pflücken der Kirschen von den Hochstammbäumen. Der Hof ist ein Organismus, Vieh und Pflanzen hängen im Naturkreislauf voneinander ab.

Das hat seinen Preis. «Unsere Produkte sind teurer, aber gesünder», ist Miesch überzeugt. Seine Eltern belieferten die Ita-Wegman-Klinik und andere anthroposophische und soziale Einrichtungen in der Region. Später wünschten Konsumentinnen, in Arlesheim einen entsprechenden Markt einzurichten. Rund 60 Prozent seiner Produktion verkauft er nun jeden Freitag in Arlesheim, weitere 20 Prozent direkt an Privatkunden.

In der Schweiz existieren rund 400 Demeterhöfe, von denen einige zusammenarbeiten: So gibt Miesch die Kälber zur Aufzucht auf einen Demeterhof im Bucheggberg und nimmt sie erst kurz vor dem erstmaligen Kalben zurück. Von dort bezieht er auch die Kartoffeln und Rüebli für den Markt in Arlesheim. Auch der Saatweizen, den er produziert, wird von Sativa an andere Demeter- und Biobauern verkauft. Und die Milch, soweit er sie nicht in die Miba-Biolinie liefert, geht für die Joghurt-, Glace- und Quark-Produktion auf einen weiteren Demeterhof. Diese Produkte wie auch die Milch kommen in Arlesheim auf den Markt. Die Milch und das Fleisch, das er komplett direkt vermarktet, produziert er mit eigenem Futter: «Inputs teuer kaufen und die Produkte billig weggeben, das geht nicht auf.»

Arbeitskräfte fehlen

Seine rund 300 Hochstammbäume bewirtschaftet er ohne Chemie. Die Kirschfliege bekämpft er mit Klebe-Fallen. «Bei einem gepflegten Baum, der regelmässig geschnitten wird, hat man mehr gesunde Früchte.» Die Kirschfliegen-Plage sei nicht zuletzt die Folge davon, «dass viele Bäume nur noch wegen der Subventionen stehen, aber nicht mehr gepflegt werden.»

Probleme bereiten die fehlenden Hände: «Früher hatte man Cousins, Onkel und die halbe Verwandtschaft, die helfen kamen. Heute braucht es Saisonniers. Wir haben seit Jahren deren Zwei aus Polen.» Schweizer Arbeitslose seien «viel zu anspruchsvoll». Doch auch mit dieser Hilfe kommt Miesch mit seiner Baselbieter Sorte Schauenburger, die auf 600 Meter über Meer spät reift, in Konflikt mit anderen Arbeiten: «Reift die Gerste, muss ich als Mähdrescherfahrer meinem Bruder helfen, der in Diegten ein Lohnunternehmen führt.»

Früher belieferte er auch Behindertenheime. Doch leider sei dieser Absatzkanal versiegt. «Die Gesetze bevorzugen den Handel und erschweren die direkte Belieferung der Kunden», stellt Miesch fest. Trotzdem verkauft er in einem guten Jahr Tafelkirschen in Arlesheim auf dem Markt. Vier Tonnen wandern an die Biofarm in Kleindietwil (BE) für Konfitüren und Joghurts - und nicht zuletzt ins Fass. Gebrannt wird der Wittinsburger Hochstamm-Schauenburger-Kirsch dann bei Humbel im aargauischen Stetten.
20 Hektaren mit nur zwei festen Arbeitskräften – das Ehepaar Miesch –, den beiden Saisonniers für je drei Monate und einer gelegentlich anpackenden «goldenen Perle» zu bewirtschaften, strengt an. Entsprechend ist Miesch froh, dass sein Sohn bald aus der Landwirtschaftslehre zurückkommt. «Er ist allerdings skeptisch gegenüber der biodynamischen Wirtschaftsweise». Doch ein Umstellen auf bioorganisch würde heissen, die Nische aufzugeben und den Absatz neu organisieren zu müssen.