Zullwil

Kühner Einsatz in luftiger Höhe bei der Ruine Gilgenberg

Die geschichtsträchtige Ruine Gilgenberg in Zullwil erhält eine Überdachung. 53 Helikopterflüge sind insgesamt nötig, um sämtliche Holzbalken und Glasscheiben zu montieren.

Dimitri Hofer
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Der Hubschrauber fliegt eine der Holzkonstruktionen zur Ruine Gilgenberg.

Der Hubschrauber fliegt eine der Holzkonstruktionen zur Ruine Gilgenberg.

Dimitri Hofer

Der Nebel machte den Schülerinnen und Schülern aus Münchenstein einen Strich durch die Rechnung. Sie waren gestern Morgen auf einem Ausflug im Schwarzbubenland und besuchten gerade die Ruine Gilgenberg. Da erfuhren die Kinder, dass schon bald ein Helikopter abheben und zur Burg in Zullwil fliegen soll. Aufgrund der schlechten Sichtverhältnisse musste der Hubschrauber aber vorerst am Boden bleiben. Ein wenig enttäuscht entschlossen sich die Lehrpersonen, ohne die knatternden Propeller gehört zu haben, weiterzuziehen.

Jenes Geräusch dröhnte am Nachmittag durch die gesamte Thiersteiner Gemeinde. Nachdem sich das Wetter ein wenig verbessert hatte, konnte der Helikopter doch noch starten. Unter ihm hing an einem Seil eine riesige Holzkonstruktion, welche in luftiger Höhe auf die Burg geflogen wurde. Dort warteten bereits die Handwerker, die in den vergangenen Wochen schon viele Vorarbeiten geleistet hatten. Insgesamt zehnmal hob der Pilot ab, um sämtliche Balken hochzubringen. Heute in einer Woche werden zahlreiche Hubschrauberflüge dazukommen, wenn auch noch die Glasscheiben montiert werden. Die Ruine, bei der es sich um eines der wichtigsten Wahrzeichen des Schwarzbubenlands handelt, wird dann teilweise überdacht sein.

Ruine und Besucher schützen

Die Gefahr, im von den Thiersteinern liebevoll als Schloss bezeichneten Bauwerk nass zu werden, verringert sich dadurch. «Ganz ausgeschlossen werden kann sie jedoch nicht, da das Dach nur zwei Drittel der gesamten Burg bedeckt», sagt Kurt Kohler, dessen Zullwiler Holzbaufirma für die Konstruktion der Balken verantwortlich zeichnete. Ein Teil bleibt offen, damit im Innern weiterhin ein Feuer entfacht werden kann. Dazu wird es sicher auch bei der zweiten Ausgabe des Mittelalterfestes kommen, das Ende Juni in und um die Ruine Gilgenberg stattfindet.

Neben den Besuchern von Veranstaltungen wie dem jährlich durchgeführten Open-Air-Kino soll die Überdachung auch die Mauern des Gebäudes schützen. «Unsere Tätigkeiten geschahen in enger Absprache mit der Solothurner Denkmalpflege, der ebenfalls viel an der Burg aus dem vierzehnten Jahrhundert liegt», erzählt Kohler, der zudem Präsident der Stiftung Schloss Gilgenberg ist. Die Eigentürmerin sorgt für den Unterhalt der Burg und trieb den Bau der Überdachung voran.

Dem Stiftungsrat, dem Vertreter der Dörfer Fehren, Meltingen, Nunningen, Himmelried und Zullwil angehören, oblag es auch, die Finanzierung des 154 000 Franken teuren Daches sicherzustellen. Jede der fünf Gebirgsgemeinden beteiligt sich mit zehn Franken pro Einwohner an den Kosten. «Unser Hauptsponsor ist die Philanthropische Gesellschaft Schweiz», freut sich Stiftungsrat Werner Hänggi. Der einstige Gemeindepräsident von Meltingen erklärt, dass die gesamte Überdachung mit Spenden gedeckt werden soll. Damit könne man das Stiftungsvermögen weiterhin für die Pflege des historisch wertvollen Bauwerks verwenden.

Wechselvolle Geschichte

Die von Zullwil in rund zehn Minuten erreichbare Burg wurde während ihrer Geschichte mehrmals beschädigt. Das Grosse Erdbeben von Basel im Jahr 1356 hinterliess auch in Thierstein ihre Spuren. Im Zuge der Französischen Revolution zerstörten die Einheimischen das Gebäude fast komplett, indem sie es in Brand steckten. Nachdem die Ruine in den Besitz der Gemeinde gelangte, wurde sie erstmals renoviert. Eine umfassende Restaurierung erfolgte vor gut dreissig Jahren durch die Stiftung Schloss Gilgenberg.

Immer wieder statten regionale Vereine und Schulen der geschichtsträchtigen Burg einen Besuch ab. Wenn die Schüler aus Münchenstein das nächste Mal nach Zullwil kommen, werden sie von aussen keinen Unterschied erkennen. Man habe darauf geachtet, das Erscheinungsbild der Ruine mit der schrägen Teilüberdachung nur minimal zu verändern, erklärt Kurt Kohler.