Pharmaindustrie

Liestals Pharma-Traum ist ausgeträumt

Das Pharmazell-Werk im Oristal ist Geschichte. Der Stadtpräsident sieht Liestal heute eher als Gesundheits- denn als Pharma-Cluster.

Andreas Hirsbrunner
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Die Pharmazell ist gegangen, ein Grossteil des ehemaligen Knoll-Areals steht derzeit leer.

Die Pharmazell ist gegangen, ein Grossteil des ehemaligen Knoll-Areals steht derzeit leer.

Roland Schmid

Die Firma Pharmazell Schweiz GmbH ist in Liquidation, wie kürzlich im Amtsblatt zu lesen war. Das Ende kam somit schneller, als vor etwas mehr als einem Jahr angekündigt: Damals schrieb die deutsche Pharmazell-Gruppe, dass sie das Schweizer Werk an der Oristalstrasse in Liestal mit 60 Mitarbeitern spätestens Ende 2020 schliesse. Dies, weil es trotz Ausbau und Modernisierung der Anlagen nicht gelungen sei, den Betrieb in die Gewinnzone zu führen.

Damit endet ein Kapitel, das der Chef der Pharmazell-Gruppe mit Sitz im bayerischen Raubling und ehemalige Böcktener Gemeindepräsident Oliver Bolzern in dieser Zeitung 2012 noch erwartungsvoll ankündete: Bis in vier bis fünf Jahren sei eine volle Auslastung des Liestaler Werks zu erwarten. Mittlerweile produziert die Pharmazell-Gruppe ihre pharmazeutischen Wirkstoffe vor allem für die Behandlung von Atemwegs-, Entzündungs- und Leberkrankheiten in Deutschland, Italien und Indien.

Lukas Otts Hoffnungen haben sich verflüchtigt

Aber auch für einen andern war das Liestaler Pharmazell-Werk Bestandteil einer Erwartung, die sich nicht erfüllte. Der ehemalige Liestaler Stadtpräsident Lukas Ott sagte 2014 gegenüber der bz: «Der Bereich Pharma in Liestal sendet insgesamt äusserst vitale Lebenszeichen aus, die hoffentlich richtungsweisend sind für unsere weitere Entwicklung.» Ott hatte damals nebst der Pharmazell die ebenfalls in Liestal ansässigen Firmen Gebro Pharma und Santhera im Auge. Doch davon ist nur noch Gebro übrig geblieben, Santhera ist nach Pratteln umgezogen.

Ist der Traum vom Pharma-Cluster Liestal also ausgeträumt? Otts Nachfolger Daniel Spinnler sagt: «Ein Pharma-Cluster Liestal ist nicht gestorben. Aber uns war immer klar, dass wir bei der Pharma-Forschung nicht mit den regionalen Top-Orten Basel und Allschwil mithalten können.» Für den Stadtrat stünden viel mehr Zulieferer der Pharmabranche wie Penta-Elektric oder Firmen wie Gebro, die die Anwendung von Wirkstoffen weiterentwickelten, im Vordergrund. Spinnler verweist auch auf einen Abschnitt im Entwicklungsplan, in dem von einem andern Cluster die Rede ist: «Liestal ist Gesundheitszentrum: Ein zukunftsweisendes Spital und weitere Anbieter formieren einen Gesundheitscluster im Grünen.» Der Stadtrat arbeite auch entsprechend mit der kantonalen Wirtschaftsförderung zusammen.

Suche eines Nachmieters hat begonnen

Zur Wirtschaftsstrategie gehöre auch, Start-up-Firmen aus dem Gesundheitsbereich, aber auch aus ganz andern Branchen zu begleiten und zu unterstützen, wenn sie in Liestal expandieren wollten. Aber natürlich, so ergänzt der heutige Stadtpräsident, sei es schade, eine Firma wie Pharmazell zu verlieren.
Diese wirkte auf dem Areal der ehemals bekannten Liestaler Firma Knoll, das heute der Drug’On AG gehört, einer Tochter der italienischen Orofino-Gruppe. Dort leaste die Pharmazell auf einem Grossteil des Grundstücks Anlagen der Drug’On. Deren Direktor Beat Mathys sagt, dass man nun am Suchen eines Nachmieters aus dem Bereich Chemieproduktion sei. Wegen der Coronakrise werde es nun wahrscheinlich Ende Jahr, bis man jemanden gefunden habe.