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Massive Ausweitung: Baselland will 50'000 Personen pro Woche auf Corona testen

Im Kampf gegen Corona schlägt der Kanton Baselland einen wichtigen Pflock ein: Er führt breite und wiederholte Massentests durch für Personen, die viel Kontakt mit anderen haben. Damit sollen weitere Einschränkungen wie etwa Schulschliessungen verhindert werden.

Hans-Martin Jermann
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Bei der Massentest-Kampagne des Kantons Baselland sollen die angenehmeren Speicheltests anstatt jener mit dem Stäbli im Rachen zum Einsatz kommen.

Bei der Massentest-Kampagne des Kantons Baselland sollen die angenehmeren Speicheltests anstatt jener mit dem Stäbli im Rachen zum Einsatz kommen.

Moritz Hager

Als einer der ersten Kantone lanciert Baselland eine Massentest-Kampagne: Ab sofort werden in einer Initialphase an Schulen sowie in der kantonalen Verwaltung Speicheltests auf PCR-Basis durchgeführt. Anstelle der bisherigen unangenehmen Stäbli-Tests können die Testwilligen nun ins Röhrli spucken. In den kommenden Wochen wird dieses Testing auf Mitarbeitende von Spitälern und Heimen sowie auf Firmen, so etwa Produktionsbetriebe oder Läden mit Kundenkontakt, ausgedehnt.

Alle Schüler des Kantons werden systematisch getestet

Insgesamt sollen 50'000 Personen pro Woche getestet werden. Bis zum anvisierten Ende der Kampagne im Juli wären das 1,3 Millionen Tests. Einem systematischen Monitoring unterzogen werden alle Schülerinnen und Schüler und die Lehrer im Kanton. Betroffen sind rund 25'000 Personen auf allen Schulstufen und knapp 2000 Klassen. Massentests für die gesamte Bevölkerung wird es allerdings nicht geben. Zudem bleibt die Teilnahme freiwillig.

Die Massentests sollen helfen, Infektionsherde aufzuspüren, sagt Patrik Reiniger, Leiter des Kantonalen Krisenstabs. Die aktuell rückläufigen Coronafallzahlen seien trügerisch:

«Wir erleben gerade die berüchtigte Ruhe vor dem Sturm. Die nächsten Wochen werden für das weitere Infektionsgeschehen entscheidend sein.»

Wegen der aktuellen Engpässe bei den Impfungen sei es umso dringender, die Ansteckungszahlen tief zu halten, betont Reiniger. Nun sei ein günstiger Zeitpunkt, um zu handeln.

Die massive Ausweitung der Tests steht im Zusammenhang mit den mutierten und ansteckenderen Varianten des Coronavirus. Dieses habe sich in den vergangenen Monaten trotz starker Schutzmassnahmen weiter ausgeweitet, betont Reiniger. So etwa an Schulen, wie die Fälle mit mutierter Variante an den Primarschulen in Oberwil, Duggingen und Niederdorf gezeigt haben. Laut Studien wird das Virus zunehmend auch von Personen ohne Krankheitssymptome weitergegeben. Vor allem sie sollen mit den Massentests erfasst werden.

Dank der Massentests sollen im Frühling Lockerungen möglich werden

Die Massentests sollen zudem dazu beitragen, dass «nicht noch härtere und einschränkendere Massnahmen ergriffen werden müssen», sagt Reiniger. Auch soll in den Schulen der Präsenzunterricht weitergeführt und die Zahl der Personen in Quarantäne gesenkt werden. Solange das Gros der Bevölkerung nicht geimpft sei, müsse der Kanton solche Massnahmen ergreifen, sagt der Krisenstab-Chef. Die Kampagne sei aber mit einer positiven Perspektive verbunden: «Dank des intensiven Testings kann es mittel- und langfristig möglich werden, die geltenden Einschränkungen zu lockern.»

Die Baselbieter Regierung hat gestern zur Umsetzung der Teststrategie 14 Millionen Franken gesprochen. Noch offen ist, in welchem Ausmass sich der Bund daran beteiligt. Krisenstab-Chef Reiniger hält das angesichts der schwierigen Situation für gut eingesetztes Geld: «Natürlich ist das teuer. Aber noch viel teurer würde es, wenn wir ohne Massentests Probleme in Gesundheitsinstitutionen kriegen würden oder weitere Bereiche der Wirtschaft herunterfahren müssten.»

Basel-Stadt verzichtet vorerst auf Massentests

Der Nachbarkanton Basel-Stadt verzichtet auf eine vergleichbare Massentest-Kampagne, arbeitet aber ebenfalls an Ideen, wie Personen ohne Krankheitssymptome besser erreicht werden können. Der Basler Ansatz unterscheidet sich nicht grundsätzlich von jenem im Landkanton: Man sei an der Klärung erfolgversprechender Settings wie Tests in Betrieben sowie sozialen und medizinischen Institutionen oder von Personengruppen wie Ferienrückkehrern, erklärt der Basler Kantonsarzt Thomas Steffen. «Der gezielte Ansatz ist wichtig, um ein gutes Aufwand-/Nutzen-Verhältnis zu erreichen, das heisst, viele Neuinfektionen mit vertretbarem Aufwand zu finden.» Man sei weltweit noch in einer Lernphase. «Es gibt nicht den Königsweg, der zur optimalen Eindämmung führt», findet Steffen.

Pionierkanton bei den Massentests war Graubünden, der bereits vor Weihnachten auf eigene Faust eine Kampagne lancierte und dabei weite Bevölkerungsteile einbezog. Baselland begann seinerseits ab Anfang Januar damit, Mitarbeitende von Altersheimen regelmässig und systematisch zu testen – auch das eine Pionierleistung. Allerdings warteten viele Kantone mit breit angelegten Test-Kampagnen zu. Nach dem Beschluss des Bundesrates vom vergangenen Mittwoch, die Kosten für Tests auch ohne Symptome zu übernehmen, könnte der Wind nun gedreht haben.