Binningen

Massiv mehr Schüler – trotzdem kein neues Schulhaus in Planung

Weil der Raumbedarf an den Primarschulen steigt, wird wohl auch Binningen unter die Baselbieter Schulbauherren gehen. Zwar wollen sie kein neues Schulhaus bauen, sondern lediglich an den vier Primarschulhäusern Räume anbauen.

Benjamin Wieland
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Die Gemeinde Binningen hat erkannt, dass sie mehr Schulraum braucht – und zwar massiv mehr Schulraum. (Symbolbild)

Die Gemeinde Binningen hat erkannt, dass sie mehr Schulraum braucht – und zwar massiv mehr Schulraum. (Symbolbild)

Keystone

In Allschwil ist der Bau eines neuen Schulhauses beschlossene Sache, ebenso in Therwil, Oberwil, Muttenz, Arisdorf oder zuletzt Brislach. Reinach ist daran, ein neues Schulzentrum zu planen, und bald könnte auch Binningen unter die Schul-Bauherren gehen. Die Gemeinde hat erkannt, dass sie mehr Schulraum braucht – und zwar massiv mehr Schulraum.

Hauptgrund ist aber nicht Harmos, sondern der Umstand, dass in der Vorortsgemeinde immer mehr Kinder unterrichtet werden müssen. Am Montag informierte der zuständige Gemeinderat Philippe Meerwein (SP) den Einwohnerrat an dessen Sitzung über die neuste Entwicklung bei den Schülerzahlen. Gegenüber dem Schnitt der Jahre 2008 bis 2012 wird die Zahl der Primarschulkinder stark steigen, und zwar um 40 Prozent bis zum Jahr 2019. Das wären dann sechs bis sieben Klassen pro Schuljahr. In den vergangenen Jahren waren es jeweils fünf Parallelklassen, in Ausnahmefällen sechs.

Der Binninger Gemeinderat will vorläufig – anders als die Exekutiven in vielen anderen Baselbieter Gemeinden – kein neues Schulhaus bauen. Stattdessen sollen Anbauten bei den vier Primarschulhäusern das Problem lösen. Ebenso sind provisorische Container eine Option; in diesen sollen Halbklassenzimmer unterkommen.

Bedarf an Halb-Klassenzimmern

Die Halbklassenzimmer sind notwendig, weil im Rahmen von Harmos zusätzliche Räume für Fremdsprachen-Unterricht vorgeschrieben werden. Die interkantonale Vereinbarung über die Harmonisierung der obligatorischen Schule, wie das Harmos-Konkordat mit vollem Namen heisst, spielt bei Binningens Schulraummangel jedoch nur eine Nebenrolle.

Die bisherigen Erkenntnisse und Empfehlungen haben erst die Form eines Zwischenberichts – entschieden ist also noch nichts. Der Gemeinderat hat in Aussicht gestellt, dem Einwohnerrat bis im Herbst ein spruchreifes Geschäft vorzulegen.

Die Einwohnerräte haben sich fast ausnahmslos kritisch zur Planung geäussert. Roger Moll (parteilos) drückte ein allgemeines Unbehagen gegenüber Harmos aus: «Man hat zu Harmos Ja gesagt, ohne genau zu wissen, was auf uns zukommt.» Im Zwischenbericht würden wichtige bauliche Details fehlen. «Das kann es nicht sein», schloss Moll. Beatrice Büschlen (Fraktion EVP/Grüne) sagte, ihre Fraktion würde den Bericht «mit Stirnrunzeln» zur Kenntnis nehmen. «Zahlreiche Wünsche des Einwohnerrats wurden einfach ausgesessen.» Die FDP-Fraktion wollte den Bericht bereits jetzt an eine Spezial-Kommission überweisen lassen. Das wäre bei einem Zwischenbericht ein äusserst ungewöhnliches Vorgehen.

Eine klare Mehrheit der Gemeinde-Parlamentarier folgte der FDP-Fraktion dann aber doch nicht. Stattdessen nahm der Rat den Bericht zur Kenntnis – zähneknirschend.

Rüge für Urs-Peter Moos

Kritik gab es auch an die Adresse von Gemeinderat Urs-Peter Moos (BDP). Er hatte an der Einwohnerrats-Sitzung im Januar die vom Rat beschlossenen Sparmassnahmen in der Höhe von 1,3 Millionen Franken wie folgt kommentiert: «Der Einwohnerrat hat mit diesem Vorgehen seine Inkompetenz bewiesen.» Dafür setzte es am Montag vom Einwohnerrats-Präsidenten Stefan Kaiser eine Rüge ab.