Umfrage
Nach dem schweren Unfall: Sind Seifenkistenrennen genug sicher?

Am Seifenkistenrennen in Wittinsburg kam es am Samstag zu einem Unfall, bei dem ein Vater und sein Sohn schwer verletzt wurden. Trotz des Unfalls wurde das Rennen fortgesetzt. Am Sonntag stand dann der Fahrspass im Mittelpunkt.

Beat Eglin
Merken
Drucken
Teilen

Am «Speeddown»-Seifenkistenrennen in Wittinsburg wurden am ersten Renntag ein Vater und sein Sohn bei einem Unfall schwer verletzt. Der 16-jährige deutsche Seifenkisten-Pilot verlor am Samstag die Herrschaft über seinen Zweiplätzer und krachte beim Dorfeingang frontal in die Mauer eines Bauernhofes. Beide Insassen wurden beim Aufprall aus dem Gefährt geschleudert. Der Jugendliche wurde durch die Rega ins Spital geflogen, der Vater wurde mit der Ambulanz ins Kantonsspital Liestal gebracht. Nach Angaben der Organisatoren erlitt der Vater schwere Prellungen und mehrere Knochenbrüche. Der Sohn erlitt innere Verletzungen und eine schwere Hirnerschütterung.

Ob und wie stark sein 46-jähriger Vater und Beifahrer bremsen konnte, ist gemäss Angaben der Baselbieter Polizei noch Gegenstand von Untersuchungen. Gemäss ersten Informationen war die Lenkung blockiert.

Bis zu 100 Kilometer pro Stunde

Trotz des tragischen Zwischenfalls wurde das Rennen am Sonntag fortgesetzt. Den Entscheid begründeten die Organisatoren damit, dass die beiden Verunfallten keine gravierenden Kopfverletzungen erlitten hatten, wie im ersten Moment befürchtet.

Dass solche Unfälle schlimme Folgen haben können, ist einfach vorstellbar, wenn man die Boliden mit Spitzengeschwindigkeiten von 80 bis 100 Kilometern pro Stunde vorbeirasen sieht. Auch Zuschauer geben sich immer wieder in Gefahr, wenn Sie trotz Warnung der Streckenposten die Piste überqueren. Mit den klassischen Seifenkisten aus früheren Zeiten haben diese Rennen nichts mehr zu tun. Ein Brett und ein paar Räder vom alten Kinderwagen reichen nicht mehr. Heute fährt man mit Hightechgeräten, die sich an detaillierte Vorschriften und Reglemente halten müssen.

Sonntag bei idealem Wetter

Vom Sonntag gibt es Angenehmeres zu berichten. Bei schönstem Spätsommerwetter absolvierten etwa 150 Seifenkisten ihre Fahrten. Die Organisatoren legten grossen Wert auf eine gesicherte Strecke für Fahrer und Publikum. Trotzdem sollte für die Europameisterschaften nächstes Jahr noch einiges verbessert werden. Das Publikum sah man vorwiegend am Start und auf der kleinen Tribüne in der Dorfkurve. Dass es kein Gedränge am Streckenrand gab, hat eher damit zu tun, dass Seifenkistenrennen eine Randsportart ist. Der Unfall vom Vortag war am Sonntag auch nicht das Hauptthema bei den Zuschauern.

Der pensionierte Mario Gogliardo war zum ersten Mal an einem Rennen und half bereits als Streckenposten. Wie seine zahlreichen Kollegen warnte er die Zuschauer mit seiner Trillerpfeife, sobald sich ein Renngefährt nähert.

Der 8-jährige Noah Kaderli aus Wittinsburg zieht durch die Kurve vor der Tribüne..jpg
8 Bilder
Margrit und Peter Hägler aus Wenslingen wollen auf keinen Fall mitfahren..jpg
Auch die Feuerwehr war mit Sämi Weber als Vorfahrer auf der Strecke..jpg
Ex-Europameister Stefan Jerney und Melanie Riedo vor dem Start..jpg
Vom Ziel werden die Boliden wieder an den Start gezogen
Aus der Sicht des Copiloten
Christoph Trachsel (Aeschlen) und Tobias Buser (Häfelfingen) starten in der Kategorie Side-Car ab 16 Jahren
Die 15-jährige Michaela Lerf aus Uebersdorf verlässt die Startrampe

Der 8-jährige Noah Kaderli aus Wittinsburg zieht durch die Kurve vor der Tribüne..jpg

Einer der Fahrer ist Stefan Jerney aus Schmitten mit seiner Beifahrerin Melanie Riedo. 2003 begann er als 13-Jähriger mit Solofahrten. Mit seiner jetzigen Seifenkiste fährt er seit fünf Jahren. Obwohl er 2009 und 2010 Europameister wurde und in den beiden folgenden Jahren Dritter ist es kaum möglich, Sponsoren für das bis zu 10 000 Franken teure Auto zu finden. Für die laufenden Kosten wird der 22-Jährige von seinen Eltern unterstützt. Auslandrennen werden mit Ferien verbunden, und geschlafen wird im Camper. Der Einheimische Thomas Zumbrunn ist Fahrer und Rennleiter zugleich. Für seinen nächsten Lauf stellt er die Spur neu ein. Exakte Abstimmung ist wichtig, rast er doch mit gegen 100 Sachen ins Tal.

Taxifahrten für die Zuschauer

Für das Publikum wurden Taxifahrten angeboten. Jacke, Handschuhe und Helm waren dabei obligatorisch. Manuela Guillemet aus Wittinsburg machte ihre erste Fahrt. Sie stieg freiwillig ein und musste nicht dazu überredet werden. Vor der Geschwindigkeit hatte sie keine Angst. Eine andere Zuschauerin war vor ihrer zweiten Fahrt sehr aufgeregt. Margrit Hägler aus Wenslingen hingegen wollte nicht «so neume dry» sitzen, erst recht nicht nach dem Unfall.