Lausen

Nicht zu bremsen: Die Lausner sagen Nein zu Temp 30

Die Lausner lieben es zügig: Die Baselbieter Gemeinde hat im Rahmen der Referendumsabstimmung die grossflächige Einführung von Tempo 30 mit einer Zweidrittels-Mehrheit von 697 Stimmen zu 1260 Stimmen klar abgelehnt.

Andreas Hirsbrunner
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Ein frommer Wunsch: Tempo 30.

Ein frommer Wunsch: Tempo 30.

Lucas Huber

Das kam unerwartet: Lausen sagte am Sonntag an der Urne mit 1260 zu 697 Stimmen klar Nein zu einer fast flächendeckenden Einführung von Tempo 30 auf den Gemeindestrassen und dem dazu notwendigen Kredit von 210'000 Franken. Dies bei einer für Lausner Verhältnisse sehr hohen Stimmbeteiligung von 64 Prozent (im Kanton lag sie bei 55 Prozent).

Auch Gemeindepräsident Peter Aerni lag mit seiner Prognose, dass es sehr knapp werde, völlig daneben: «Ich bin erstaunt über diese Klarheit. Ich habe aufgrund von Stimmen, die sich auch auf der bürgerlichen Seite für Tempo 30 ausgesprochen haben, mit einem knappen Ausgang gerechnet.» Eine mögliche Erklärung für das klare Abstimmungsresultat sieht Aerni in den Geschwindigkeitsmessungen, die gezeigt hätten, dass 85 Prozent der Autofahrer mit 36 oder weniger Stundenkilometern auf den Quartierstrassen unterwegs sind.

Aerni, selber kein Freund der Vorlage: «Die Leute haben das Gefühl, sie fahren jetzt schon nicht viel schneller als 30.» Und die Ausreisser nach oben – ein Autofahrer wurde mit Tempo 97, einer mit 72 gemessen – könne auch Tempo 30 nicht verhindern. Zum weiteren Vorgehen wiederholt Aerni, was er schon vor der Abstimmung gesagt hat: Mit einem Nein ist für den Gemeinderat Tempo 30 vom Tisch. Kämen Vorstösse aus der Bevölkerung zu sektoriellen Temporeduktionen wie zum Beispiel ums Schulhaus, wolle der Gemeinderat das anschauen.

Doch solche Vorstösse kommen in den nächsten Jahren nicht, zumindest wenn es nach der Meinung von Tempo-30-Befürworter und SP-Landrat Thomas Bühler geht: «Das Volk hat jetzt entschieden, so soll es sein.» Auch Bühler ist vom klaren Resultat überrascht. Zur Erklärung verweist er auf die Stimmbeteiligung, die in Lausen noch nie so hoch gewesen sei, und erklärt: «Die Nein-Seite hat besser mobilisiert, und es gingen viele an die Urne, die sonst nicht gehen. Das hing auch mit der Einwanderungsinitiative der SVP zusammen.» Ganz alle Hoffnungen hat Bühler aber noch nicht begraben: Der Gemeinderat könnte in einem «Konsensverfahren» schauen, ob es Abschnitte gebe, wo Tempo 30 unumstritten sei.

SVP-Landrätin Daniela Gaugler freut sich: «Die Ablehnung von Tempo 30 fiel unerwartet hoch aus, das ist eine gute Sache.» Jetzt sei Tempo 30 für ganz Lausen vom Tisch. So weit, so erwartet. Doch dann überrascht Gaugler: «Ich kann mir vorstellen, dass wir vom Nein-Komitee oder von der Bürgerlichen Vereinigung Vorschläge machen, wo man punktuell Tempo 30 oder 20 einführen könnte.» Und sie ergänzt: «Ich würde mich nicht dagegen wehren.»