Pragmatische Lösung

Not macht erfinderisch: Kleine Baselbieter Feuerwehren wissen sich zu helfen

Die beiden relativ kleinen Feuerwehren von Reigoldswil/Lauwil und Bretzwil spannen seit einiger Zeit tagsüber zusammen, weil sie alleine die Alarmierungsvorgaben nicht erfüllen können. Dabei zeigten sich Probleme beim Funken und bei den Ortskenntnissen. Zwei technisch begabte Feuerwehrmänner haben sie nun pragmatisch gelöst.

Andreas Hirsbrunner
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Unter den Baselbieter Feuerwehren stecken erfinderische Köpfe. (Themenbild)

Unter den Baselbieter Feuerwehren stecken erfinderische Köpfe. (Themenbild)

KEYSTONE/GAETAN BALLY

Grosse Reformen, wie sie bei der Baselbieter Feuerwehr laufen, können verunsichern und lähmen. Andere wiederum kann ein Klima des Wandels beflügeln. Zu Letzteren gehören die Verbundfeuerwehr Wasserfallen (Reigoldswil und Lauwil) und die Ortsfeuerwehr Bretzwil.

Eigentlich hätten diese beiden Feuerwehren vor ein paar Jahren schon in den Grossverbund «Florian» mit Liestal als Hauptfeuerwache integriert werden sollen, was als erster Schritt der jetzt geplanten Grossreform angedacht war. Doch weil Bubendorf ausscherte, fiel das in den Führungsköpfen vorgezeichnete Gebilde auseinander. Die Probleme blieben aber: Bei Alarmierungsübungen im Jahr 2017 konnten die beiden relativ kleinen Feuerwehren Reigoldswil/Lauwil und Bretzwil mit je rund 30 Feuerwehrleuten die Vorgabe, dass acht Feuerwehrangehörige innerhalb von zehn Minuten vor Ort sein müssen, knapp nicht erfüllen. Die Gründe sind bekannt: Die meisten Feuerwehrleute arbeiten tagsüber auswärts, vor Ort sind nur einige Bauern, Gewerbler und Hausfrauen.

Als Konsequenz spannten die beiden Feuerwehren beim Tagespikett zusammen. Das aber brachte neue Probleme. Mit den vorhandenen Polycom- Funkgeräten konnten die Feuerwehren wegen der hügeligen Geografie nur eingeschränkt miteinander kommunizieren. Und den Reigoldswilern waren die Flur- und Hofnamen in Bretzwil kaum geläufig und umgekehrt. Dasselbe bei den Hydranten: Man hatte gegenseitig die Standorte nicht intus.

Sie funken günstiger und effizienter

Das war die Stunde der kreativen Köpfe, die aber ihre Talente nur entfalten konnten, weil sie von den Kommandanten Adrian Weber (Wasserfallen-Verbund) und Christian Plattner (Bretzwil) gefördert wurden. Michael Hochuli aus Bretzwil war als gelernter Elektriker mit Zusatzausbildung im Funkwesen der Mann für die Behebung der Kommunikationsprobleme zwischen den beiden Feuerwehren. Ererzählt: «Wir bauten in Eigenleistung ein digitales Funknetz mit zwei neuen Antennen auf, und ich habe ein robusteres Funkgerät, das für den digitalen und analogen Einsatz geeignet ist, konzeptioniert und programmiert.»

Dieses verfüge über eine höhere Sendeleistung, wodurch der Empfang auch im Innern von Gebäuden garantiert sei. Und nicht ohne Stolz ergänzt er: «Das neue Funkgerät kostet 600 Franken pro Stück, das alte war fast sechsmal so teuer. Und wir können das neue Gerät selbst reparieren.» Die alten Geräte hätten bei Defekten via Polizei an die Ruag geschickt werden müssen und seien jeweils wochenlang ausgefallen.

Während Hochuli die Idee und das technische Know-how einbrachte, sorgten die beiden Feuerwehr-Kommandanten für das nötige Umfeld wie den Erhalt von Testlizenz, Testfrequenzen vom Bund und schliesslich die Bewilligung für die Einführung des neuen Funkgeräts, das seit diesem Sommer im Einsatz ist. Und bei den drei beteiligten Gemeinden weibelten sie für die notwendigen Mittel.

Jetzt weiss auch der Letzte, wo es brennt

Der zweite Kreative heisst Daniel Borer aus Reigoldswil. Der gelernte Informatiker kümmerte sich um die mangelnden Ortskenntnisse der Feuerwehrleute auf dem Gebiet des Partners und programmierte ein ganz neues System. Das Resultat: Geht ein Alarm los, erscheint auf den zwei grossen Bildschirmen in den Magazinen der beiden Feuerwehren sofort eine Google-Karte, auf der die Adresse des Ereignisses markiert ist. Zudem sind alle Hydranten rund herum vermerkt.

Gleichzeitig spuckt der Drucker das Ganze in Papierform aus, sodass sich die Feuerwehrleute bedienen können. Borer meint dazu: «Ein Papier mit allen nötigen Angaben im Hosensack ist auch im Computerzeitalter immer noch das Praktischste. Ein Tablet funktioniert im Regen nicht, zudem fallen Lizenzgebühren an.» Synergien fanden sich auch in einem ganz anderen Bereich. Die Feuerwehr Bretzwil hatte sich bereits vor einiger Zeit eine Industriewaschmaschine angeschafft, um die Mannschaftskleider selbst reinigen zu können. Es lag nun auf der Hand, dass man auch hier zusammenspannte: Die beiden Feuerwehren schlossen einen Vertrag, sodass heute auch die Kleider der Feuerwehr Wasserfallen in Bretzwil statt im einiges weiter entfernten Liestal gereinigt werden.

Der Bretzwiler Kommandant Christian Plattner kommentiert: «Wir machen nicht nur das Minimum, sondern versuchen, so innovativ wie möglich zu sein.» Und Raymond Tanner, Präsident der Feuerwehrkommission Wasserfallen, ergänzt mit Blick aufs Ganze: «Wir sind überzeugt, eine schlagkräftige Einheit aufgebaut zu haben. Das heisst aber nicht, dass wir uns gegenüber der grossen kantonalen Feuerwehr reform verschliessen.» Denn es gehe darum, die beste Lösung für alle zu finden.