Referendumsabstimmung
Deutliche Abfuhr für Tempo 30 in Gelterkinden

Mit dem Projekt auf den Gelterkinder Gemeindestrassen wird nichts. Das Referendum war erfolgreich.

Simon Tschopp
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Ein äusserst lebendiger Abstimmungskampf zu Tempo 30 auf Gelterkindens Gemeindestrassen ist beendet ‒ mit einem klaren Sieg des Nein-Lagers.

Ein äusserst lebendiger Abstimmungskampf zu Tempo 30 auf Gelterkindens Gemeindestrassen ist beendet ‒ mit einem klaren Sieg des Nein-Lagers.

Kenneth Nars

Jubel bei den Gegnern, Enttäuschung bei den Befürwortern. Und Überraschung in beiden Lagern, weil das Resultat der Referendumsabstimmung über den Kredit von 336'000 Franken für Tempo 30 flächendeckend auf Quartierstrassen in Gelterkinden so deutlich ausgefallen ist. 1646 Nein- standen 1139 Ja-Stimmen gegenüber, und das bei einer Stimmbeteiligung von 66,47 Prozent. Dieser hohe Wert ist auch mit den umstrittenen eidgenössischen und kantonalen Vorlagen zu erklären, welche die Leute an die Urne gelockt haben.

Freude beim Referendumskomitee

«Wir freuen uns über das klare Ergebnis», sagt Pascal Catin, der Präsident des Referendumskomitees. Es zeige, dass für den Grossteil der Bevölkerung Tempo 30 flächendeckend unnötig und die Vernunft über die Ideologie gestellt worden sei.

«Auf unseren Gemeindestrassen wird schon vernünftig und angemessen gefahren. Wir haben kein Sicherheitsproblem, was auch in der Vorlage des Gemeinderats deutlich zum Ausdruck kommt»,

findet Catin.

Auch Eva Schelker-Weber vom Komitee Ja zu Tempo 30 redet von einem «klaren Verdikt bei einer solch hohen Stimmbeteiligung». Für sie waren zwei Gründe ausschlaggebend, die zum Nein führten: Der Kostenfaktor, der den Leuten Angst gemacht habe, es drohe eine Steuererhöhung; und eine allgemeine Vorschriftsmüdigkeit nach der Coronazeit.

«Man will sich nichts mehr vorschreiben lassen»,

vermutet Schelker. Diese war im Vorfeld des Urnengangs optimistisch, die Abstimmung zu gewinnen – bis zur Medienmitteilung der Gelterkinder Exekutive wegen der Sanierung der Gemeindefinanzen vor etwa dreieinhalb Wochen. Dann sei ihre Zuversicht «enorm geschwunden». Damit wurde für das Ja-Komitee die Kostenfrage zum dominanten Thema.

«Die Haltung des Gemeinderats ist zwiespältig, ich finde sie sehr schwierig»,

kritisiert Eva Schelker. Der Gemeinderat habe seine eigene Vorlage im Abstimmungskampf nicht unterstützt.

Gegnerische Argumente teils nachvollziehbar

Gab es ein Argument im Abstimmungskampf der Befürworter, das selbst die Gegenseite nachvollziehen konnte? Dazu Pascal Catin: «Jenes mit dem Bremsweg. Wenn man 50 fährt und den Bremsweg mit Tempo 30 vergleicht, ist klar, dass er länger wird.» Für ihn sei aber der Punkt, dass gar nicht 50 gefahren werde in Quartieren.

«Und das ist relevant»,

betont Catin.

Für Schelker ist das Kostenargument der Gegner angesichts der aktuellen Gemeindefinanzen durchaus nachvollziehbar. Wenn man aber betrachte, dass die einmalige Ausgabe von maximal gut 300'000 Franken für Tempo 30 nicht einmal ein Drittel des jährlichen Betriebsdefizits des Hallenbads ausmache, hätte das möglich sein sollen.

Das Diagramm mit dem Abstimmungsresultat.

Das Diagramm mit dem Abstimmungsresultat.

bz

Die unterlegenen Befürworter hoffen nun, dass die Gegner ihr Versprechen einlösen und sich für punktuelle Lösungen einsetzen an Stellen, wo Tempo 30 nötig sei. «Es wird sich mit der momentan grossen Bautätigkeit an der Peripherie des Dorfs weisen, wie sich das künftig auswirkt», sagt Schelker. Für sie hat in dieser Abstimmung der Langsamverkehr verloren. Sie bekräftigt jedoch: Es sei ein klarer politischer Entscheid, den man akzeptieren müsse.

«Wir werden das Tempo im Langsamverkehr jedenfalls weiter im Auge behalten.»

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