Gericht

Revierverhalten unter Ornithologen: Vogelkundlerin kommt ein Streit teuer zu stehen

Eine Vogelkundlerin wollte nicht nur Lektorin, sondern Mitautorin der «Ornithologischen Steckbriefe» sein. Der Streit, den sie entfachte, kommt sie teuer zu stehen.

Christian Mensch
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Geklärte Urheberrechtsfrage. zvg

Geklärte Urheberrechtsfrage. zvg

Der Basellandschaftliche Natur- und Vogelschutzverband ist eine Massenbewegung. Die 42 Ortssektionen zählen knapp 7000 Mitglieder, die sich in ihrer vertrauten Umgebung um Flora und heimische Vögel kümmern. Um zu bestimmen, welche Gattung gerade vorbeigehuscht ist oder ihr Lied trällert, haben viele die «Ornithologischen Steckbriefe» im Sack, die von einem Verbandsmitglied 2001 erstmals publiziert worden sind.

Nach der dritten Auflage von 2009 sammelte der Autor fleissig weitere Informationen, um in der vierten Auflage den bereits 222 beschriebenen Vogelarten weitere fünf hinzufügen zu können. Er konnte dabei auf die Hilfe einer Vogelfreundin zählen, die in unzähligen Stunden zum Gelingen beitrug.

Als er dann im Hinblick auf die fünfte Auflage an die erfolgreiche Zusammenarbeit anschliessen wollte, kam es zum Bruch mit der Frau. Der Hauptautor sah sich mit ihrer Forderung konfrontiert, nun als Mitautorin aufgeführt zu werden.

Während fünf Jahren haben die Parteien darüber gestritten und juristisch ausgefochten, ob eine Miturheberschaft vorliege. Der Autor listete auf, die Vogelkunde enthalte 30'700 Informationseinheiten, wobei die Klägerin als wissenschaftliche Lektorin nur gerade bei 0,69 Prozent davon mitgewirkt habe.

Die Klägerin wiederum argumentiert, sie habe bei 184 Vogelarten Beiträge, Ergänzungen und Korrekturen geliefert. 55 der beschriebenen «Jugendkleider» stammten ganz von ihr, bei 52 weiteren Arten habe sie die ursprünglichen Angaben ergänzt.

Über 30'000 Franken Kosten

Um Geld handelt es sich bei diesem Streit nicht. Gerade drei Franken pro Buch beträgt das Honorar, das der Autor als Spende einem Naturschutzprojekt überlassen hat. Schlichtungsverhandlungen führten nicht weiter und so entschied nun in einem rechtskräftig gewordenen Urteil das Kantonsgericht Baselland: Die Vogelkundlerin ist nicht Miturheberin, ihre Urheberrechte nicht verletzt und ihre Klage wird abgewiesen.

Zu tragen hat sie die Urteilsgebühr von 7500 Franken, rund 14'000 Franken Anwaltskosten des Natur- und Vogelschutzverbandes sowie die eigenen Anwaltskosten.