Nähkästchen

Sarah-Jane: «Nächstes Jahr heiraten wir»

Die Baselbieter Sängerin und Volksmusik-Star Sarah-Jane plaudert aus unserem Nähkästchen und verrät ihre wichtigsten Zukunftspläne.

Bojan Stula
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Von vielen Abhängigkeiten im Volksmusikbusiness hat sich Sarah-Jane befreit. Die Abhängigkeit von ihrem Hund und Bewegungstherapeuten Alfy ist hingegen stärker denn je.

Von vielen Abhängigkeiten im Volksmusikbusiness hat sich Sarah-Jane befreit. Die Abhängigkeit von ihrem Hund und Bewegungstherapeuten Alfy ist hingegen stärker denn je.

Martin Toengi

Sarah-Jane, worüber sprechen wir heute?

Sarah-Jane: Über Abhängigkeit.

Von wem sind Sie abhängig?

Ich bin total abhängig von meiner Familie. Nicht finanziell, sondern menschlich. Manche finden, dass ich mich zu stark an meine Familie klammere und darum meine Unabhängigkeit gefährde. Aber für mich stimmt es so, sonst hätte ich nicht 2015 in Rothenfluh neben dem Haus meiner Eltern und meiner Grosseltern gebaut. Meine Mami hat mir das Bauland geschenkt.

Sie ist auch seit bald neun Jahren meine Managerin, worüber ich sehr froh bin. Mit bald 32 Jahren bin ich gesund, ich strotze vor Lebensfreude, und daran sollen die Menschen teilhaben, die mir all das ermöglicht haben; mir als adoptiertem Einzelkind, dessen leibliche Eltern in Indien wohl «Slum Dogs» gewesen sind.

Sie sind mit Ihrem Freund, dem Magdener Musiker Dani Sparn zusammengezogen. Wer ist in dieser Beziehung von wem abhängig?

Wir sind da ziemlich gleichwertig unterwegs. Wir sind Seelenverwandte. Wir müssen uns nur anschauen, und wissen bereits, was der andere denkt. Sein Verlobungsgeschenk hängt an meinem Hals. Im April hat mir Dani im Tessin den Heiratsantrag gemacht. Wer Sarah-Jane kennt, weiss, dass ich nicht sofort Ja gesagt habe. Sondern ich habe zuerst zurückgefragt, ob er sich wirklich ganz sicher sei. Er war es, und ich auch. Nächstes Jahr heiraten wir.

Was bedeutet die Ehe für Sie? Einer Ihrer frühen Hits hiess «Ich bin noch viel zu jung» (zum Heiraten).

Für mich ist es jedenfalls keine Abhängigkeit, sondern ein schöner äusserer Ausdruck unserer Verbundenheit. Wir können uns dann als Mann und Frau vorstellen, nicht mehr bloss als «Freund» und «Partnerin». Ich hätte nie gedacht, dass ich je ein Bedürfnis nach einer solchen Förmlichkeit in der Öffentlichkeit verspüren könnte, aber wenn ich jetzt daran denke, finde ich das sehr schön.

Sie sind die bekannteste Schlagersängerin der Region Basel, national eine Grösse, und seit 2003 im Geschäft. Welche Abhängigkeiten bestehen für Sie im Volksmusik-Business?

Zuallererst bin ich natürlich von den Fans abhängig, die meine Musik lieben, und von den Veranstaltern, die mich buchen. Momentan läuft es sehr gut, ich habe viele Auftritte und bin mehrmals im Jahr für längere Veranstaltungsreihen unterwegs. Im Zuge der Finanzkrise spürte ich einen Rückgang, doch jetzt ist meine Agenda wieder voll. Dass ich nächstes Jahr mein 15-jähriges Bühnenjubiläum feiern kann, und immer noch auf dieser Plattform dabei bin, ist schon der Wahnsinn und nicht selbstverständlich.

Allerdings sieht man Sie nur noch selten in grossen TV-Shows, Ihre letzte Homestory in der «SI» ist auch schon eine Weile her. Sie spulen vor allem Ihren gewohnten Veranstaltungszyklus ab. Könnten Sie erfolgreicher sein, wenn Sie sich abhängiger machen würden von wichtigen Playern im Business wie den Boulevardmedien?

Natürlich, mein Dasein als Sarah-Jane könnte man noch viel stärker ausschlachten, wenn ich mit jedem Furz gleich zu den Medien rennen würde. Ich habe mich anders entschieden und bin sehr zufrieden, so wie es jetzt läuft. Ich will, dass mich die Veranstalter wegen meiner Stimme und meines Unterhaltungstalents buchen und nicht wegen der Schlagzeilen über mein Liebesleben. Schauen wir doch das Beispiel von Helene Fischer an. Sie hat alles abgeräumt, was es abzuräumen gibt. Sie musste dafür aber auch unheimlich viel von sich preisgeben. Und ich höre von immer mehr Leuten, dass ihnen Fischers Omnipräsenz sehr auf die Nerven geht und sie von ihr übersättigt sind.

Ist das nicht der Neid der Besitzlosen?

Selbstverständlich hätte ich nichts dagegen, wieder einmal bei Carmen Nebel, am «Volksmusikfest» oder bei «Immer wieder sonntags» in der ARD aufzutreten. Die Frage ist nur, was ich dafür tun müsste. Seien wir ehrlich, hier geht es um Abhängigkeiten und Beziehungen, die weit über das reine Talent des Künstlers hinausgehen. Koch Universal lässt zum Beispiel keine Künstler zu, die bei MPC unter Vertrag stehen – und umgekehrt. Meine alte Plattenfirma Tell Music konnte mir diese grossen TV-Plattformen nicht vermitteln und hat auch nicht unbedingt meine CD-Neuerscheinungen gepusht.

Erzählen Sie mehr über diese Abhängigkeit von der Plattenfirma.

Jetzt habe ich es diesbezüglich gut. Ich stehe seit Anbeginn meiner Karriere bei meinem Produzenten Carlo Brunner und seinem Verlag Grüezi Musik als Künstlerin unter Vertrag, bin aber mittlerweile bezüglich der Plattenfirmen freischaffend. Carlo hat mir immer alle Freiheiten gelassen und mich als Mensch und nicht als Ware behandelt. Mein Schatz und künftiger Mann besitzt ebenfalls ein eigenes Label, DS Music, und da planen wir für die Zukunft verschiedene gemeinsame Projekte. Dadurch habe ich alles selber in der Hand.

Sie haben sich also in Ihrer Karriere darum bemüht, sich aus der Abhängigkeit von der Plattenfirma zu lösen.

Ja, ich habe jetzt damit angefangen, selber Texte und die Musik zu schreiben; auch für andere Interpreten wie Danis Alpenraudis. Darum bin ich nicht mehr ausschliesslich abhängig von meinen angestammten Komponisten und Textern wie zu Beginn meiner Karriere. Ich habe bei mehreren meiner Berufskollegen erlebt, wie sie von ihrer Plattenfirma fallen gelassen wurden und erledigt waren, sobald ihre Verkäufe in den Keller sanken. Diesen Druck hatte ich all die Jahre nie, und dafür bin ich Carlo Brunner sehr dankbar.

Wie sehr sind Sie vom Publikumsgeschmack und Massentrends abhängig?

Zum Glück nicht mehr allzu sehr, wobei man logischerweise nicht völlig gegen den Publikumsgeschmack ansingen kann. Aber dank der alljährlichen Veranstaltungsreihe «Weihnachtszauber» habe ich mich musikalisch geöffnet und meinen eigenen Stil entwickelt. Sarah-Jane singt nicht mehr nur volkstümlichen deutschen Schlager, sondern sie singt jetzt auch Gospel, Rock, Pop oder Country.

Wie wirkt sich das aus?

Ich bin nicht mehr nur von einer Sparte abhängig, was mir ganz andere Auftrittsmöglichkeiten als früher verschafft. Seit ich am Weihnachtszauber 2013 erstmals Leonard Cohens «Halleluja» interpretiert habe, wollen es die Leute von mir hören, also gehört es jetzt zu meinem festen Repertoire. Womit ich nichts gegen den deutschen volkstümlichen Schlager gesagt haben will. Dieser ist und bleibt meine Hauptsparte, dank der ich bekannt geworden bin und mit der ich immer noch vielen Menschen eine Freude bereiten kann.