Schlosswohnung zu vermieten
Wer hier wohnt, muss nicht Millionär sein

Auf Schloss Burg im Leimental ist eine Mietwohnung ausgeschrieben. Eine seltene Möglichkeit, als Normalo in einem Schloss zu leben. Was streckt dahinter?

Hans-Martin Jermann
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Spektakulär auf einem Felsrücken oberhalb des Dorfes liegt Schloss Burg.

Spektakulär auf einem Felsrücken oberhalb des Dorfes liegt Schloss Burg.

Bild: Kenneth Nars (Burg, 26. März 2021)

Es dürfte sich um die speziellste Mietwohnung handeln, die derzeit in der Region Basel auf dem Markt ist: die Viereinhalbzimmerwohnung mit 140 Quadratmetern Fläche auf Schloss Burg in der gleichnamigen Gemeinde im hinteren Leimental. Es gibt in der Region nur wenige Schlösser, die überhaupt Mietwohnungen anbieten. In Burg sind die Bedingungen moderat: Die in der Annonce auf einschlägigen Portalen verlangte Monatsmiete von 2250 Franken ist kaum höher als jene einer gleich grossen 0815-Wohnung in der Agglomeration.

Badewanne steht im Schlafzimmer

«Ich will das Wohnen auf dem Schloss nicht zum Luxusgut machen», sagt Eigentümer Hans-Peter Jacobi. Er weiss: Wer Luxus anbietet, der geht auch Verpflichtungen ein – zum Beispiel, dass selbst nach einem Hauch Schneefall sämtliche Wege sofort freigeräumt werden. Das ist auf Schloss Burg nicht der Fall:

«Es kann schon mal vorkommen, dass Sie im Winter mit dem Auto nicht hochfahren können»,

räumt Jacobi ein. Es ist einer der wenigen Nachteile des Schlosslebens.

Zur mittelalterlichen Anlage, die auf einem Felsrücken rund 50 Höhenmeter oberhalb des Dorfs Burg thront, führt ein aberwitzig steiles Strässchen. Wer dieses bezwungen hat, dem erschliesst sich eine phänomenale Aussicht ins Elsass bis zu den 80 Kilometer entfernten Vogesen.

Die ausgeschriebene Wohnung verfügt über zeitgemässen Komfort – Waschmaschine, Geschirrwaschmaschine, Tumbler –, unterscheidet sich diesbezüglich kaum von einer gewöhnlichen Bleibe. Bloss dass die Badewanne im Schlafzimmer steht und sich das stille Örtchen in einem Erker befindet. Auch die Küche ist noch etwas rustikal. Geheizt wird hingegen eher unromantisch, aber umso ökologischer per Wärmepumpe. Unter Aufsicht des Denkmalschutzes ist erst vergangenes Jahr modernes Isolierglas in die alten Fenster eingebaut worden.

Wohnen im Baudenkmal ist gefragter denn je

Wohnen im Baudenkmal: In einer Zeit, in der ein Grossteil der Bevölkerung in standardisierten Wohnungen oder Einfamilienhäusern lebt, ist das ein Trend. Doch was macht das mit einem, wenn man in zwei Meter dicken und derart geschichtsträchtigen Mauern lebt: «Nichts», kommt es bei Jacobi wie aus der Pistole geschossen. Er sei ein Ästhet und liebe die ländliche Ruhe auf dem Schloss. Für Spuk- und Schauergeschichten, die man mit Burgen gerne verbindet, hat er als Eigentümer nichts übrig. Und was ist mit Schlossgeistern?

«Also mir sind noch keine begegnet.»

Hans-Peter Jacobi kam 1977 als Elfjähriger aufs Schloss. «Ich kenne kaum etwas anderes als das», sagt er. Seit 1970 befindet sich dieses in Besitz der Familie. Aus ökonomischer Vernunft heraus, den hohen Kosten auch Einnahmen gegenüberzustellen, habe man ins Hauptgebäude drei Wohnungen eingebaut, die vermietet werden; die nun ausgeschriebene ist eine davon. Eine vierte befindet sich im Pförtnerhaus. In einem weiteren Gebäude im hinteren Teil der Anlage wohnt die Besitzerfamilie.

«Alleine 600 bis 700 Quadratmeter Fläche zu bewohnen und zu unterhalten wäre sehr aufwändig»,

gibt Jacobi zu bedenken. Dabei ist Schloss Burg im Vergleich zu historischen Anwesen im nahen Frankreich geradezu kompakt. Dort gibt es viele private Schlösser mit 100 oder mehr Zimmern. «Die können Sie nicht mit angemessenem Aufwand beheizen und bewohnen.» Schloss Burg sei da relativ gut handelbar, findet Jacobi.

Zur Anlage gehört zudem eine Kapelle aus dem 18. Jahrhundert, die als Dorfkirche der römisch-katholischen Kirchgemeinde fungiert und dieser gehört. Allerdings werden nicht mehr regelmässig Gottesdienste abgehalten. Hin und wieder geben sich in der Kapelle Paare das Ja-Wort. Einmal pro Jahr im Sommer findet im Schlosshof zudem auf Einladung der Gemeinde und der Familie Jacobi eine Serenade statt. Das Schloss ist Bestandteil des dörflichen Lebens; auch das ein Unterschied zu anderen privaten Schlössern.

Einzigartiges Ensemble aus verschiedenen Epochen

Bei der kantonalen Denkmalpflege ist man sehr angetan von Schloss Burg: Dessen Geschichte zeichne sich durch eine für die Region ungewöhnliche Kontinuität aus. Im Gegensatz zu vielen anderen Burg- und Schlossanlagen sei diese weder von den Besitzern aufgegeben noch während Kriegen zerstört worden. Das Gesamtensemble aus verschiedenen Epochen sei in der Region einzigartig.

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