Kilchberg
Schuld für die Darmbakterien im Wasserfall Giessen ist die Kläranlage - eine Einsprache verhindert die Schliessung

In Zeglingen läuft die Kläranlage regelmässig über. Eigentlich hätte sie schon vor vier Jahren geschlossen werden sollen.

Zara Zatti
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Das Idyll täuscht – regelmässig gelangen Fäkalbakterien in den Weiher in Kilchberg.

Das Idyll täuscht – regelmässig gelangen Fäkalbakterien in den Weiher in Kilchberg.

Im Wald bei Kilchberg versteckt sich ein kleines Paradies. Aus einer steilen Felswand ergiesst sich ein Wasserfall in einen seichten Weiher. Die Felsen sind von Pflanzen bewachsen, rundherum spenden Bäume kühlenden Schatten. Von der anderen Seite ist das Wasser gut durch ein Kiesufer erreichbar. Das lockt zum Verweilen und Schwimmen.

Gibt man auf Instagram #wasserfallgiessen ein, finden sich idyllische Wasserfallbilder. In einem Video wirft sich eine junge Frau freudig ins Wasser – mit leicht geöffnetem Mund. Ein anderer Nutzer fotografiert das kühle Bier im Wasser, bereit zum Geniessen. Und eine Frau räkelt sich sogar verführerisch im Brautkleid im Wasser.

Abwasser läuft über – Fäkalbakterien im Weiher

Was die Badepläuschler nicht zu wissen scheinen: Das Wasser ist immer wieder mit Fäkalbakterien verseucht. So wurde auch diesen Sommer wieder eine schlechte Wasserqualität gemessen (die bz berichtete). Die nachgewiesenen Darmbakterien können zu Fieber, Durchfall und Erbrechen führen. Grund für die regelmässig schlechte Wasserqualität ist die Kläranlage Zeglingen, die sich etwa 200 Meter oberhalb des Wasserfalls befindet. Die kleine Anlage ist veraltet und kann bei starkem Regen nicht die gesamte Menge des Abwasser aus den umliegenden Gemeinden aufnehmen. Die Folge: Das Klärwasser läuft über und fliesst über den Wasserfall in das kleine Paradies.

Das Problem ist schon seit Jahren bekannt. Bei starkem Regen und einer folgenden Verschmutzung stellt die Gemeinde Kilchberg jeweils ein Warnschild auf, das vor dem Badeplausch abrät. Seit mehreren Jahren liegt beim Kanton auch die Idee auf dem Tisch, kleinere Kläranlagen, die an ihre Kapazitätsgrenze gelangt sind, zu schliessen. Die betroffenen Gemeinden sollen an grössere Werke angeschlossen werden.

Vor vier Jahren sollte die Anlage geschlossen werden

In einer Medienmitteilung von 2016 präsentierte die Bau- und Umweltschutzdirektion Baselland (BUD) ein Zentralisierungsvorhaben. Danach sollte neben drei weiteren Kläranlagen auch die Anlage Kilchberg/Zeglingen stillgelegt werden. Bei der Kläranlage bestehe dringender Handlungsbedarf, die Reinigungsleistung einer grossen Anlage sei deutlich besser und ausserdem günstiger. So heisst es damals in der Mitteilung.

Vier Jahre später ist die Anlage noch immer offen, das verseuchte Wasser läuft weiterhin regelmässig über. Grund dafür ist eine noch laufende Einsprache. Das bestätigt Pascal Hubmann, Leiter des Amts für Industrielle Betriebe Baselland. Eingereicht wurde die Einsprache 2018 von der regierungsrätlichen Natur- und Landschaftsschutzkommission (NLK).

Im Geschäftsbericht von 2019 äussert sich die Kommission kritisch gegenüber den Zentralisierungsplänen. Dabei würden die wirtschaftlichen Aspekte einer Zusammenlegung zu stark betrachtet werden. Zu wenig berücksichtig würden hingegen die Auswirkungen auf Gewässer, Flora und Fauna, wenn das Abwasser plötzlich umgeleitet würde. Das bestätigt die Grüne Landrätin und NLK-Vertreterin, Regula Waldner. Nach Gesprächen mit dem Amt für Industrielle Betriebe (AIB) habe dieses ein Bericht an ein externes Ingenieurbüro in Auftrag gegeben. Dieser soll klären, ob die ökologischen Bedenken der NLK begründet sind.

Bis zur Veröffentlichung der Studie wollen sich sowohl die NLK, als auch das AIB nicht zu den weiteren Plänen für die Kläranlage Zeglingen äussern.Die Studie sei «im Anflug», heisst es beim AIB.