Arlesheim

Sekschüler verlegen die Zirkusmanege in die Turnhalle

Zirkus statt Schule: Das wurde für die Klasse 3a aus Arlesheim wahr. Sie wurden von Artisten des internationalen Sozialprojekts Circo Fantazztico im Artistensein unterrichtet. Und dies während fünf Tagen.

Simon F. Eglin
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Arlesheimer Schüler trainieren mit den Zirkusleuten – zum Beispiel das Spiel mit dem Diabolo. seg

Arlesheimer Schüler trainieren mit den Zirkusleuten – zum Beispiel das Spiel mit dem Diabolo. seg

Auch nach anderthalb Stunden Zirkus-Workshop am Stück lassen sich einige Jungs der Klasse 3e der Sekundarschule Arlesheim nicht vom gesponserten Znüni aus der Turnhalle des Gerenmatte-Schulhauses locken. Sie üben weiterhin am perfekten Salto und an anderen Überschlägen.

So auch Kevin, der allerdings mehr Gefallen am Jonglieren mit dem Diabolo gefunden hat. «In nur kurzer Zeit haben wir viel gelernt, und die Kommunikation mit den Artisten klappt auch trotz Sprachbarriere gut», sagt er. Sechs der rund dreissig aus Costa Rica stammenden jugendlichen Artisten des Circo Fantazztico, die inklusive Musik-Ensemble momentan ihre Zelte in Arlesheim aufgeschlagen haben, nahmen sich gestern vier Stunden Zeit, um den Arlesheimer Progymnasiasten einige Kunststücke beizubringen.

Zwei Vorführungen

Das Sozialprojekt Circo Fantazztico (siehe Kästchen) wurde von der Zürcher Entwicklungsorganisation EcoSolidar nach Arlesheim geholt; aus Anlass des 25-Jahr-Jubiläums der Organisation. «Wir haben die Möglichkeit genutzt, den Zirkus während seiner Europatournee für einen Abstecher in die Schweiz zu locken», sagt der aus Basel stammende André Affentranger, stellvertretender Geschäftsführer von EcoSolidar.

Die Wahl fiel auf Arlesheim, weil hier die mittelamerikanischen Artisten die Möglichkeit erhielten, in den Wagen des Jugendzirkus Robiano zu nächtigen und mit den einheimischen Artisten zu trainieren. Auch die Gemeinde Arlesheim habe das Projekt mit einem Betrag unterstützt, freut sich Affentranger.

Am Freitag und Sonntag wurde dann jeweils eine Vorstellung vor ausverkauftem Haus gegeben, mit dabei am Sonntag auch eine Delegation der Klasse 3e. Neben dem artistischen Austausch steht für EcoSolidar vor allem der soziale Transfer zwischen den Jugendlichen aus Costa Rica und jungen Schweizerinnen und Schweizern im Vordergrund.

Keine Zeit für Stadtbummel

«Ich bin ohne bestimmte Erwartungen hier angereist, es ist einfach wunderschön hier», äussert sich scheu der Jung-Jongleur Byron. Allerdings hätten die jungen Artisten auch kaum Möglichkeit gehabt, die nähere Umgebung und die Stadt Basel zu besuchen, da das Training im Vordergrund gestanden sei, ergänzt Roland Spendlingwimmer vom Organisationsteam des Circo Fantazztico.

Er setzt sich schon seit dreissig Jahren in Costa Rica für das Sozialprojekt ein. «Die Zirkuspädagogik ermöglicht spannende Lernprozesse, was leider noch viel zu wenig im deutschsprachigen Unterricht einfliesst», sagt der Österreicher.

Entsprechend froh ist denn auch der Sportlehrer Philippe Peter für die Möglichkeit, mit den Artisten für einen halben Tag zusammenzuarbeiten. «Neben der körperlichen Ertüchtigung ist die Zusammenarbeit mit dem Zirkus für unsere Schüler vor allem auch eine soziale Horizonterweiterung, denn die Schicksale dieser Kinder sind für viele unserer Schüler kaum vorstellbar», sagt Peter.