Bauarbeiten

Strassenbaustelle bringt Bauern zum Verzweifeln

Die Sanierung der Passwangstrasse gefällt den Bauern nicht. Durch die Bauarbeiten käme es zu einem Verschleiss an Kulturland. Der Vertreter der Bauern im Passwanggebiet macht nun seinem Ärger mit den Planern Luft.

Fränzi Zwahlen-Saner
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Die Sanierung der Passwangstrasse sorgt für Verstimmungen.

Die Sanierung der Passwangstrasse sorgt für Verstimmungen.

Hanspeter Bärtschi

«Der Kanton Solothurn geht unbeirrt den eingeschlagenen Weg mit der Sanierung der Strasse über den Passwang weiter», sagt Christoph Saner. Der gebürtige Beinwiler ist Landwirt auf dem Dubhof in Ramiswil und seit der Sanierung der Passwangstrasse als Fürsprecher der Landwirte am Passwang tätig. «Als Landwirt und Direktbetroffener der baulichen Massnahmen ist man das letzte Glied in der Kette», beschreibt er das Gefühl seiner Berufsgenossen am Passwang.

Verschleiss an Kulturland

«Der Kanton Solothurn ignoriert die Bedürfnisse der Bauern», findet Christoph Saner. Mit aller Arroganz werde ein Strassenbauprojekt gepusht, das nur eines wolle: eine 1000-prozentige Sicherheit für die Strassenbenutzer auf Kosten der Landwirte am Passwang. «Die Bewirtschaftungsmöglichkeit und der Verschleiss an Kulturland spielen scheinbar dabei keine Rolle.»

Saner beschreibt einen konkreten Problemkreis, das Wasser im Passwanggebiet: «Mit dem gesammelten Strassen- und Hangwasser werden beidseits des Passwangs kleinste Bächlein geflutet und damit ausgeschwemmt. So wird die Bewirtschaftung enorm erschwert.» Die vorgebrachten Argumente seitens der Landwirte würden durch die Planer und Beamten einfach ignoriert. Er meint gar: «Mit Täuschungen wird versucht, die Bauern zu verunsichern.»

Pläne ohne Koordinaten

Vergangene Woche fand in Beinwil ein Infoanlass zur Mitwirkung für die zweite Phase der Sanierung der Passwangstrasse Nord statt. «Der dort aufgebotene Securitas-Mann war nicht coronabedingt vor Ort», ist Christoph Saner überzeugt. «Nein, es wurde befürchtet, dass die dort aufgelegten Pläne von aufgebrachten Bauern hätten zerrissen werden können.»

Als Landwirt ist man das letzte Glied in der Kette.

(Quelle: Christoph Saner, Bauer aus Ramiswil)

Saner und seine Berufskollegen beanstandeten am Infoanlass: «Auf allen Plänen fehlen die Koordinaten. Auf eine Profilierung im Gelände wird sowieso verzichtet. Gegen was will sich ein Bauer also wehren, wenn er überhaupt nicht weiss, wo die Strasse genau gebaut wird?»

Unnötig grosszügige Maschinenwege

Auch mit den bereits angebrachten Steinschlagschutznetzen im Bereich Stucketen sind die Bauern gar nicht einverstanden. «Es ist nicht die Holzerei im sehr sonnenexponierten und von Trockenheit geplagten Buchenwald, die uns Sorge bereitet», sagt er. «Es sind die sehr grosszügig angelegten Maschinenwege, welche aus unserer Sicht nie nötig sind, um an diesen Stellen zu holzen.» Beim Erstellen der Betonfundamente für das Steinschlagschutznetz seien grosse Flächen unnötig abhumusiert worden und damit für den Bewirtschafter und dessen Weidetiere unbenutzbar gemacht worden.

Er und seine Berufskollegen sind überzeugt, dass man von der Strasse aus mit einem Erdbohrer die Fundamente hätte bohren können. «So wäre nicht nur die Weide verschont geblieben, auch die Kosten wären sicher um das Zehnfache geringer gewesen.»

Angeforderte Akten konnten nie eingesehen werden

Eine Sache stört Christoph Saner ganz besonders: «Die Bauern haben von ihnen verlangte Akten im Voraus nicht bekommen und über keine Massnahme wurde ein Papier erstellt.» Er macht ein Beispiel: «Es ist nicht einzusehen, warum das zunächst geplante, sich direkt an der Strassenmauerkrone befindliche Steinschlagschutznetz nun einige Meter in der Weide steht.»

Man werde nun die Akten über einen Anwalt einfordern, sagt Saner abschliessend. «Werden die seit Wochen verlangten Akten weiterhin nicht ausgehändigt, bleibt uns nur noch der gerichtliche Weg.»