Allschwil

Stricken ist ihre Masche

Über eine Million wollig-bunt bemützter Fruchtsaft-Fläschchen stechen zurzeit optisch aus den Verkaufsregalen verschiedener Lebensmittelgeschäfte. Die Allschwilerin Monika Güntert hilft beim Stricken der Mützchen mit. Sie setzt sich aus Leidenschaft für gute Zwecke ein.

Yannette Meshesha
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Monika Güntert strickt mit Vergnügen jeden Tag neue Sachen.

Monika Güntert strickt mit Vergnügen jeden Tag neue Sachen.

Yannette Meshesha

Seit Februar zieren kleine Strickmützen die Deckel der «Innocent Smoothies». Die Fruchtsaft-Firma führte diesen Winter zum dritten Mal in der Schweiz, Deutschland und Österreich die Aktion «Das grosse Stricken» durch, bei der freiwillige Stricker ihre farbenfrohen Erzeugnisse einsenden. Bei jeder verkauften Flasche mit Mütze kommen 30 Rappen der Organisation Pro Senectute zu, die damit alten Menschen hilft, warm und gesund durch den Winter zu kommen.

Dieses Jahr konnte ein Rekord von 1'360'709 eingesendeten Mützchen aus allen drei Ländern verzeichnet werden. Mitverantwortlich für diesen grossen Erfolg ist eine besonders fleissige Strickerin: Monika Güntert (63) aus Allschwil strickt jeden Tag und das aus grosser Leidenschaft. «Ich mache es einfach gern. Es ist eine tolle Beschäftigung», erklärt die gebürtige Österreicherin. «Für die Fruchtsaft-Aktion habe ich etwa 2800 Mützen gestrickt, täglich zwischen 20 und 40 Stück», lacht sie.

Die guten alten Zeiten

Güntert strickt seit Jahren jeden Tag. Selbst in die Ferien mit ihrem Mann nehme sie immer genug Wolle mit. «Nur im Auto darf ich nicht stricken. Das macht ihn nervös beim Fahren», schmunzelt sie. Das Ehepaar fliegt immer wieder nach Australien, wo sie oft monatelang herumreisen. Den Sommer verbringen sie jedoch auch gerne auf einem Campingplatz im Tessin. «Das ist unser kleines Paradies.»

Ob Kleider für die Familie, Babyfinken für Frauenarztpraxen oder Kuscheltierchen für das Kinderspital – es macht sie glücklich, ihre Sachen zu verschenken. Die dankbaren Rückmeldungen seien eine schöne Motivation. «Für schwangere Kundinnen habe ich immer Babysachen gestrickt. Eine Frau war so dankbar, dass sie nach der Geburt auf dem Heimweg vom Spital zuerst bei mir vorbeikam, um mir ihr Neugeborenes vorzustellen», erzählt Güntert freudestrahlend. 20 Jahre lang hat sie im Woll- und Seidegeschäft im Schmiedehof gearbeitet und später in einer Bäckerei am Tellplatz.

«Man kommt irgendwann in ein Alter, in dem man immer mehr zurückdenkt an die guten alten Zeiten. Für mich war das mein Lädeli», seufzt sie. Es sei zwar nicht «ihr» Laden gewesen, doch viele Kunden hielten sie für die Besitzerin, da sie so mit Leib und Seele dabei war. «Mir war es immer wichtig, die Leute gut zu beraten und auch den persönlichen Kontakt zu pflegen. Ich habe Kundinnen und Kunden zum Beispiel immer nach ihrem Namen gefragt. Einige heulten sich sogar regelmässig bei mir aus.» Sie vermisse den Kontakt zu ihren Kundinnen sehr. «Als der Laden vor 20 Jahren schliessen musste, brach für mich eine Welt zusammen.»

Odyssee nach Basel

Ursprünglich kommt die Wollverkäuferin aus der österreichischen Steiermark. «Meine Eltern wollten, dass ich in einem Eisenwarengeschäft anfange», erinnert sich Güntert. Sie hatte von ihrer Grossmutter das Stricken gelernt und es immer mit grosser Freude gemacht. Mit 14 Jahren habe sie sich eigenständig in einem Handarbeitsladen beworben und dort dann drei Jahre lang ihre Lehre gemacht. «Ich hatte eine wirklich tolle Lehrfrau, die mich sehr unterstützt hat.» Später habe sie dann in einem Restaurant serviert. In die Schweiz gekommen ist Monika Güntert auf Einladung einer Beizerfamilie, die ihr nach einer Begegnung in Österreich eine Stelle in St. Gallen anbot. «Genau 40 Jahre ist das jetzt her. Damals gab es noch sogenannte Ausländerkontingente, und sie hatten noch einen Platz frei.» Dort habe sie dann gearbeitet, bis sie in einem Tunesien-Urlaub ihren Mann aus Basel kennenlernte. «Wegen ihm bin ich schliesslich nach Allschwil gekommen.»

Das Stricken hat für Güntert auch einen persönlichen Vorteil. Sie leidet an Arthritis, was besonders an den Händen sehr schmerzhaft ist. «Solange ich stricke, spüre ich nichts», sagt sie. Ausserdem sei das jahrelange Trainieren der Finger durch das Stricken Grund dafür, dass ihre Hände immer noch beweglich seien. Darum ist das Stricken für sie eine tägliche Notwendigkeit, die sie auch nach Jahren noch mit Freude ausübt. Manchmal sei es schwierig, Abnehmer für die vielen Stricksachen zu finden. Darum sei die Aktion von «innocent smoothies» für sie ein Glücksfall gewesen. «Ich bin einfach froh, wenn die Sachen, die ich stricke, jemandem Freude machen können.»