Nachhaltigkeit
Die Kirchgemeinde Tenniken-Zunzgen geht mit gutem Beispiel voran: Der Grüne Güggel soll in zwei Jahren krähen

Die Reformierte Kirchgemeinde Tenniken-Zunzgen macht sich für Umweltschutz stark und will sich zertifizieren lassen. Damit nimmt sie in der Region eine Vorreiterrolle ein.

Simon Tschopp
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Kirche mit Pfarrhaus in Tenniken.

Kirche mit Pfarrhaus in Tenniken.

Bild: Kenneth Nars / BLZ

Wie kann eine Kirchgemeinde nachhaltig handeln? Wo soll sie ansetzen? Was haben ihre Mitglieder davon? Die Reformierte Kirchgemeinde Tenniken-Zunzgen will mit gutem Beispiel vorangehen und bis in zwei Jahren die Zertifizierung zum Grünen Güggel erlangen. Dieses Projekt wird getragen vom Verein oeku Kirche und Umwelt.

Dabei stehen Umweltschutz, Sicherheit und Biodiversität im Zentrum der Oberbaselbieter Kirchgemeinde. Schon einiges ist gemacht, vieles muss noch getan werden. So wurden die Decke in der Kirche sowie das Pfarrhaus oben und unten isoliert, die Beleuchtungen soweit möglich auf LED umgestellt.

Das Pfarrhaus soll Fernwärme erhalten

Vor längerer Zeit hat man die Kirchentreppe, eine Stolperfalle, sicherer gemacht, Mitarbeitende sind in Nothilfekursen geschult worden. Franziska Buonfrate, die Präsidentin der Kirchenpflege, hat weitere Ideen:

«Rund um Kirche und Pfarrhaus gibt es diverse Flecken Kulturland, auf denen wir die Biodiversität fördern könnten.»

Das Pfarrhaus an die Fernwärme der Gemeinde anzuschliessen, dürfte aktuell werden, wenn das Netz über genügend Kapazität verfügt. Zudem sind die alten Fenster im Pfarrhaus zu ersetzen. Dies seien jedoch grössere Investitionen, die zeitlich gestaffelt werden müssten, erklärt Buonfrate.

Um solche Vorhaben zu realisieren, arbeitet die Kirchgemeinde Tenniken-Zunzgen mit Partnern zusammen: Stiftung Kirchengut Baselland, Gemeinde Tenniken sowie Natur- und Vogelschutzverein. Mit letzterem hat sie im Dachstock der Kirche eine Unterschlupfmöglichkeit für Fledermäuse eingebaut.

Ein Zeichen nach aussen setzen

Den Entscheid, sich für die Zertifizierung zum Grünen Güggel zu bewerben, fällte die Kirchgemeindeversammlung Mitte November 2020 deutlich. Franziska Buonfrate sieht dieses Engagement als eine Aufgabe der Kirche, «die Schöpfung zu bewahren».

Wir verlören an Biodiversität, da müsse man etwas dagegen unternehmen. Das ganze Projekt sei eine Win-win-Situation für alle Beteiligten. «Wir setzen damit ein Zeichen nach aussen mit Massnahmen, die überprüfbar sind. Wir können zum beispielsweise Strom sparen und Kosten senken», ist die Kirchenpflegepräsidentin überzeugt. Diese hofft, die Zertifizierung bis Ende 2022 zu erhalten. Alles muss bis dann zwar noch nicht verwirklicht, aber analysiert und in einer Absichtserklärung festgehalten sein.

Die angedachte Überbauung auf dem Chilchacher gleich neben der Kirche stehe nicht im Konflikt mit ihren Nachhaltigkeitsbestrebungen, betont Buonfrate und präzisiert:

«Dieses Land gehört der Stiftung Kirchengut, auf die Pläne der Stiftung haben wir mit der Zertifizierung wohl keinen Einfluss.»

Stephanie Krieger, Kommunikationsleiterin der Evangelisch-reformierten Kirche Baselland, weiss nur von Tenniken-Zunzgen, die sich als bisher erste aller 35 Baselbieter Kirchgemeinden im Prozess zum Grünen Güggel befindet. Zertifiziert sei noch keine. «Wir von der Kantonalkirche machen aber auf die Möglichkeit von ‹oeku› aufmerksam und unterstützen das.»

Es gebe noch verschiedene andere Initiativen für Nachhaltigkeit und Ökologie, was für Kirchgemeinden wichtige Themen seien, sagt Krieger. Wie in Tenniken hausen auch in anderen kirchlichen Gemäuern im Baselbiet Fledermäuse und andere Tierarten.

Bei den Katholiken ist es noch still

Von den 32 Kirchgemeinden der Römisch-katholischen Kirche Baselland hat laut dem Leiter Stabsstelle Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit, Dominik Prétôt, noch keine den Grünen Güggel erworben oder die Absicht geäussert, dessen Zertifikat anzustreben.

Dem 1986 gegründeten ökumenischen Verein oeku Kirche und Umwelt gehören rund 600 Mitglieder an. Er ist als Beratungsorgan für ökologische Fragen von der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz sowie von der Schweizer Bischofskonferenz anerkannt.