Münchenstein

Testzentrum am Anschlag: Corona-Abstrich nur für Geduldige

Wer sich zurzeit in Münchenstein auf das Coronavirus testen lassen will, sollte genügend Zeit einrechnen: Die Wartezeiten betragen mehrere Stunden. Der Kanton sucht nach Lösungen - doch das dauert.

Kelly Spielmann
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Die Teststation im Spenglerpark Münchenstein steht wegen der langen Wartezeiten in der Kritik.

Die Teststation im Spenglerpark Münchenstein steht wegen der langen Wartezeiten in der Kritik.

Georgios Kefalas

Zwei Stunden musste er draussen anstehen, eine Stunde verbrachte er drinnen: Über die langwierige Prozedur, im einzigen Baselbieter Testzentrum in Münchenstein einen Corona-Abstrich zu machen, ärgert sich Lukas Flüeler, Co-Präsident der Primarlehrerkonferenz Baselland, auf Twitter. Er hat sich am Dienstag testen lassen. «Wenn man nicht fit ist und so lange ohne Sitzgelegenheiten draussen warten muss, ist das schon mühsam», erzählt er am Telefon. «Eine Frau, die auch anstand, nannte es eine Tortur.» Ein älterer Mann sei in der Schlange kollabiert. «Dieses Erlebnis hat bei mir einfach ein ungutes Gefühl ausgelöst.»

Was tut der Kanton, um das Problem zu lösen? Rolf Wirz, Sprecher der Baselbieter Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion (VGD), ist sich der langen Wartezeiten bewusst. Das Zentrum im Münchensteiner Spenglerpark sei auf 120 Tests pro Tag ausgelegt, «momentan sind es ungefähr doppelt so viele». Man sei also am Anschlag.

Wirz betont aber, dass man auf der Suche nach einem Standort für ein zweites Testzentrum sei. Wann dieses eröffnet würde, ist noch unklar: «Erst müssen wir einen geeigneten Ort finden, dann sind allenfalls noch bauliche Massnahmen notwendig.» Eine weitere Option wäre, Tests auch von Hausärzten durchführen zu lassen. Auch diese Lösung sei derzeit noch in Abklärung.

Resultate kommen nicht mehr per SMS

In der Zwischenzeit versucht der Kanton, den Auflauf in Münchenstein gering sowie die Wartebedingungen so angenehm wie möglich zu halten. Draussen sind seit gestern Mittwoch Zelte gegen Regen aufgestellt, morgen Freitag sollen Stühle dazukommen. Auch wurde mehr Personal eingestellt. Man empfehle ausserdem, die Morgenstunden zu meiden: «Am Nachmittag ist jeweils weniger los», so Wirz.

Den Vorwurf, dass Kranke in der Kälte stehen und warten müssen, weist er jedoch zurück: Sollte man so krank sein, dass ein Besuch im Testzentrum nicht zumutbar ist, könne man sich auch eines der mobilen Testteams nach Hause bestellen. «Und vor Ort gibt es eine Linie für asymptomatische sowie eine für symptomatische Fälle» – das helfe, die Wartezeiten zu verkürzen.

Bei einem Augenschein vor Ort ist die Situation heute kurz vor der Mittagspause relativ ruhig. Keine langen Schlangen, keine grossen Menschenmengen. Ein junger Mann, der den Coronatest hinter sich hat, erzählt: «Mir wurde beim Eingang gesagt, dass es bis zu zwei Stunden dauern könnte.» Er habe zwar nur eine knappe Stunde anstehen müssen, aber «auch das war schon ziemlich anstrengend».

Ob im eigenen Heim oder im Testzentrum: Nach dem Warten ist vor dem Warten. Denn die Resultate gibt es, je nach Laborkapazität, nach 6 bis 48 Stunden. Das Ergebnis erhalten Patienten nicht mehr per SMS, sondern via App des Labors. Wer kein Smartphone besitzt, kann sich sein Testergebnis per Post nach Hause senden lassen.

Der Ansturm wird noch grösser

Lukas Flüelers Tweet bringt noch einen weiteren Punkt auf: «Nicht lustig, wenn die Grippesaison an der Schule erst recht los geht!», schreibt er. Der Vorschlag einer Userin: «Der Kanton Baselland wird wohl eine eigene Teststation für die Lehrpersonen einrichten!» Auf diese Idee angesprochen muss Rolf Wirz lachen. «Ein eigenes Testzentrum für Lehrer? Und eines für Feuerwehrleute, eines für Fussballer und eines für Polizisten?», fragt er. «Eine solche Lösung ist schlicht nicht möglich.»

Dass der Ansturm auf Teststationen in der Grippesaison noch grösser werde, sei zwar vorhersehbar. Für die Planung bleibe jedoch noch etwas Zeit: Die Erfahrung des VGD habe gezeigt, dass die Grippesaison nicht im Herbst, sondern erst im Winter richtig beginnt.

In der Stadt geht der Abstrich schneller

Wer sich im Stadtkanton auf das Coronavirus testen lassen will, muss weniger Geduld aufbringen. Wie Nicolas Drechsler, Mediensprecher des Basler Unispitals, auf Anfrage sagt: «Bei uns liegen die Wartezeiten im Zentrum zwischen zehn Minuten und einer Stunde.» Man strebe – vom Betreten des Testzentrums bis zum Verlassen des Gebäudes nach dem Test – eine Durchlaufzeit von zehn Minuten an.

Länger dauert es, wenn ein Fall zusätzlich ärztlich abgeklärt werden muss. Das Resultat liege schliesslich in 95 Prozent der Tests innert 24 Stunden vor. Die Patienten erhalten ihre Ergebnisse per SMS zugestellt, wenn sie negativ sind. Positive Resultate meldet das Unispital dem Kantonsarzt, der die Getesteten informiert. Verzögerungen kämen vor, wenn Patienten die falschen Kontaktdaten angeben oder wenn es sich um ausländische Handynummern handelt.