Elektra Baselland
Tiefer Stromverbrauch in der Industrie, tiefe Ölpreise: Auch die EBL leidet unter der Coronakrise

Die Elektra Baselland (EBL) hat ebenfalls mit negativen Auswirkungen der Coronakrise zu kämpfen. Der Energieversorger mit Sitz in Liestal ist finanziell aber gut aufgestellt und kann sich so gegenüber Kunden in Zahlungsschwierigkeiten derzeit kulant zeigen.

Hans-Martin Jermann
Merken
Drucken
Teilen
EBL-Chef Tobias Andrist will sich in der Coronakrise "maximal kulant" zeigen bei Stromrechnungen von Geschäftskunden.

EBL-Chef Tobias Andrist will sich in der Coronakrise "maximal kulant" zeigen bei Stromrechnungen von Geschäftskunden.

Nicole Nars-Zimmer (niz)

Die Coronakrise wird auch bei der Elektra Baselland (EBL) deutliche Spuren hinterlassen: So erwartet der zweite grosse Energieversorger im Landkanton Mindererträge von 1,5 Millionen Franken. Dies unter der Voraussetzung, dass ab August die Wirtschaft und das Alltagsleben in der Region mehr oder weniger wieder in normalen Bahnen verläuft. Ist dies nicht der Fall, würden die Ausfälle entsprechend höher.

Vor allem zwei Faktoren belasten derzeit das Geschäft der EBL: Einerseits ist in Gewerbe und Industrie das Stromvolumen seit dem Lockdown um 30 Prozent eingebrochen. Zudem sind durch das europaweite Strom-Überangebot die Preise in den Keller gerasselt. Dies alleine dürfte die Liestaler Elektra rund 500 000 Franken kosten. Anderseits belastet der historisch tiefe Ölpreis das Wärmegeschäft - auch hier sinken die Erträge, wie EBL-CEO Tobias Andrist am Freitagmorgen vor den Medien erläuterte. Umgekehrt spürt die EBL in ihrem Telekom-Geschäft eher positive Auswirkungen - im Lockdown ist die Nachfrage nach Fernseh-, Internet- und Telefondienstleistungen aller Art gestiegen. Allerdings dürfte dies den Ertrag der EBL nicht wesentlich erhöhen, da die Kunden in der Regel über eine Flatrate verfügen.

Verschiedene EBL-Kundengruppen bekunden derzeit Mühe, ihre Stromrechnung zu bezahlen. Laut Finanzchef Alain Jourdan liegen bereits 32 Gesuche für eine Stundung der Rechnung auf dem Tisch, dies vor allem aus den Bereichen Gastronomie und Detailhandel. «Wir zeigen in der aktuellen Krise maximale Kulanz und erörtern mit unseren Kunden Abzahlungsmöglichkeiten», sagt CEO Andrist.

Hohe Investitionen im Ausland

Die EBL zeigt sich ihrerseits solide aufgestellt und kann auf das beste Jahresergebnis ihrer Geschichte zurückblicken. 2019 konnte sie sowohl den Umsatz (um 3,6% auf 229,8 Mio. Fr.) als auch den Reingewinn (um 8,5% auf 23,1 Mio. Fr.) steigern. Die EBL weist für verschiedenen Geschäftsbereiche keine separate Erfolgsrechnung aus. Man habe aber in jeder einzelnen Sparte Gewinn erzielen können, betont Andrist. Die Pipeline an neuen Investitionen ist ebenfalls gut gefüllt: So will die EBL ab Sommer den Wärmeverbund Liestal für rund 72 Millionen Franken umbauen; dadurch soll der Anteil der erneuerbaren Energien von rund 50 auf 90 Prozent gesteigert werden. Bereits in Angriff genommen hat die EBL den Neubau des Kleinwasserkraftwerks Obermatt an der Birs in Zwingen (die bz berichtete).

Weiterhin hoch sind die geplanten Investitionen im Ausland: So will die EBL im 2020 in Spanien ein 100-Megawatt-Photovoltaikprojekt realisieren. Spanien sei das einzige europäische Land, in dem ohne Einspeisevergütung Sonnenstrom produziert und am Markt verkauft werden könne, sagte Andrist. Dem laufenden solarthermischen Kraftwerk in Murcia läufts gut: «2019 konnten wir die Kosten weiter senken und die grösste Produktion seit Inbetriebnahme verzeichnen», betont Andrist. Weitere Investitionen sind via EBL Wind Invest AG in deutsche Windparks geplant. Zumindest im Bereich der erneuerbaren Stromproduktion steckte die EBL in den vergangenen Jahren mehr Mittel in Projekte im Aus- als im Inland. In der Region sei die Situation schwierig; bei Wind- und Wasserkraft gebe es kaum rentable Möglichkeiten.

Geothermie-Projekt im Jura droht zu scheitern

Und dann plagt die EBL noch ein anderes Problem mit einer geplanten Investition: Am 6. April hat die Regierung des Kantons Jura entschieden, einen Rückzug des bereits 2015 bewilligten Tiefen-Geothermie-Projekts in Haute-Sorne zu prüfen. Die EBL ist via die Gesellschaft Geo-Energie Suisse beteiligt. «Wenn wir das Projekt am Ende trotz rechtsgültiger Baubewilligung doch nicht realisieren können, dann müssen wir über eine finanzielle Entschädigung diskutieren», sagt Andrist. Diese Forderung stehe aber nicht im Vordergrund. Zunächst wolle man mit der jurassischen Regierung in Verhandlungen über die Baubewilligung treten. «Wir sind weiterhin überzeugt davon, dass die Tiefengeothermie zukunftsweisend ist.» Das Projekt Haute-Sorne ist das am weitesten fortgeschrittene in der Schweiz und wird vom Bund mit einem Erkundungsbeitrag von 64,1 Millionen Franken unterstützt. Nach einem Erdbeben in Südkorea im November 2017, das von einem Bohrturm für Geothermie ausging, kippte im Kanton Jura die öffentliche Stimmung.