Tierquälerei

Tote Echsen und meterhoch Müll: Zwei Baselbieter Messie-Frauen dürfen keine Tiere mehr halten

Das Baselbieter Kantonsgericht brummt Mutter und Tochter, in deren Liesberger Liegenschaft Chaos herrscht, ein unbefristetes Tierhalteverbot auf.

Hans-Martin Jermann
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Die Hunde wurden ihnen schliesslich weggenommen und landeten im Tierheim. (Symbolhild)

Die Hunde wurden ihnen schliesslich weggenommen und landeten im Tierheim. (Symbolhild)

Pixabay

Die Baselbieter Kantonsrichter sprachen gestern zurückhaltend von «unhaltbaren Zuständen». Man kann aber ohne Übertreibung auch als Saustall bezeichnen, was der Kantonstierarzt bei seiner Kontrolle in einer Liegenschaft in Liesberg im September 2018 antraf: Drei Bartagame ohne Futter und Wasser, zwei davon tot, mehrere Wellensittiche und Zebrafinken in erbärmlichem Zustand.

Beissender Geruch nach Fäkalien und Urin

In den Käfigen bis zu zehn Zentimeter hoch Tierkot sowie Futterreste und Staub. Beissender Geruch nach Fäkalien und Urin, in den Gängen. Müll, der sich teilweise meterhoch stapelt. Den Hauseigentümerinnen wurden kurz zuvor im Kanton Freiburg neun Hunde und eine Katze weggenommen. Die 58-jährige Mutter und ihre 28-jährige Tochter waren mit den vielen Tieren in einem VW Bus unterwegs und fielen im Raum Murten den Behörden auf.

Nicht nur die Tiere, sondern auch die Frauen leben in solchen Verhältnissen.

(Quelle: Daniel Ivanov, Kantonsrichter)

Vor Monatsfrist wurden die beiden Frauen vom Baselbieter Strafgericht wegen Tierquälerei zu bedingten Freiheitsstrafen verurteilt (bz berichtete). Gestern doppelte das Kantonsgericht nach und verhängte ein unbefristetes Tierhalteverbot für alle Gattungen. Das Gericht bestätigte damit eine Verfügung des Amts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen und wies eine Beschwerde der beiden Frauen ab. Das Urteil bedeutet auch, dass sich Mutter und Tochter weder privat noch beruflich mit Tieren beschäftigen dürfen. Dies dürfte die beiden besonders schmerzen, verfügen sie doch über Ausbildungen als Hundetrainer- und Tierpflegerinnen.

Die Beweismittel waren eindeutig

Zum Zustand der Tiere liessen die Richter keine Zweifel offen: «Dieser ist wahrlich genügend dokumentiert», sagte der Vorsitzende Stefan Schulthess und tippte auf mehrere Bundesordner, die neben den Berichten des Kantonstierarztes auch Beurteilungen des Tierschutzes, der Freiburger Behörden sowie umfangreiches Fotomaterial aus der Liesberger Liegenschaft enthalten. Den Einwand der beiden, ihnen sei das rechtliche Gehör nicht gewährt worden, liess das Gericht nicht gelten.

Die Beratung drehte sich sodann um die Frage, ob ein unbefristetes Tierhalteverbot für alle Gattungen verhältnismässig sei. Die Frauen machten in ihrer Beschwerde geltend, sie würden die Tiere artgerecht und liebevoll halten. «Ich kann mir vorstellen, dass sie es gut meinen mit den Tieren», sagte Referent Daniel Ivanov. Die Untersuchung nach Beschlagnahmung der Hunde habe ergeben, dass diese psychisch nicht in schlechtem Zustand seien. Zudem haben die Frauen zumindest für die Pflege der Hunde und Katzen nachweislich Geld ausgegeben.

Tiermessies versuchten, die Behörden auszutricksen

Offensichtlich stimmten aber die Vorstellungen der beiden punkto Lebenshaltung und Hygiene nicht mit jenen der Gesellschaft überein, sagte Ivanov und fügte an: «Nicht nur die Tiere, sondern sie selber leben auch in solchen Verhältnissen.» In einer Beurteilung des Kantonstierarztes ist von «Tiermessies» die Rede.

Da bei ihnen kein Wille erkennbar sei, ihre Haltung zu ändern, sei auch ein strenges Verbot angemessen, betonten mehrere Richter. Hinzu kommt, dass sich die Frauen unkooperativ zeigten, ja zu tricksen versuchten.Sie entzogen sich den Besuchen der Behörden durch Ortsabwesenheit und Nichterreichbarkeit. Bei der erwähnten Kontrolle musste ein Schlüsseldienst beigezogen werden.

Im August 2018 behaupteten die beiden, die Hunde seien im Ausland platziert worden, eine Kontrolle sei also hinfällig. Dies entsprach nicht der Wahrheit, wie die spätere Beschlagnahmung offenbarte. Richter Jgnaz Jermann attestierte den Frauen eine «gewisse kriminelle Energie». Der Vorsitzende Schulthess stellte ihnen in Bezug auf eine mögliche Aufhebung des Verbots in ferner Zukunft keine gute Prognose: «Hinhaltetaktik und Heimlichtuerei zeigen, dass Hopfen und Malz verloren ist.»