Verkehr

U-Abo-Zonen wecken Protest bei Interessegemeinschaft Igöv

Eine mögliche Zonierung des U-Abos mit allen Konsequenzen für Kunden, Transportunternehmen und Kantone wird nun vertieft geprüft. Ein Jahr will sich der Tarifverbund Nordwestschweiz (TNW) dazu Zeit lassen

Boris Burkhardt
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Der Leistungsauftrag für den Baselbieter öV bleibt dieses und nächstes Jahr vor Kürzungen verschont. Archiv

Der Leistungsauftrag für den Baselbieter öV bleibt dieses und nächstes Jahr vor Kürzungen verschont. Archiv

Mögliche Änderungen könnten frühestens im Dezember 2013 in Kraft treten. Erst gestern trat BLT-Chef und TNW-Geschäftsführer Andreas Büttiker vor die Presse.

TNW will Fakten auf den Tisch

Zwar beschloss der TNW schon 2010, eine Zonierung zu überprüfen, und geht im nächsten Schritt jetzt in die Details. Zwar betonen alle Beteiligten, dass die Überprüfung «ergebnisoffen» sei. Dennoch will Büttiker keine der angedachten Zonierungsmodelle öffentlich machen, bevor ihre Vor- und Nachteile nicht durch Fakten belegt seien. Denn er weiss um die Brisanz des Themas: «Eine Änderung des U-Abos wird Reaktionen provozieren.»

Die erste provozierte Reaktion kam auch postwendend nach der TNW-Mitteilung von der Interessengemeinschaft Öffentlicher Verkehr (Igöv): Wieder werde versucht, ärgert sich Präsident Stephan Maurer, «das U-Abo aufzusplitten und eine unattraktive Zonierung einzuführen». Die bisherige Verteilung der Einnahmen sorge bereits «für einen Ausgleich zwischen den längeren Fahrten in der Region und den häufigeren kurzen Fahrten im Kerngebiet».

Die Igöv fordert, das einheitliche U-Abo weiterzuentwickeln, und warnt davor, es unüberlegt zu gefährden. Die Parlamentarier der Igöv, kündet Maurer an, würden in den Kantonsparlamenten Vorstösse einreichen, um den öV-Abbau zu verhindern.

Differenzierter reagiert der Verkehrsclub Schweiz (VCS) beider Basel. «Wir sind nicht grundsätzlich dagegen, dass mehr zahlt, wer länger fährt», sagt Geschäftsführerin Stephanie Fuchs. Der Zeitpunkt für eine Neustrukturierung sei aber «verkehrt».

Ohne, dass eine gleichzeitige Diskussion über die Taxierung von Autopendlern stattfinde, könne der VCS einer Neustrukturierung des U-Abos nicht gutheissen. Pendler mit langen Strecken seien nicht nur die Hauptursache für Basels Strassenstaus, sondern durch die Verteuerung auch die Ersten, die wieder vom öV auf die Strasse umstiegen. Die Umwelt- und Gesundheitskosten des Strassenverkehrs, fordert Fuchs, müssten fair eingerechnet werden, zum Beispiel bei der Jahrespendlerparkkarte, die sich bisher am Preis des U-Abos orientiere.

Transportunternehmen schweigen

Kollektives Schweigen herrscht bei den restlichen Transportunternehmen, die im TNW Mitglied sind. Weder die Autobus AG Liestal noch die Postauto AG wollen Stellung nehmen zu ihren Wünschen an eine neue Abostruktur und verweisen auf Büttiker als Sprecher des TNW. Die SBB, obwohl Mitglied im TNW-Koordinationsausschuss, sind im Regionalverkehr laut Sprecher Daniele Pallecchi nur Dienstleister, die ausführen, was die Kantone wünschen und zahlen.

Bei den Kantonen klingt es schon eher nach Änderungswünschen: Während der Aargauer öV-Sektionsleiter Hans Ruedi Rihs erst die Resultate abwarten will, bevor er sich zu Kantonswünschen äussert, tönt der Solothurner Amtskollege Ludwig Dünnbier immerhin an, dass man «schon gewisse Ideen» habe.

Subventionen überdenken

In beiden Basel geben die öV-Planer zu, dass man die Höhe und Art der Subvention von derzeit 25 Franken pro Abo überdenken wolle. «Wir müssen schauen, ob es sinnvoll ist, die Subvention so weiterzuführen», meint der Baselbieter öV-Beauftragte Markus Meisinger. Ursprünglich sei die Subvention im Rahmen der Diskussion um das Waldsterben in den Achtzigern beschlossen worden, um möglichst viele Leute zum Umstieg auf den öV zu bewegen.

Alain Groff, Leiter des Basler Amts für Mobilität, ist noch das Bekenntnis zu entlocken, dass der Kanton Basel-Stadt «alles dafür tun wird, dass der öV attraktiv und konkurrenzfähig bleibt gegenüber dem Individualverkehr». Die Frage sei aber, ob bei einer Tariferhöhung genauso bereit wäre, mehr fürs U-Abo zu zahlen, wer nur in Basel Tram fährt, wie jener, der jeden Morgen von Offenburg nach Pratteln pendle.