Hotel Engel

Ungenutzt und leer – der Liestaler Engelsaal liegt im Dornröschenschlaf

Mehrere Monate steht der Saal mitten im Stedtli-Zentrum leer. Der Grund: Aus feuerpolizeilicher Sicht ist er nicht mehr sicher; die Anforderungen in Sachen Notausgänge nicht erfüllt würden. Der Stadtrat erweckt aber nicht den Eindruck, als eile es ihm mit dem Wachküssen.

Andreas Hirsbrunner
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Für die Fasnacht ein optimal gelegener Saal: Guggekonzert der «Fränkeschränzer» im Hotel Engel. (Archivbild)

Für die Fasnacht ein optimal gelegener Saal: Guggekonzert der «Fränkeschränzer» im Hotel Engel. (Archivbild)

Adrian Gottwald

Seit bald einem Jahr steht Liestals Aushängesaal leer – der zentral vis à vis des Törlis gelegene Engelsaal mit Platz für maximal 500 Personen. Und das dürfte auch noch einige Zeit so bleiben. Der Missstand hat mit den Besitzverhältnissen zu tun, die zwar in Liestal konstruiert worden sind, aber ebenso gut aus Absurdistan stammen könnten.

Der 2001 eröffnete Saal gehört der Stadt Liestal. Aber nur der nackte Saal mit einer Bühne und einem Notausgang Richtung Burgstrasse. Nicht mehr und nicht weniger. Dieses Konstrukt ging gut, solange eine Vereinbarung mit den Besitzern des direkt an den Saal angrenzenden Hotel Engels bestand. So konnten die Besucher via Hotel-Foyer und Seiteneingängen in den Saal gelangen. Die Engel-Betreiber kündeten die Vereinbarung aber per Ende des letzten Jahres. Seither seien Veranstaltungen im Saal schon allein aus feuerpolizeilichen Gründen nicht mehr möglich, weil die Anforderungen in Sachen Notausgänge nicht erfüllt würden, sagt Stadtrat Daniel Muri.

Wegen Corona gehts im Kriechgang vorwärts

Der Stadtrat wollte diesen Mangel beheben und einen alternativen Zugang für knapp 300'000 Franken bauen. Das lehnte der Einwohnerrat letzten Dezember ab und sprach stattdessen 30'000 Franken für die Erstellung eines Betriebskonzepts. Seither ist der Engelsaal in eine Art Dornröschenschlaf verfallen. Deshalb die Frage an den federführenden Bauchef Muri: Was besagt das Betriebskonzept und wie geht es weiter? Muri antwortet schriftlich: «Zurzeit liegt noch kein Betriebskonzept vor, es ist aber in Bearbeitung. Wegen der aktuellen und noch länger anhaltenden Situation mit Covid 19, in der keine Anlässe in gewohntem Rahmen stattfinden dürfen, haben wir noch genügend Zeit, um alle erdenklichen Varianten der Nutzung und des Betriebskonzepts ausarbeiten zu können.»

Auf Nachfrage ergänzt er, dass man nächsten Frühling mehr wisse. Für ihn ist der Engelsaal nach wie vor eine Alternative zu dem aus Vereinskreisen geforderten Neubau einer Liestaler Stadthalle; die entsprechende Initiative wurde vergangenen Juni eingereicht.

Kein Thema ist der Engelsaal derzeit in der einwohnerrätlichen Bau- und Planungskommission. Präsident Werner Fischer sagt, dass seine Kommission erst aktiv werden könne, wenn eine Vorlage des Stadtrats auf dem Tisch liege. Für Fischer aber ist klar: Entweder man nimmt das Geld für einen neuen Eingang in die Finger oder der Engelsaal bleibt geschlossen.

Im Moment deutet alles darauf hin, dass der Dornröschenschlaf länger andauert. So hat der Stadtrat laut Muri kein Geld für den Engelsaal ins nächstjährige Budget gestellt. Und Muri warnt auch gleich vor allzu grossen Erwartungen: «Für aufwendige Wunschkonzerte wird es in der heute und zukünftig angespannten finanziellen Situation meines Erachtens keinen Platz haben.»