Pilze

Von grossartig bis pilzleer: Regional sehr unterschiedliche Pilzsaison

Was Sammler 2019 an Pilzen aus dem Wald holten, schlug alle Rekorde. Wie beschreibt man nun eine Pilzsaison, die auf ebenjenes Jahr folgt?

Lucas Huber
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Offen bleibt die Frage, wie oft es dieses Jahr für ein Steinpilzrisotto reicht.

Offen bleibt die Frage, wie oft es dieses Jahr für ein Steinpilzrisotto reicht.

Lucas Huber

Eine Antwort darauf liefert Fritz Kumschick, selber grosser Pilzfreund und Leiter Inspektorate beim Amt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen Baselland. Er spricht eher von einem aussergewöhnlichen Pilzjahr. Der Saisonstart lief schlecht, den Morcheln im Frühling war es schlicht zu trocken.

Auch der Sommer brachte nicht die erhofften Funde an Sommer- und Fichtensteinpilzen, auch wenn je nach Waldstück viele wuchsen. «Die Unterschiede waren riesig: Das eine Waldstück war grossartig, das nächste drei Kilometer weiter war pilzleer.» Wie läuft die ungefähr noch bis Ende Oktober andauernde Hauptsaison?

Pilzwachstum von Bäumen abhängig

«In der Summe bisher eben nicht sehr gut», erklärt Kumschick. Zwar sei das Wetter ideal, mit genug Regen. «Bei einem Temperaturanstieg könnte es noch einen richtigen Schub geben. Ich bin positiv gestimmt.» Gerade Trompetenpfifferlinge oder der Rauchblättrige Schwefelköpfe würden sicher noch wachsen. Auch die Steinpilze hat Kumschick noch nicht abgeschrieben.

Zwar gab es im September eine wahre Steinpilzschwemme, so Pilzkontrolleurin Catherine Mueller, die für Anwil, Gelterkinden oder Füllinsdorf für giftfreie Pilzpfannen sorgt. Doch davor und danach habe es so gut wie keine gegeben: zu trocken. Dafür verzeichne sie aktuell schöne Mengen an Eierschwämmen, Judasohren und Semmelstoppelpilzen. Kurzum: «Es ist ein sehr durchwachsenes Jahr.»

Trockenheit ist ein wichtiges Stichwort. Steigende Temperaturen und schrumpfende Regenmengen hätten einen Einfluss auf die Pilzwelt. Sommersteinpilze kooperieren gern mit Buchen, die wiederum besonders unter den trockenen Sommern leiden. Durstende Bäume produzieren weniger Zucker, was das Steinpilzwachstum hemmt.

Laufentaler zufrieden, Oberbaselbieter nicht

Wenn nun Pilzsammler zu Mueller kämen und fürchteten, ein Jahr wie 2019 werde es nie mehr geben, dann relativiert sie mit Nachdruck: «Gute Pilzjahre wird es auch in Zukunft geben.» Zwar nicht 2020 und nicht im Oberbaselbiet. Im Laufental ist man dagegen zufrieden mit der Saison. Stefan Grun, Präsident des Vereins für Pilzkunde Laufental-Thierstein, spricht von einem sehr guten Jahr. «Vor allem Fliegenpilze kann man buchstäblich abmähen, so viele gibt es.»

Auch seltene Arten wie Igel- oder Tannenstachelbart fanden sie mehrfach. Das milde Klima bringt Pilzarten in die Region, die früher hier nicht wuchsen, davon ist auch Fritz Kumschick überzeugt. «Wir stellen heute vermehrt seltene Arten wie den Ochsenröhrling oder den Falschen Satansröhrling fest.» Übrigens sind dies keine Speisepilze. «Aber auch wenn sie nur spannend zum Anschauen sind», empfiehlt Kumschick: «Gehen Sie in die Pilze!»