Rebgang

Wahnsinnssommer für regionale Winzer: «Jahrgang 2018 wird ein sehr guter werden»

Winzer trafen sich in der verregneten Klus in Aesch, um über die Trockenheit zu fachsimpeln.

Daniel Aenishänslin
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Rebgang: Winzer trafen sich in der verregneten Klus in Aesch, um über die Trockenheit zu fachsimpeln

Rebgang: Winzer trafen sich in der verregneten Klus in Aesch, um über die Trockenheit zu fachsimpeln

bz-Archiv
Rebgang: Antoine Kaufmann von der Domaine Nussbaumer in den Aescher Reben

Rebgang: Antoine Kaufmann von der Domaine Nussbaumer in den Aescher Reben

Daniel Aenishänslin

«Das Wort ‹Jahrhundert-Jahrgang› würden wir nicht in den Mund nehmen», wehrt Andreas Buser vom Ebenrain-Zentrum in Sissach ab, «Der Jahrgang 2018 wird aber ein sehr guter.» Der kantonale Rebgang vom Donnerstag wurde ein kurzer. Das Wetter spielte Miesepeter. Was Buser mitzuteilen hatte, war dennoch spannend.

Die regionalen Winzer versammelten sich in der Aescher Klus. Gastgeberin war die Domaine Nussbaumer von Antoine und Irene Kaufmann. Der Biel-Benkemer und seine Partnerin haben die Domaine vor anderthalb Jahren übernommen. Nach 32 Jahren im Ausland kehrte der Winzer und Önologe zurück in der Schweiz. Kaufmann leitete Weingüter in Italien, Australien, den USA und zuletzt in der französischen Provence. «Eine Herausforderung», nennt er seine neue Arbeit in der Schweiz, «das Klima jedoch hat sich in den vergangenen Jahren für uns Winzer verbessert.»

Obsternte: 2018 ist gut Kirschenessen

Die diesjährige Obsternte falle ähnlich gut aus wie die Weinlese. Das sagt Hansruedi Wirz, Landrat, Obstbauer, Schnapsbrenner und Präsident des Produktezentrums Kirschen/ Zwetschgen des Schweizer Obstverbands. Er tauscht sich regelmässig aus mit Produzenten, Händlern, Grossverteilern und Importeuren.
Er ist am Obst-Puls: «Eine so grosse Zwetschgenernte zu vermarkten ist eine Herausforderung.» Früh habe sie angefangen, bereits Mitte Juli, und sie laufe immer noch. «In der Nordwestschweiz wurde bereits die 1000-Tonnen-Grenze für Tafelzwetschgen überschritten», sagt Wirz. Schweizweit seien 4500 Tonnen in den Handel gelangt. Nicht einberechnet in diese Zahlen sind Zwetschgen, die zum Brennen verwendet werden, oder solche, die in Schweizer Gärten reifen. Schon die Kirschenernte sei mit rund 1000 Tonnen in der Nordwestschweiz gut ausgefallen, erzählt Hansruedi Wirz. Ebenso die Ernte von Birnen und Äpfeln. Die Erträge bezeichnet Wirz als «sehr gut». Viel zur Qualität beigetragen «haben die vielen Sonnenstunden». Diese hätten den Zuckergehalt der Früchte in die Höhe schiessen lassen. Vielleicht habe – an exponierter Lage – das Obst des einen oder anderen Produzenten unter dem trockenen Klima gelitten, gesamthaft jedoch würden sich die Schäden in engen Grenzen halten. Die Obsternte 2018 ist immer noch in vollem Gang – und sie wird eine gute. (da)

«Wohin soll das noch führen?»

Einer sprach von einem «Wahnsinnssommer», der im April begonnen hat und weiter andauert. Es war Paul Leisi, der Präsident des regionalen Weinbauproduzenten-Verbands, der für nächste Woche gleich nochmals Temperaturen von dreissig Grad ankündigte. Er stellte die Frage in den Raum: «Wohin soll das führen?» Frohlockte jedoch gleichzeitig: «Es kommen sensationelle Qualitäten aus dem Rebberg.»

Andreas Buser bezifferte den Vorsprung gegenüber der Erntezeit von 2016 auf drei Wochen. Den Januar bezeichnete er als «sehr warm». «Da fürchteten einige schon, die Rebstöcke würden austreiben», so Buser, «der wirkliche Startschuss fiel aber im April.» Genauso prägend für den Jahrgang 2018 sei der niederschlagsreiche Mai gewesen, denn der ausgehende Sommer erlebte viele trockene Phasen. 150 Prozent Niederschlag gegenüber dem langjährigen Mittel konnten im Mai verzeichnet werden. «Das hat uns gerettet», bemerkte Buser.

Die Trockenheit, über die so viel geredet worden sei, relativierte Buser. «Es war trocken, aber nicht extrem trocken.» Acht Prozent lag die Niederschlagsmenge hinter dem Mittel. Trotz des trockenen Aprils sei das Wachstum bis Juli zügig verlaufen. Die Behänge an den Rebstöcken würden darauf schliessen, dass eine grosse Menge geerntet werden könne. 870 Tonnen Trauben ernteten die Kantone Baselland, Basel-Stadt und Solothurn 2016, vergangenes Jahr bloss 191 Tonnen, während in diesem Jahr bereits 230 Tonnen gelesen werden konnten. «Die Qualität ist ausgezeichnet», kündigte Buser an, «vor allem jene der Rotweine, denn sie profitieren von den hohen Temperaturen mehr als die Weissweine.» Der grösste Teil der Lese werde bereits im September beendet sein. «Das gab es noch nie.»

Antoine Kaufmann darf sich also auf feine Weine aus der Klus freuen. Mit etwas über 20 Hektaren verfügt Aesch über die grösste zusammenhängende Rebfläche im Kanton. 30 Bewirtschafter pflegen Rebberge mit einer Grösse zwischen 3,3 Aren und 4,8 Hektaren und insgesamt 31 Sorten. Die grössten Bewirtschafter neben der Domaine Nussbaumer sind Dieter von Blarers Tschäpperli Weine, der von der Christoph Merian Stiftung betriebene Gutsbetrieb Schlatthof, der Klushof von Barbara Koellreuter sowie die Betriebe von Monika Fanti und Claudia und Stephan Gschwind.