Projekt Sommerspass

Wandern, klettern und Trottinett fahren: Abenteuer auf dem Baselbieter Hausberg

Das Projekt Sommerspass der drei Tourismusorganisationen von Baselland, Solothurn und Aargau führt uns dieses Mal zu einem Baselbieter Hotspot: Einen Tag lang wandern, klettern und Trottinett fahren auf der Wasserfallen. Dabei werden auch die Grenzen zum Solothurnischen überschritten.

Kelly Spielmann
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Die Wasserfallen mit ihrer Gondelbahn – eines der beliebtesten Ausflugsziele des Baselbiets.
4 Bilder
Im Seilpark geht es für die Besucher in die Höhe.
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Othmar Cueni und Eveline Lenherr von Wanderwege beider Basel.

Die Wasserfallen mit ihrer Gondelbahn – eines der beliebtesten Ausflugsziele des Baselbiets.

Bilder: Kenneth Nars (Reigoldswil, 5.August 2020) Bild: Ken

Es ist noch still auf dem Parkplatz der Wasserfallenbahn, als wir kurz vor 9 Uhr für die erste Gondel eintreffen. Nur wenige Autos stehen schon da, der Einweiser hat noch kaum zu tun. Ähnlich sieht es bei der Talstation aus, auch hier sind erstaunlich wenig Menschen anzutreffen. Umso besser, so können wir die Aussicht aus einer Gondel ganz für uns allein geniessen.

An einem Sommertag wie diesem hätte ich hier ein anderes Bild erwartet. Gerade jetzt, mit vielen Familien, die zu Hause Ferien machen, wäre nach den zwei vergangenen, verregneten Tagen mit einem Ansturm zu rechnen gewesen. Denn die Wasserfallen ist eines der wohl meistbesuchten Ausflugsgebiete im Baselbiet. Auch deshalb bin ich es, die sich auf diese Reise begibt: Meine Basler und Baselbieter Redaktionskollegen kennen die Region von Schulreisen, Familienausflügen und Tageswanderungen nur zu gut. Als Auswärtige – mein Hausberg ist der Born – ist dieser Tag für mich jedoch ein komplett neues Erlebnis.

Teil 1: Zum höchsten Baselbieter und wieder zurück

Auf 925 Höhenmetern angekommen, beginnt auch schon der erste Teil des Tages: die zehn Kilometer und 540 Höhenmeter umfassende Wanderung auf dem Wasserfallen-Rundweg. «Die Aussicht ist fantastisch!», wurde mir im Voraus gesagt. Auch hier sind noch kaum Menschen da, als ich beginne, die Route 470 unter die Füsse zu nehmen. Erst zwischen summenden Wiesen, dann durch den kühlen Wald führt mich der Weg ostwärts bergauf zum ersten Stopp. Um 9.57 Uhr komme ich an und lege eine kurze Pause ein, um die Aussicht zu geniessen. Die «Hinteri Egg» liegt 1168 Meter über Meer und ist somit der höchste Punkt des Baselbiets.

Aussichtspunkte folgen auf dieser Strecke tatsächlich einige: Kurz nach der Hinteren Egg folgt das Chellenchöpfli – nur knapp auf Baselbieter Boden liegt es auf 1149 Metern. Kurz nach dem Abstieg vom Chellenchöpfli besteht die Option, die Strecke zu halbieren und zur Bergstation zurückzukehren. Ich werfe einen Blick auf die Bergbeiz, die sich dort befindet, und denke an ein kühles Bier. Die Abkürzung ist verlockend.

Doch ich habe mir vorgenommen, den Baselbieter Hausberg so vollständig wie möglich zu erkunden. Also geht es wieder bergauf zum nächsten Stopp, dem Vogelberg – auf Solothurner Boden und 1204 Metern Höhe. Auf der Südseite bietet die Rundwanderung immer wieder Blicke auf die Alpen. Laut Schweiz Mobil soll die Aussicht an klaren Tagen vom Allgäu bis zum Mont Blanc reichen. Diesen Weitblick erlebe ich heute leider nicht.

Dass ich mich gegen die Abkürzung entschieden habe, zahlt sich aus. Auch der Rest der Strecke geht hauptsächlich abwärts, die wenigen Aufstiege sind weniger streng als noch auf den ersten Kilometern der Wanderung. Und es bestätigt sich auch auf der Nordwestseite, was mir vor wenigen Tagen gesagt wurde: Die Aussicht, hier Richtung Schwarzwald, ist tatsächlich fantastisch.

Nach der Wanderung bin ich froh um ein Bier und ein Mittagessen im Heidistübli – die Beiz neben der Bergstation, an der ich vor zwei Stunden noch sehnsüchtig vorbeizog.

Teil 2: Luftige Höhen zwischen den Bäumen

Nun brummt es um die Bergstation. Familien mit Kindern, Paare, Grosseltern und ihre Enkelinnen und Enkel: Überall sind Menschen, die den Nachmittag auf der Wasserfallen verbringen wollen. Einige packen Wanderstöcke und Sonnencrème aus, andere setzen sich Helme für die Trottinett-Abfahrt oder den Seilpark auf. Letzteren besuchen wir als Nächstes.

Beim Blick nach oben werden meine Knie weich. Auf dünnen Seilen balancieren Kinder und Erwachsene von Baum zu Baum, ziehen an Ziplines an mir vorbei und gehen über meinem Kopf auf dünnen Holzsprossen. Bei meiner Höhenangst bleibe ich hier lieber am sicheren Boden und beobachte, wie sich die Mutigeren unter uns in der Höhe amüsieren.

Bei ihrer Ankunft erhalten die Besucher eine Instruktion dazu, wie sie ihre Karabiner befestigen und wo sie sich festhalten dürfen, damit die Sicherheit gewährleistet ist. Nach der Einführung kann es denn auch schon losgehen: Auswählen können sie zwischen dem sehr leichten «Easy-Go»-Parcours, den leichten «Mini-Action»-, «Mini-Adventure»- und «Mini-Flyer»-Parcours. Mittlere Schwierigkeit verspricht der «Rope-Drive», rot hinterlegt ist der schwere Parcours «Air-Surf».

Teil 3: Auf zwei Rädern zur Talstation zurück

Doch für Adrenalin muss man sich auf der Wasserfallen nicht zwingend in luftige Höhen begeben. Nur wenige Meter vom Seilpark entfernt befindet sich die Trottinett-Ausgabe für die 4,5 Kilometer lange Abfahrt nach Reigoldswil. Auch diese ist mittlerweile gefragter als noch am Morgen. Es sind aber eher Einzelpersonen oder Paare, Familien sind nur wenige zu sehen.

Das könnte auch daran liegen, dass dieses Tagesprogramm für eine ganze Familie ins Geld geht: Eine Gondelfahrt kostet für Erwachsene 17 Franken, für Kinder 10.20 Franken (Familienrabatt 10%), eine Trottinett-Abfahrt 12 Franken und 7.20 Franken, ein dreistündiger Seilparkaufenthalt 28 Franken und 18 Franken. Eine vierköpfige Familie müsste für den ganzen Tag also knapp 180 Franken in die Finger nehmen.

An der Ausgabe muss ich nur kurz warten, bis ich ein Trottinett erhalte, setze den Helm auf und teste die Bremsen. Mir gehen die vielen Erzählungen von Unfällen durch den Kopf, die ich auf der Redaktion in den vergangenen Tagen gehört habe. Der Fotograf verabschiedet sich mit einem: «Es war schön, dich gekannt zu haben», und lacht. Die Abfahrt starte ich dementsprechend zurückhaltend und langsam, obwohl ich für Adrenalin – sofern ich dafür auf dem Boden bleiben darf – eigentlich immer zu haben bin. Auf den Kieswegen durch den Wald ruckelt das Gefährt unter den Füssen. Doch ich merke schon bald: Mit etwas Vorsicht geht das auch mit Tempo – und macht so auch mehr Spass.

Auf den letzten Kilometern sind die Sorgen komplett verflogen. Der Fahrtwind und der kühle Bach im schattigen Wald sind angenehme Abkühlungen nach dem heissen, sonnigen Tag. Diese Abfahrt könnte ich problemlos noch etwas länger geniessen – plötzlich scheinen die 4,5 Kilometer nicht lange genug. Aber nach einer knappen halben Stunde komme ich bei der Talstation an und gebe das Trottinett wieder ab. Der Parkplatz ist mittlerweile voll, doch noch immer kommen Besucher zur Talstation. Die Autos müssen nun im Dorf parkiert werden. «Oh, super!», freut sich der Einweiser, als ich zum Parkplatz zurückkehre. Endlich wieder Platz für neue Besucher.

Nachgefragt: «Wir haben ein Wanderparadies»

Othmar Cueni ist Präsident von Wanderwege beider Basel, Eveline Lenherr ist die Geschäftsführerin des Vereins. Im Interview reden die beiden über die Wanderlandschaft des Baselbiets.

Die Wasserfallen ist der Klassiker unter den Baselbieter Wanderregionen. Welche Gebiete würden Sie Leuten empfehlen, die etwas Neues entdecken möchten?

Othmar Cueni: Bei der aktuellen Hitze eignen sich Wanderungen, die Schatten und Abkühlung bieten. Da könnte ich die Rundwanderung im Chastelbachtal und dem Chaltbrunnental empfehlen. Die beiden Täler mit ihren Bächen sind angenehm kühl. Auch die Wanderung von der Chälengrabenschlucht in Hofstetten über den Blauenpass nach Metzerlen ist zurzeit sehr schön.

Eveline Lenherr: Einer meiner Favoriten ist der Baselbieter Chirsiweg von Sommerau nach Oltingen. Die Wanderung ist nicht so kühl, aber besonders schön.

Wodurch zeichnet sich das Baselbiet als Wanderregion aus?

Othmar Cueni: Wir haben hier wirklich ein Wanderparadies, das eher etwas für Insider ist. Es gibt zwar keine grossen Berge, aber auf vielen Wanderungen gehören sie zur Aussicht. Im Gegensatz zu anderen Regionen kann man auch Aussichten bis nach Deutschland und Frankreich geniessen. Den Rhein, die Birs und die vielen Reben darf man auch nicht vergessen. Viele Wanderungen gehen auch durch Solothurner Gebiet, wo die Wege auch sehr schön sind. Insgesamt gibt es im Baselbiet rund 1000 Kilometer signalisierte Wanderwege.

Sie haben kürzlich zwei neue Wanderkarten für die Region veröffentlicht. Weshalb zwei verschiedene?

Eveline Lenherr: Die Karte von Baselland Tourismus ist eine Panoramakarte mit den schönsten Wanderungen im Kanton. Sie soll «gluschtig» machen und Ideen bringen. Mit QR-Codes kann man auch weitere Informationen zu den Wanderungen finden. Unsere Karten sind detaillierte, exakte Wanderkarten im Massstab 1:25000.

Haben Sie auf den Baselbieter Wanderwegen während Corona Veränderungen wahrgenommen?

Othmar Cueni: Ja, Wandern ist beliebter denn je. Das war aber auch vor Corona schon so, es hat den Trend aber verstärkt. Für uns ist das wenigstens eine positive Auswirkung. Ich bin überzeugt, dass es auch künftig an Beliebtheit zunehmen wird.

Eveline Lenherr: Mehr Wanderer bedeuten aber auch mehr Probleme mit Littering. Einige waren vorher Nichtwanderer und wussten schlicht nicht, wie man sich im Wald verhält. Aber das sind zum Glück die wenigsten. (ksp)