Seltisberg

Weil er erigierte Penisse auf Facebook stellte, musste Kinderheimleiter gehen

Der Leiter des Kinderheims «Auf Berg» ging nicht so freiwillig wie von der Verwaltung behauptet. Der Leiter musste gehen, weil er auf Facebook pornografische Einträge gemacht hatte. Darauf waren unter anderem erigierte Penisse zu sehen.

Michel Ecklin
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Das Kinderheim «Auf Berg» in Seltisberg hat einige Personalwechsel hinter sich. Kenneth Nars

Das Kinderheim «Auf Berg» in Seltisberg hat einige Personalwechsel hinter sich. Kenneth Nars

Kenneth Nars

2008 war das Kinderheim «Auf Berg» in Seltisberg in Aufruhr. Einige leitende Angestellte bemängelten, die Trägerschaft, der katholische Fürsorgeverein, mische sich zu sehr ins operative Tagesgeschäft ein. Als Folge der Ereignisse 2008 wurde 2010 die «Heime Auf Berg AG» gegründet, eine Aktiengesellschaft mit Verwaltungsrat. Mit der Einsetzung von Pascal Tanner als Heimleiter 2008 sei Ruhe eingekehrt, sagt Simon Burgunder, Sekretär der Gewerkschaft VPOD.

Es sah also ganz danach aus, als habe man nach jahrelangem Ringen um richtige Strukturen eine Lösung gefunden. Ins harmonische Bild passte im vergangenen Oktober, dass der Verwaltungsrat den Abgang des Heimleiters Pascal Tanner als «einvernehmlich» bezeichnete. Den Mitarbeitern und den Medien gab Verwaltungsratspräsident Urs Baumann an, Tanner habe den Wunsch nach einer beruflichen Neuorientierung, deshalb sei er gegangen. «Das zu sagen, war ein Fehler», wie Baumann heute einräumt. «Ich wollte einfach niemandem schaden, das ist eben meine Grundhaltung im Leben.»

Denn jetzt zeigt sich: Tanner ging nicht freiwillig. Wie die «Basler Zeitung» aufgedeckt hat, fand Baumann wenig Gefallen an den pornografischen Beiträgen, die Tanner auf seiner (inzwischen gelöschten) Facebook-Seite verbreitete. Dort soll Tanner, kaum verhüllt, Baumann auf die Schippe genommen haben.

Seit Oktober sieben Entlassungen

Er habe erigierte Penisse gezeigt, Personen diffamiert und religiöse Gefühle verletzt, erklärt Baumann der bz. «Es war nicht tolerierbar, dass Tanner so unseren Erziehungsauftrag gefährdete.» Tanner habe in seinem letzten Jahr im Heim angefangen, eine neue Seite seines Lebens zu offenbaren: «Er überschritt seine Kompetenzen und entzog sich unserer Kontrolle.»

Die Facebook-Einträge hätten das Fass zum Überlaufen gebracht. Darauf habe er Tanner sofort gekündet. «Das würde ich jederzeit nochmals tun.» Die Kündigung Tanners reiht sich ein in eine ganze Reihe von Entlassungen. Sieben Mitarbeitern, teilweise langjährigen, gab Baumann den blauen Brief. «Die Unruheherde sind jetzt weg», sagt er. All diese Ereignisse hätten im Heim für Unruhe und Verunsicherung gesorgt, weiss Gewerkschafter Burgunder von Vertrauenspersonen. Baumann setze mit seiner unklaren Kommunikation die unter Tanner wiedergewonnene Ruhe aufs Spiel. «Gerade für die Bewohner dieses Heims, die oft schwierige zwischenmenschliche Situationen erlebt haben, sind abrupte Beziehungsabbrüche schwierig.»

VPOD: Kanton soll aufräumen

Baumann beurteilt die aktuelle Situation im Kinderheim radikal anders. «Wir hatten noch nie eine so tolle Zeit im Heim wie seit Oktober», sagt er. Mindestens 80 Prozent der Mitarbeiter stünden hinter ihm. Seiner Meinung nach spannt Tanner jetzt die Medien, den VPOD und einige wenige Heimmitarbeiter ein, um «Auf Berg» zu schaden. Weiterhin getragen fühle er sich vom Kanton. Dieser habe Tanners Facebook-Seite so intolerabel empfunden wie er, «wir haben ein absolut gutes Verhältnis zu den Behörden».

Der VPOD hingegen meint, der Kanton solle seine Aufsichtsaufgabe über die Heime übernehmen und in Seltisberg «für Ordnung sorgen», so Burgunder. «Wenn das Heim keinen guten Ruf mehr hat, dann schickt niemand mehr Kinder dorthin.» Baumann seinerseits weist auf die Missbrauchsfälle hin, die in den letzten Jahren generell in Heimen aufgedeckt worden seien. «Wir haben frühzeitig gehandelt; und das ist jetzt manchen auch wieder nicht recht.»