Kunst

Wie Plakate ihre Geschichten erzählen

Plakate sind auch Kunst. Davon können sich die Basler selbst überzeugen. Der Haken: Von den 60000 Plakaten werden lediglich 17 öffentlich gezeigt.

Rolf De Marchi
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Im Stadthaus Basel sind diverse Plakate der Basler Plakatsammlung zu Gast. Links Basel aus dem Jahr 1942 von Heinrich Mahler
4 Bilder
Rechts Hotel Drei Könige Basel, 1939, von Hans Tomanmichel
Die Basler Plakatsammlung
Im Stadthaus Basel sind diverse Plakate der Basler Plakatsammlung zu Gast

Im Stadthaus Basel sind diverse Plakate der Basler Plakatsammlung zu Gast. Links Basel aus dem Jahr 1942 von Heinrich Mahler

Kenneth Nars

Drei grosse Königsfiguren stehen dominant auf der linken Seite des Plakats und schauen nach rechts. Im Hintergrund sieht man aus der Ferne die Stadt Basel mit Blick in Richtung Osten.

Ein Zufall, dass die drei steinernen Figuren in Richtung Schweiz schauen und Deutschland im Norden den Rücken zudrehen? Wohl eher nicht, stammt dieses von Hans Tomanmichel für das Basler Nobelhotel «Trois Rois» gestaltete Werbeplakat doch aus dem Jahre 1939, als in Deutschland gerade Hitler wütete und die Schweiz im Begriff war, sich vom Nazireich abzugrenzen und sich Schritt für Schritt ins Réduit zurückzuziehen.

Im Stadthaus der Bürgergemeinde Basel an der Stadthausgasse 13 kann man momentan dieses Plakat bewundern, das mehr als nur ein Werbeträger ist: es ist ein Spiegel seiner Zeit, der Einblick in das Denken und Fühlen der Menschen jener Epoche gewährt.

Drei Ausstellungsorte

Rund 60000 Webeplakate schlummern in den Archiven der Basler Plakatsammlung, die in der Schule für Gestaltung ihr Domizil hat und wo sie Interessierten wie Lehrende und Lernende, Vertretern des Kulturbetriebs oder der Publizistik und anderen mehr zugänglich sind.

Um die Existenz und die Arbeit dieser Sammlung auch den nicht spezialisierten Menschen näher zu bringen, haben die Plakatfreunde Basel die Initiative ergriffen und drei verschiedene, nahe beieinander liegende Institutionen angefragt, ob sie bereit wären, in ihren Räumlichkeiten Plakate aus den vergangenen 100 Jahren aufzuhängen.

Neben dem Stadthaus der Bürgergemeinde Basel, in dem im Entree des Hauses neben dem eingangs erwähnten Trois-Rois-Plakat noch fünf weitere Werbeträger mit Bezug zur Stadt Basel betrachtet werden können, hat auch die Caffé Bar Mercedes Spot nur wenige Meter entfernt in der Schneidergasse zugesagt.

Die dort in den Räumlichkeiten des Restaurantbetriebs hängenden Plakate haben naheliegenderweise einen Bezug zu Auto und Verkehr und vermögen oft auch hohen gestalterischen und ästhetischen Anforderungen zu genügen.

Botschaft ist klar

So zeigt beispielsweise das älteste dort hängende Plakat von Emil Cardinaux aus dem Jahre 1914 in einer fast naiv wirkenden Zeichnung einen mächtigen Riesen, der im Begriff steht, einen gigantischen Felsbrocken auf einen klein im Vordergrund gezeichneten Lastwagen niederzulegen. Darunter die Worte «Berna Kraftwagen», womit alles gesagt ist.

Dass Werbeplakate sogar ohne Worte auskommen können, beweis das ebenfalls im Mercedes Spot hängende Plakat von Hans Hartmann von 1964, das für die Benutzung von Fussgängerstreifen wirbt. Im Hintergrund ein Fussgängerstreifen mit Fussspuren darauf, im Vordergrund ein Huhn, das ausserhalb des Streifens Hühnerspuren hinterlassen hat. Die Botschaft ist klar: Nur dumme Hühner laufen kopflos über die Strasse, intelligente Menschen benutzen den Fussgängerstreifen.

Als dritter Ausstellungsort hat sich die Soup Suppenbar am Fischmakt zur Verfügung gestellt, wo Plakate aushängen, die Werbung für Suppen und andere Esswaren machen.

Ausstellung bis 18. Juli: Caffé Bar Mercedes Spot, Schneidergasse 28; Stadthaus der Bürgergemeinde, Stadthausgasse 13; Soup Suppenbar, Fischmarkt 10.