Zwischenfazit der Covid-19-Pandemie
Rückblickend hätte Baselland besser auf das Coronaspital Bruderholz verzichtet

Die Kommissionen des Landrats legen eine Auswertung der bisherigen Coronamassnahmen und Handlungsempfehlungen für die Zukunft vor. Einige Punkte überraschen.

Bojan Stula
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Im Nachhinein ist man klüger: Das Coronareferenzspital auf dem Bruderholz kostete unverhältnismässig viel.

Im Nachhinein ist man klüger: Das Coronareferenzspital auf dem Bruderholz kostete unverhältnismässig viel.

Bild: Kenneth Nars

Es ist ein parlamentarischer Kraftakt, über dessen Sinnhaftigkeit sich durchaus streiten liesse. Denn noch weiss kein Mensch auf Erden, wie und wann die Covid-19-Pandemie ihr Ende nehmen wird. Nichtsdestotrotz hat der Baselbieter Landrat in den vergangenen Wochen hinter verschlossenen Türen intensiv über die Krise diskutiert und eine Art Zwischenbilanz gezogen.

Unter Federführung der Geschäftsprüfungskommission haben die fünf den Direktionen zugewiesenen Hauptkommissionen ihre jeweiligen Regierungsmitglieder in die Zange genommen und deren Lehren aus der ersten Coronawelle zwischen März und September 2020 analysiert. Den Auftrag zur Berichterstattung der Regierung gab eine Motion, die der Landrat am 10. September 2020 stillschweigend überwies.

Das Ergebnis dieser Überprüfung liegt nun als 20-seitiger Bericht vor, der vor wenigen Tagen im Internet auf der Kantons-Website aufgeschaltet wurde, bisher aber noch auf kaum Widerhall in der Öffentlichkeit gestossen ist. Zwar schränkt die Geschäftsprüfungskommission ein, dass «das Ausmass an aufgeführten Lehren verhältnismässig klein ist». In den Augen der Finanzkommission sei es «noch zu früh für abschliessende Lehren und Erkenntnisse». Auch seien sich alle Beteiligten bewusst, «dass der Covid-Bericht im Wissen um den Verlauf der zweiten Welle in einigen Punkten anders verfasst worden wäre». So fehlen beispielsweise irgendwelche Angaben zum aktuellen Mega-Thema Impfen. Gleichwohl enthält der Bericht verschiedene interessante Einsicht und Aussagen.

Eigenes Referenzspital auf dem Bruderholz war zu teuer

So würde die Baselbieter Regierung mit dem heutigen Wissen auf die Einrichtung eines spezialisierten Coronaspitals verzichten. «Die Umsetzung und auch die Rückführung des Referenzspitals in den Normalbetrieb waren mit hohen Kosten verbunden», heisst es bezüglich der Anstrengungen, die im März 2020 mit der Umrüstung des Bruderholz-Spitals unternommen wurden.

Dieses sogenannte «Referenzspital» wurde zwar vom Personal mit viel Enthusiasmus in Betrieb genommen, blieb aber die meiste Zeit unterbelegt. Ebenso erwies sich die ursprüngliche Sorge als unbegründet, dass eine Verteilung der Covid-19-Fälle auf alle Spitäler das Gesundheitssystem hätte lahm legen können. Dank einer bikantonalen Ausgleichsvereinbarung sind inzwischen die Beatmungspatienten gleichmässig auf die Intensivstationen von Kantonsspital Baselland, Unispital Basel und Basler Claraspital verteilt.

Insgesamt belaufen sich die bisherigen Coronazusatzkosten im Gesundheitssystem auf 57,7 Millionen Franken. Davon entfallen 36,6 Millionen auf die Mehrleistungen der Spitäler. Die Beschaffung von Schutzmaterial, Desinfektionsmitteln und weiterem Material kostete 10,1 Millionen, der Aufbau und Betrieb der Abklärungs-, Test- und Impfzentren 7,5 Millionen. Für 2021 sagt der Bericht neben den bisherigen Posten unter anderem Zusatzkosten für das erweiterte Contact-Tracing, die Umsetzung der Impfstrategie sowie für das Massentesten voraus.

Regierung muss prüfen, ob ein Materiallager angelegt werden soll

Das Zwischenfazit von Regierung und Parlament mündet in sechs Feststellungen und ebenso vielen Empfehlungen, welche die Geschäftsprüfungskommission an die Adresse der Regierung abgibt. Einer dieser Punkte betrifft das anfänglich fast vollständig fehlende medizinische Schutzmaterial, obschon der Pandemieplan des Bundes den Kantonen die Bildung von Lagerbeständen empfahl.

Die Regierung soll nun «mit einer gewissen Verhältnismässigkeit» überprüfen, wie dieses Versäumnis im Hinblick auf künftige Krisen wettgemacht werden kann, lautet der Auftrag. Auf Vorrat aber teure Beatmungsmaschinen einzulagern, die unter Umständen ungenutzt wieder entsorgt werden müssten, schliesst die Regierung aber von vornherein aus. Schliesslich könne die nächste Pandemie ganz andere gesundheitliche Auswirkungen haben. Auch müsse beim Schutzmaterial darauf geachtet werden, dass die meisten Artikel über kurze Ablaufdaten verfügen.

Ein anderer Punkt betrifft die künftige Sicherstellung von Stellvertretungen von Schlüsselpersonal. Hier kritisiert der Bericht, wie der Kanton vom plötzlichen Abgang von Kantonsärztin Monika Hänggi überrascht wurde, ohne dass eine vollzeitige Stellvertretung vorgesehen war. Ein Fehler, der inzwischen korrigiert worden ist.

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