Börse

Corona-Krise beutelt Novartis-Aktionäre – Börsenwert um 30 Milliarden geschrumpft

Novartis im Zeichen der Epidemie: Der Wert des Basler Pharmakonzerns ist in der vergangenen Woche um dreissig Milliarden Franken geschrumpft.

Stefan Schuppli
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Mit 1200 Teilnehmern die letzte Grossveranstaltung in Basel vor dem Verbot: die Generalversammlung des Basler Novartis-Konzerns.

Mit 1200 Teilnehmern die letzte Grossveranstaltung in Basel vor dem Verbot: die Generalversammlung des Basler Novartis-Konzerns.

GEORGIOS KEFALAS

Die Novartis-Aktionäre versammelten sich zur jährlichen Generalversammlung in der St. Jakobshalle. Es war just zum Zeitpunkt, als der Bundesrat wegen der drohenden Corona-Epidemie Grossveranstaltungen dieser Art untersagte. Schwein gehabt.

Viele der Aktionäre waren wohl aus Vorsicht gar nicht erst angereist. Mit 1200 Anwesenden war der Jahrestreff deutlich schlechter besucht als in vergangenen Jahren, als bis zu 1800 Personen anreisten. Klar, dass Aktionäre Fragen zur aktuellen Lage stellten. Ob es Lieferengpässe gegeben habe, wollte etwa Aktionär Thomas Anton Schuster wissen. «Wir sehen das relativ entspannt», sagte Verwaltungsratspräsident Jörg Reinhardt. Wie die Lage in sechs Monaten aussehe, wisse er aber auch nicht. Sie hänge natürlich wesentlich von der Verbreitung des Corona-Virus ab und von der Wirksamkeit der getroffenen Massnahmen.

In den vergangenen Tagen wurde mehrfach die Befürchtung laut, dass es bei sehr vielen Grundstoffen zu Engpässen kommen könnte. Reinhardt beruhigt: Der Anteil der Vorprodukte aus China betrage deutlich weniger als fünfzig Prozent. Und es bestünden Zwischenlager in der Grössenordnung von ein bis zwei Jahresproduktionen.

Sorgen um die Lieferkette trotz Zwischenlager

Sorgenfrei ist die Führung des Pharmakonzerns dennoch nicht. Bei Sandoz, der Generika-Firma von Novartis, wächst die Besorgnis über die möglichen Auswirkungen des Corona-Virus-Ausbruchs auf die globalen Lieferketten.

Diese Woche hat sich Sandoz einen Preisstopp auferlegt, der rund zwanzig antivirale Medikamente und Antibiotika betrifft. Die Regelung gelte ab sofort. Richard Saynor, CEO von Sandoz, erklärte kürzlich in einer Medienmitteilung: «Ich bin sehr besorgt über Berichte, dass die Preise für grundlegende Medikamente wie Schmerzmittel und Antibiotika erheblich steigen.»

Novartis beschäftigt in China selbst 10000 Mitarbeitende, schreibt die Medienstelle auf Anfrage der «Schweiz am Wochenende». In Italien, wo das Virus ebenfalls verbreitet ist, sind 2210 Mitarbeitende für den Basler Konzern tätig. Was unternimmt die Firma für ihre Angestellten? Gegenüber dieser Zeitung bleibt Novartis vage. Der Konzern habe eine globale Task Force zur kontinuierlichen Bewertung der Situation, zur Koordination und zur Aktualisierung von Massnahmen ins Leben gerufen. «Wir stehen in regelmässigem Kontakt mit unseren lokalen Geschäftseinheiten in der betroffenen Region und verfolgen in dieser Phase aufmerksam die aktuellen Informationen von globalen Organisationen», erklärt die Medienstelle. Die Anzahl der am Corona-Virus erkrankten Mitarbeitenden wird nicht kommuniziert.

Voll vom Virus erfasst wurde der Börsenkurs von Novartis. Innerhalb von nur acht Tagen verlor die Novartis-Aktie 13 Prozent. Rund dreissig Milliarden Franken sind die Wertpapiere der Aktionärinnen und Aktionäre von Novartis weniger wert. Es ist dies die schwärzeste Woche seit der Finanzkrise von 2011. Allerdings ist nicht nur der Pharmakonzern betroffen, die Börse hat insgesamt in dieser Grössenordnung eingebüsst.

Einen Lichtblick gab es trotz des Werteschwunds der Aktie: Die Dividende wird um vier Prozent auf 2,95 Franken erhöht.

Nicht mehr im Impfgeschäft tätig

Die Entwicklung eines Impfstoffes gegen das Virus sei für Novartis «kein Thema», sagt Reinhardt. Der Konzern hat das Impfstoff-Geschäft vor einigen Jahren an die Firma GSK verkauft. Eine Rückkehr in diesen Bereich schliesse er aus: «Man baut ein solches Geschäft nicht rasch an einem Tag auf.» Man könne aber davon ausgehen, dass bei GSK noch immer einige der übernommenen Novartis-Mitarbeiter an der Entwicklung von Impfstoffen arbeiten.