Coronavirus

Das Virus und wir – Sieben Wochen Lockdown, sieben Erkenntnisse

Benjamin Wieland
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1. Eine Notlage ist wie die Zeit: Sie macht die Menschen älter – aber sie verändert sie nicht. Arschlöcher bleiben Arschlöcher, Engel bleiben Engel, und Verschwörungstheoretiker laufen zu Hochform auf: 5G ist Schuld an Covid-19! Nur zu Beginn des Lockdown: Burgfrieden. Jedem Anfang liegt ein Zaudern inne. So hielten alle kurz das Maul.

2. Neun von zehn Netflix-Serien sind Schrott.

3. Diese Redundanz! Alles prasselt tausendmal auf einen ein: Hände desinfizieren! Zu Hause bleiben! Abstand halten! Und ewig grüsst das BAG. Auch die Witze wiederholen sich. Diesen kennen Sie wohl auch schon, aber er ist gut: Wieso dürfen die Restaurants erst als Letztes wieder öffnen? Das Virus braucht einen Wirt!

4. Eben: Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Ständig klingelt das Smartphone, wieder neue GIF und Videos. Whatsapp quillt über. Zuerst ging es meist um WC-Rollen. Dann um lange Haare. Jetzt sind die Gesichtsmasken dran.

5. Videos der singenden Italiener wurden verbreitet, als gäbe es Geld dafür. Auch Videos mit Deutschen, die sich um WC-Papier prügelten. Und die Bilder mit dem immer gleichen Waffenladen in Culver City, vor dem die Leute Schlangen stehen. Dass auch in Österreich Leute von den Balkonen musizierten, interessierte nicht. Die Italiener sind fröhlich. Immer. Alle. Weiss man doch aus der Barilla-Werbung! Und die Deutschen sind streitlustig, die Amis schiesswütig! Erkenntnis: Klischees sind gegen jede Pandemie grundresistent.

6. Corona öffnet Gender-Gaps. Das selbst ernannte Pandemie- Expertentum auf Twitter und Facebook ist gefühlt zu 99 Prozent männlich, aber zu 0 Prozent vom Fach. Klar in der Überzahl waren die Frauen hingegen beim Weiterverbreiten der Filmchen mit den singenden Italienern.

7. Am schönsten schimpft Pietro. «Telebasel» erwischt ihn bei einer Strassenumfrage vor dem geschlossenen Zoll nach Weil am Rhein. Er zetert in bestem Italo-Baseldeutsch: «Isch Ebola ko, isch dä Schissvogel ko ... wawawa-isch es gsi?» Am Schluss sagt er, er gehe jetzt Mittagessen: «Hani mini Poulet scho parat!». Es würde niemanden wundern, gäbe es demnächst T-Shirts mit dem Satz. Ich würde eines kaufen.