Denkmalschutz
Drei Roche-Gebäude werden unter Schutz gestellt – der Pharmakonzern setzt sich dennoch durch

Punktesieg für Roche: Zwar wird das Direktionsgebäude ebenso wie zwei andere Bauten auf dem Nordareal unter Schutz gestellt. Zwei für den Denkmalschutz noch wichtigere Gebäude werden aber fallen.

Patrick Marcolli
Drucken
Teilen
Dem Abriss geweiht: Bau 27 von Otto Rudolf Salvisberg (im Vordergrund).

Dem Abriss geweiht: Bau 27 von Otto Rudolf Salvisberg (im Vordergrund).

Bild: Kenneth Nars

Der Entscheid, der zwischen Roche und der staatlichen Denkmalpflege «einvernehmlich» gefällt wurde, wie es in einer Medienmitteilung von heute heisst, klingt zwar spektakulär, ist es aber im Kern nicht: Die Roche-Gebäude mit den Nummern 21, 29 und 67 werden unter Denkmalschutz gestellt. Das heisst: Das modernistische Direktionsgebäude von Architekt Otto Rudolf Salvisberg aus den dreissiger Jahren, eines von seinen Produktionsgebäuden aus derselben Zeit auf der Nordseite des Areals (Nummer 29) sowie das Personalrestaurant von Roland Rohn aus den Sechzigerjahren (Nummer 67) werden die aktuelle grosse Erneuerungsphase des Pharmakonzerns überstehen und in ihrer jetzigen Form erhalten bleiben.

Das alte Hochhaus und ein Produktionsbau werden fallen

Was damit auch entschieden ist: Das Produktionsgebäude Nummer 27 von Salvisberg, das entlang des Solitude-Parks verläuft sowie das ehemals höchste Gebäude von Roche, der Bau 52 von Roland Rohn, sind dem Abriss geweiht. Damit erleiden die Bemühungen von internationalen Kunst- und Architekturexperten sowie des Basler Heimatschutzes – wenig überraschend – Schiffbruch. «Es wären aus bautechnischen Gründen und wegen Altlasten massive Eingriffe in die Statik nötig, Fassaden und Innenausstattung müssten komplett erneuert werden, um die Bauten an die heutigen Anforderungen anzupassen und weiterhin nutzen zu können. Nur die Betonkerne könnten erhalten werden. Fassaden und Ausstattung müssten komplett rekonstruiert werden», sagt Daniel Schneller, Leiter der Kantonalen Denkmalpflege. Das sei zwar machbar, aber es sei unverhältnismässig, Originalsubstanz nur mit den Betonkernen zu erhalten.

Dem Abriss geweiht: Bau 52 von Roland Rohn (hinten).

Dem Abriss geweiht: Bau 52 von Roland Rohn (hinten).

Bild: Kenneth Nars (bz-Archiv)

Die Roche zeigt sich in einer ersten Reaktion zufrieden mit dem Entscheid: «Wir begrüssen die Entscheidung des Denkmalrats, wegen mangelnder Schutzfähigkeit, keinen Unterschutzstellungsantrag für die Bauten 27 und 52 zu beantragen. Roche verpflichtet sich die Bauten 21, 29 und 67 langfristig zu erhalten. Hierfür wird gemeinsam mit der kantonalen Denkmalpflege in den nächsten Monaten ein Schutzvertrag entwickelt.»

Der Basler Heimatschutz ist erwartungsgemäss enttäuscht: «Wir bedauern, dass der Denkmalrat auf Schutzanträge für die Roche-Bauten 52 und 27 verzichtet.» Mit dem Entscheid verliere Basel mittelfristig zwei bedeutende Zeugen der Industriearchitektur.

Aktuelle Nachrichten