Schulen an ihren Grenzen
Die Kindergärten in Riehen und Bettingen sind überfüllt

Kurzfristig zugezogene Familien und die wachsende Bevölkerung bringt Kindergärten in den Gemeinden an ihre Grenzen.

Elodie Kolb
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Die Riehener und Bettinger Kindergartenklassen haben teilweise über 22 Schülerinnen und Schüler.

Die Riehener und Bettinger Kindergartenklassen haben teilweise über 22 Schülerinnen und Schüler.

Svetikd / E+

Die Planung der Kindergartenplätze in Riehen und Bettingen ging nicht auf: Obwohl ein neuer Kindergarten eröffnet wurde und in anderen die Lehrpersonen aufgestockt wurden, sind zurzeit einige der insgesamt 23 Kindergärten überfüllt.

In den beiden Gemeinden gibt es aktuell vier Kindergärten mit über 22 Kindern, obwohl eine Klasse normalerweise mit höchstens 20 Schülerinnen und Schülern geplant werde, heisst es auf Anfrage von der Riehener Abteilung Bildung und Familie. Um gegen die übervollen Klassen vorzugehen, haben die Gemeinden weitere Massnahmen beschlossen.

Viele Zuzüge nach Schulbeginn führten zu Fehlplanung

«Bei der Planung für das Schuljahr 2020/21 haben wir bemerkt, dass der Schulraum knapp wird», sagt Stefan Camenisch. «Die Kindergärten in Riehen und Bettingen sind gut gefüllt», so der Leiter der Abteilung Bildung und Familie. In der Regel sei eine Kindergartenklasse mit 20 Kindern voll. «Nach Schulbeginn dazukommende Kinder brauchen aber auch Platz», meint Camenisch. Dies könne dazu führen, dass Kindergärten bis zu 22 Schüler haben, was auch der kantonalen Praxis entspreche. «Wir mussten die Kindergärten in Riehen und Bettingen teilweise aber auch mit mehr als 22 Kindern füllen», so Camenisch. 25 Kinder seien höchstens vorgesehen, sagt Andreas Haberthür von der Verwaltung der Gemeindeschulen.

Laut Camenisch hätten sie zwar einen weiteren Kindergarten im Dorfzentrum aufgemacht, in Riehen Süd sei dies aber nicht möglich gewesen. Man habe deshalb beschlossen, dort das Personal aufzustocken und so aus einem Kindergarten «einen eineinhalbfachen Kindergarten zu machen». Das heisst, dass in der Regel statt nur einer, zwei Lehrpersonen vor Ort sind.

Die Schulraumplanung orientiere sich an den jeweils im Januar in Riehen und Bettingen angemeldeten Kinder und auf Erfahrungswerten, wie viele bis im Sommer in der Regel noch dazukommen, so Camenisch. Das seien unter anderem zugezogene Familien mit Kindern oder Schüler, die das zweite Kindergartenjahr wiederholen.

Die Planung habe dieses Jahr nicht funktioniert, da nach den Sommerferien viele Familien zugezogen sind: «Innerhalb von zwei Monaten hatten wir 17 neue Kinder im Kindergartenalter, das ist beinahe eine ganze neue Kindergartenklasse», so Camenisch. Und das sei in einer Phase geschehen, in der nicht einfach ein neuer Kindergarten aufgemacht werden konnte.

«Altersheim der Schweiz» verjüngt sich

Die Planungsschwierigkeiten führt Camenisch auch auf das Bevölkerungswachstum der letzten Jahre zurück. Laut dem Schweizerischen Amt für Statistik wächst die Riehener Bevölkerung seit 2015 ohne Unterbruch. «Riehen galt lange als das Altersheim der Schweiz, da machen wir eine deutliche Verjüngung aus, was auch auf die Planung des Schulraums Auswirkungen hat», so Camenisch.

Einen Einfluss auf die deutliche Zunahme von Kindern sehe er in den vielen neu entstandenen Genossenschaftswohnungen in Riehen. Aber es sei im Voraus schlicht schwierig abzuschätzen: «Wir wissen zwar, wo und was gebaut wird, aber wie viele Familien mit Kindern zuziehen, ist schwer vorauszusagen.»

Er beobachtet dieselbe Entwicklung in Bettingen: «Auch dort gibt es eine starke Zunahme an Kindern im Kindergarten- und Primarschulalter.» Die vollen Kindergartenklassen würden sich in den Folgejahren auch auf die Primarschulklassen auswirken. In Bettingen werde das wohl dazu führen, dass es zwei erste Primarschulklassen gebe, statt nur einer, glaubt Camenisch. In Riehen hingegen rechne man «nicht mit einer erhöhten Klassenbildung in den ersten Klassen», ergänzt Haberthür.

Auch für das nächste Schuljahr werden mehr Kinder erwartet

Auf die Frage, wie in den vollen Kindergärten gegen das Coronavirus vorgegangen werden könne, sagt Camenisch, dass teilweise ein zweiter, externer Raum hinzugemietet worden sei, «da können sich die Kinder besser verteilen». Das sei auch möglich, weil gerade in diesen etwas grösseren Klassen in der Regel zwei Kindergartenlehrpersonen vor Ort sind. «Ausserdem», so Camenisch, «halten wir uns an die kantonalen Schutzkonzepte.»

Camenisch glaubt, dass die Anzahl Kinder im Kindergartenalter auch für das Schuljahr 2021/22 ansteigen wird. Deshalb plane man weitere Kindergärten. Wie viel und wo die hinkommen sollen, sei jedoch noch nicht endgültig definiert. «Durch unsere Planung versuchen wir zu vermeiden, dass dasselbe noch einmal passiert.»