EUro-Airport
EAP-Chef: «Warum trifft es nur den Flugverkehr? Für mich ist das nicht nachvollziehbar»

Wer in die Schweiz einreist, muss bald einen negativen Coronatest vorweisen, aber nur bei Einreisen per Flugzeug. Das sei eine Ungleichbehandlung gegenüber der Bahn und der Strasse, sagt Matthias Suhr, Direktor des Euro-Airports. Er hat einen Verdacht, weshalb das so ist.

Benjamin Wieland
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Beklagt, dass der Flugverkehr strengen Auflagen unterliegt als der Landverkehr: EAP-Direktor Matthias Suhr.

Beklagt, dass der Flugverkehr strengen Auflagen unterliegt als der Landverkehr: EAP-Direktor Matthias Suhr.

Kenneth Nars

Matthias Suhr, der Flughafen will weiterhin keine staatlichen Finanzhilfen. Das sagten Sie an der Bilanz-Medienkonferenz des Euro-Airports am Donnerstag. Weshalb nicht?

Matthias Suhr: Wir haben den Anspruch, uns selber über Wasser halten zu können. Wir brauchen derzeit keine staatlichen Finanzhilfen – weder von Bern noch von Paris, im Gegensatz zu anderen Flughäfen. Bislang haben wir auch nicht profitiert vom Hilfspaket des Bundes in der Höhe von 1,5 Milliarden Franken für die Swiss und für Edelweiss, die anderen zwei Landesflughäfen Genf und Zürich übrigens auch nicht. Wir haben noch genügend Reserven. Was wir jedoch in Anspruch nehmen, sind die Kurzarbeitsentschädigungen Frankreichs und der Schweiz.

Wie lange halten diese Reserven? Wie lange kann man mit den derzeitigen Restriktionen für den Flugverkehr überleben?

Unter den bestehenden Umständen haben wir genügend Luft, sicherlich bis Ende Jahr. Für zwei Jahre reichen die Reserven, also 2020 und 2021. Doch bei gleichbleibend tiefen Passagierzahlen würden wir irgendwann frisches Kapital benötigen und müssten bei Banken Kredite beantragen. Aber wir wollen diesen Schritt so lange wie möglich vermeiden.

Aus Gebieten mit erhöhtem Risiko müssen Einreisende in die Schweiz in Quarantäne. Jetzt hat der Bundesrat die Vorgaben verschärft: Ab dem 8. Februar ist für alle, die mit dem Flugzeug einreisen, ein negativer PCR-Test Pflicht. Wie bewerten Sie die Massnahme?

Wir stehen hinter allen Massnahmen, die helfen, die Pandemie einzudämmen. Etwas ist für mich aber nicht nachvollziehbar: Warum die Verkehrsträger ungleich behandelt werden. Warum trifft es den Flugverkehr, aber den Schienen- und den Strassenverkehr, somit den Landverkehr nicht? Wenn man von Wien zum Euro-Airport fliegt, braucht es einen negativen PCR-Test – aber nicht, wenn jemand mit dem Zug oder mit dem Auto von Wien nach Basel fährt. Diese Ungleichbehandlung ist für mich aus gesundheitlichen Gründen nicht nachvollziehbar. Als Flughafenchef muss ich sagen: Die Restriktionen behindern uns stark, aus diesem Grund sollten sie auch gut begründet werden.

Könnte es damit zu tun haben, dass bei Flughäfen die ankommenden Personen einfach kanalisiert werden können?

Das kann ich mir gut vorstellen. Massnahmen beim Flugverkehr sind im Vergleich zur Schiene oder Strasse relativ einfach zu managen: Die Luftfahrt ist gut kontrolliert und organisiert. Dann gibt es allenfalls einen weiteren Grund: Der Luftverkehr ist zum allergrössten Teil privat getragen. Bei Privaten bleiben die Kosten hängen. Bei der Bahn, wo der Staat Träger ist, müsste man wohl ein Vielfaches an Personal anstellen, um die Einhaltung von strengen Vorgaben umfassend zu kontrollieren. Die Massnahmen für die Luftfahrt sind aufgrund des Kontrollaufwandes und der Kosten pragmatisch motiviert, aber aus virologischer Sicht ist die Ungleichbehandlung nicht zu verstehen, zumal der Grossteil der Einreisenden nicht via Luft, sondern über den Landweg in die Schweiz gelangt.

Der EAP hat seit August ein eigenes Testcenter. Wenn nun viel mehr getestet werden muss: Ist man darauf vorbereitet?

Der Schutz der Passagiere, aber auch unserer Mitarbeitenden steht bei uns stets im Zentrum. So haben wir schon Mitte 2020 ein Covid-Testzentrum eingerichtet für Passagiere, die aus Ländern anreisten, die gemäss Frankreich als Risikogebiet gelten. Für Schweizer oder Passagiere mit Aufenthaltstitel in der Schweiz galt bislang keine generelle Testpflicht. Was sich per 8. Februar aus Schweizer Sicht ändert ist, dass die Passagiere bereits beim Abflugort einen negativen PCR-Test nachweisen müssen. Wer keinen gültigen und negativen Test vorweisen kann, darf gar nicht erst ins Flugzeug. Damit ist der Flughafen zwar entlastet, jedoch sind nun die Airlines in der Pflicht.

Ab dem EAP kann man also, wenn man alle Restriktionen beachtet, sich informiert und genügend Zeit einberechnet, fast normal fliegen?

Grundsätzlich ja. Wir hatten ja auch während des ersten Lockdowns stets geöffnet, auch wenn die Abflughalle praktisch leer war. Heute Donnerstag, am Tag der Medienkonferenz, werden zum Beispiel Passagierflugzeuge aus sieben verschiedenen Destinationen bei uns erwartet. Fliegen ist also weiterhin möglich, auch mit den Restriktionen. Sie führen aber dazu, dass nur sehr wenige Flüge angeboten werden.