Gastronomie
Nach Rausschmiss: Acero-Kollektiv meldet sich zu Wort

Die Gelateria muss nach elf Jahren die Liegenschaft in der Rheingasse verlassen. Gemäss den Mitarbeitenden hat der Vermieter Tino Krattiger dafür dubiose Gründe.

Helena Krauser
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Die Gelateria Acero muss aus der Liegenschaft an der Rheingasse ausziehen.

Die Gelateria Acero muss aus der Liegenschaft an der Rheingasse ausziehen.

Nicole Nars-Zimmer

Für viele Baslerinnen und Basler gehört ein Besuch bei der Gelateria Acero zu einem Schwumm im Rhein oder einem Spaziergang durch die sommerliche Stadt dazu. Doch damit ist bald Schluss.

Nur noch einen Sommer darf das Acero-Team in der Rheingasse verbringen. Im März 2022 läuft der Mietvertrag aus, da der Hausbesitzer und Betreiber des Musikfestivals «Floss», Tino Krattiger das Mietverhältnis nicht verlängern wollte, wie vergangene Woche bekannt wurde.

Krattiger gab an, die Entscheidung sei aus verwaltungstechnischen Gründen erfolgt. Das Team ist als Kollektiv organisiert. Eine Person aus dem Team war für die Absprachen mit dem Vermieter zuständig. Da diese Person die Gelateria nun verlässt und für ihn ein Kollektiv als Ansprechpartner nicht in Frage kommt, habe er den Vertrag nicht mehr verlängert, sagte Krattiger gegenüber «Bajour».

Wie das Team in einer Mitteilung, die der bz vorliegt, schreibt, soll es aber auch noch andere Gründe für die Auflösung des Mietverhältnisses geben. «Die Gründe, die aus unserer Perspektive ausschlaggebend für den Lokalwechsel sind, sind fraglich bis problematisch», schreibt das Kollektiv. Ende März dieses Jahres habe der Vermieter innerhalb von zwei Verhandlungsrunden mit dem Kollektiv kundgegeben, dass er den im nächsten Frühjahr auslaufenden Mietvertrag nicht weiter verlängern wird. Der Versuch seitens des Kollektivs eine gemeinsame Lösung zu finden, sei erfolglos geblieben.

Rheingasse als kultureller Begegnungsort

Gemäss der Mitteilung habe Krattiger erläutert, dass er es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Rheingasse in einen kulturellen und sozialen Begegnungsort umzuwandeln und diesen mitzugestalten. In diesem Sinne sei es Zeit, etwas Neues in die Strasse zu bringen. Ausserdem sei das Abgebot des Acero nicht entsprechend dem Potenzial der Lage ausgebaut und die Öffnungszeiten würden ständig gekürzt. Das Team empfinde dieses «Einmischen in die Gestaltung des Betriebs» als unangebracht, heisst es.

Weiter schreibt das Kollektiv: «Dass mit dem gleichzeitigen Ausscheiden des letzten verbleibenden Gründungsmitglieds eine Vertrauens- und Bezugsperson von Tino Krattiger wegfällt, lässt sich nicht bestreiten.» Im Sinne einer klaren Aufgabenverteilung, habe man aber eine neue Person als Ansprechpartner für den Vermieter bestimmt.

Kollektiv blickt optimistisch in die Zukunft

Gegen Ende der Gespräche habe das Kollektiv festgestellt, dass ein Lokalwechsel auch im Interesse des Teams sei, da die Vorstellungen der Zusammenarbeit zu weit auseinander gehen. Dies vor allem nachdem Krattiger angeblich Bedenken darüber geäussert habe, dass das Team fast ausschliesslich aus Frauen bestehe. Um sein Problem mit dieser Konstellation zu erläutern, habe er die Schwierigkeiten «bei Verhandlungen mit Frauen» oder «beim Übernehmen von handwerklichen Aufgaben im Lokal» benannt, so die Vorwürfe des Acero-Teams.

Krattiger äusserte am Dienstagmorgen gegenüber der bz, dass alles gesagt sei und er nichts mehr hinzuzufügen habe.

Neben Sorgen bezüglich der Lokalsuche blickt das Kollektiv nun aber auch optimistisch in die Zukunft: «Wir freuen uns darauf, an einem neuen Ort neu zu starten und glauben daran, dass wir eine Lösung finden werden.»

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