Gemeinderatswahlen
Nach einem überraschenden Rücktritt stehen Riehens Bürgerliche vor dem Stresstest

Der parteilose Gemeindepräsident Hansjörg Wilde nimmt den Hut. Die SP will davon profitieren – hält die bürgerliche Phalanx?

Tobias Gfeller
Merken
Drucken
Teilen
Der aktuelle Gemeinderat Riehen von links:Daniel Hettich (LDP), Christine Kaufmann (EVP), Guido Vogel (SP), Gemeindepräsident Hansjörg Wilde, Felix Wehrli (SVP), Silvia Schweizer (FDP), Daniel Albietz (CVP).

Der aktuelle Gemeinderat Riehen von links:
Daniel Hettich (LDP), Christine Kaufmann (EVP), Guido Vogel (SP), Gemeindepräsident Hansjörg Wilde, Felix Wehrli (SVP), Silvia Schweizer (FDP), Daniel Albietz (CVP).



Kenneth Nars/ BLZ

Die Bürgerliche Zusammenarbeit (BüZa) schaffte in den vergangenen acht Jahren in Riehen Wahlerfolge, die in der Stadt mit viel Neid bestaunt wurden. Wenn es denn sein musste, spielten die Mehrheiten im Gemeinderat und Einwohnerrat bürgerliches Powerplay.

Mit dem Rücktritt von Hansjörg Wilde wurde der Wahlkampf für Februar 2022 ungewöhnlich früh lanciert. Die Bürgerlichen müssen sich nicht nur einig werden, wer dessen Nachfolge antreten, sondern auch, wer neben den vier Bisherigen aufs bürgerliche Wahlticket soll. Mit Hansjörg Wilde als klar bürgerlichen, aber parteilosen Gemeindepräsidenten fiel die Einigkeit zwischen Mitte, LDP, FDP und SVP einfach. Alle vier Parteien beanspruchten je einen Sitz für sich. Dass wiederum ein Parteiloser gefunden wird, der Gemeinderat und vielleicht sogar Gemeindepräsident werden möchte, scheint unwahrscheinlich. Wahrscheinlicher ist, dass eine der vier Parteien einen zweiten Kandidaten oder eine zweite Kandidatin portieren darf. Und dann stellt sich unweigerlich die Frage: Hält die bürgerliche Einigkeit?

Davon überzeugt ist LDP-Präsidentin und Grossrätin Nicole Strahm. Die Gespräche innerhalb der BüZa hätten schon vor Wildes Rücktritt begonnen. Geht es nach Strahm, hat die Mitte als klar kleinste bürgerliche Fraktion im Einwohnerrat am wenigsten Anspruch darauf. Nimmt man die aktuellen Stärkeverhältnisse, hätte die SVP Anspruch auf diese zweite Kandidatur. Dem widerspricht SVP-Co-Vizepräsident Bernhard Rungger natürlich nicht. Es sei jetzt aber wichtig, dass die Bürgerlichen zusammensitzen und gemeinsam eine Kandidatur festlegen. Dass die Einigkeit aufgrund des Rücktritts des parteilosen Hansjörg Wilde schwieriger werden könnte, streitet Rungger nicht ab.

Die SP schielt auf einen zweiten Sitz

Die Nachfolgekür von Hansjörg Wilde könnte für Riehens Bürgerliche zur Zerreissprobe werden. Obwohl die BüZa in den vergangenen Jahren nie diesen Eindruck hinterliess, müssen SP, EVP und womöglich auch die Grünliberalen darauf hoffen. Allen voran die Sozialdemokraten als die bei den Einwohnerratswahlen 2018 wählerstärkste Partei müssen den Anspruch haben, neben Guido Vogel einen zweiten Sitz im Gemeinderat zu holen. Das sieht auch Lisa Mathys, Co-Präsidentin der SP Basel-Stadt, so. Final werde zwar die Riehener Ortssektion entscheiden. «Aber die SP in Riehen ist aktuell untervertreten im Gemeinderat», findet Mathys. Und dieses «bürgerliche Riehen», wie es oft heraufbeschworen werde, gebe es so nicht. «Für die SP Basel-Stadt ist Riehen extrem wichtig. Wir wollen dort mitgestalten, auch im Gemeinderat.»

Blickt man auf die Geschichte der Riehener Politik, gilt dieser «Doppelanspruch» auch für die EVP, die nach Jahrzehnten im Präsidium erst vor acht Jahren von Hansjörg Wilde verdrängt wurde. Mit Grossrat und Pfarrer Thomas Widmer-Huber hätten sie einen potenziellen Kandidaten, der immer wieder durch soziale Anliegen, aber auch durch eine klar wertkonservative Haltung auffällt, was in Riehen bekanntlich gut ankommt. Doch von einem Anspruch will EVP-Co-Präsident Jürg Sollberger nicht sprechen. «Mit Ansprüchen in Wahlen zu gehen, erscheint mir doch etwas zu hoch gegriffen.»

National im Trend – doch in Riehen unsichtbar

Bei den Grünliberalen ist das bekannteste Riehener Zugpferd Katja Christ im Nationalrat gebunden. Mit der Personalplanung kam die Partei zuletzt ihren eigenen Wahlerfolgen nicht hinterher, als sie Rücktritte aus dem Einwohnerrat kompensieren musste, aber fast niemand auf ihrer Liste nachrücken wollte. Zu den Drückebergern gehörte auch Andreas Sturm, der zuletzt aber wieder vermehrt politisch von sich reden machte. Die Ortssektion der Grünen trat bisher wenig in Erscheinung.