Kantonsspital Baselland

Gewerkschaft fordert von Kanton, gegen Zwölf-Stunden-Schichten vorzugehen

Wegen der Coronakrise hat das Kantonsspital Baselland an drei Standorten Zwölf-Stunden-Schichten für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingeführt. Für die Gewerkschaft VPOD müsse dies aber eine «Ultima-Ratio-Massnahme» sein.

Silvana Schreier
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An den drei Standorten des Kantonsspitals Baselland – Bruderholz, Liestal und Laufen – müssen zwei Drittel der Pflegefachpersonen zwölf Stunden arbeiten.
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Der Grund ist laut dem Kantonsspital die aktuelle Notlage aufgrund des Coronavirus.
Samira Marti, Baselbieter SP-Nationalrätin und VPOD-Präsidentin, sagt: «Wir haben leider sehr wenige Informationen über die Beweggründe des KSBL. Die Informationen gegenüber den Sozialpartnern ist klar ungenügend.»
Gewerkschaft fordert von Kanton, gegen Zwölf-Stunden-Schichten vorzugehen

An den drei Standorten des Kantonsspitals Baselland – Bruderholz, Liestal und Laufen – müssen zwei Drittel der Pflegefachpersonen zwölf Stunden arbeiten.

Martin Töngi

Dem Kantonsspital Baselland (KSBL) macht die Coronakrise zu schaffen. Darum hat die Leitung der drei Standorte Bruderholz, Liestal und Laufen entschieden, auf zwei statt drei Schichten pro Tag umzustellen – dies bedeutet für die Mitarbeitenden Zwölf-Stunden-Schichten. KSBL-Sprecherin Anita Kuoni erklärt gegenüber «Bajour»: «Wir mussten innert kürzester Zeit unsere Kapazitäten an Beatmungsplätzen verdreifachen und müssen für den Ernstfall sogar verachtfachen.» Die Änderung der Schichtpläne sei aufgrund der Notlage die einzig mögliche Lösung gewesen.

Für die Gewerkschaft VPOD Region Basel ein Unding. Samira Marti, Baselbieter SP-Nationalrätin und VPOD-Präsidentin, erklärt gegenüber der bz: «Wir haben leider sehr wenige Informationen über die Beweggründe des KSBL. Die Informationen gegenüber den Sozialpartnern ist klar ungenügend.»

«Bevor Personal zusätzlich unter Druck gerät»

Darum wendet sich die Gewerkschaft nun mit einem offenen Brief an den Baselbieter Regierungsrat sowie den Verwaltungsrat des KSBL. Dieser liegt der bz vor. Der VPOD sei vom Spital nicht eingebunden worden. Man habe gar vorgeschlagen, im Rahmen von Videokonferenzen einen regelmässigen, bedarfsabhängigen Austausch zu etablieren. Diesen Vorschlag habe das KSBL abgelehnt und schliesslich eine weitere Kontaktaufnahme der Gewerkschaft nicht mehr reagiert. «Der Verwaltungsrat des KSBL und der Kanton als Eigner sowie Gesetzgeber sind nun in der Verantwortung.»

Gleichwohl geben sich der VPOD und auch Samira Marti kooperativ: «Wir stellen uns nicht quer, was die Umstellungen wegen des Coronavirus angeht. Wenn es um das Retten von Menschenleben geht, sind wir natürlich nicht dagegen.» Aber die Einführung von Zwölf-Stunden-Schichten müsse eine «Ultima-Ratio-Massnahme» sein. «Zuerst sollen die Ressourcen der Privatspitäler vollumfänglich eingesetzt werden, bevor das Personal zusätzlich unter Druck gerät», so Marti. Ihres Wissens sei das KSBL das erste Spital in der Schweiz, das flächendeckend die Notverordnung des Bundes umsetze. Marti: «Es ist mindestens fragwürdig, ob dies rechtens ist.»