Corona-Virus

Historischer Entscheid erschüttert Basel: «Wir kämpfen darum, dass wir die Kontrolle behalten»

Basler Regierung reagiert auf die ersten regionalen Corona-Fälle. Mit Massnahmen soll eine Ausbreitung des Virus verhindert werden.

Jonas Hoskyn
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Grossandrang an der gestrigen Pressekonferenz der Basler Regierung zum Corona-Virus.

Grossandrang an der gestrigen Pressekonferenz der Basler Regierung zum Corona-Virus.

GEORGIOS KEFALAS

«Wir kämpfen darum, dass wir die Kontrolle behalten.» Was der Basler Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger meint: Bisher wurden in Basel keine Fälle von Corona-Virus bekannt, bei denen für die Behörden nicht nachvollziehbar wäre, wo sich die Personen angesteckt haben. Stand Freitag Abend kamen zu den am Donnerstag bekannt gewordenen zwei Fällen keine neuen dazu. Dabei handelt es sich um eine junge Frau und ihren Freund. Die beiden waren vor kurzem mit weiteren Kollegen in Mailand. Die zwei sind beide am Universitätsspital in Isolation und befinden sich laut Engelberger in guter Verfassung.

Das Team des Kantonsarztes ist derweil mit Hochdruck daran, mögliche weitere infizierte Personen aus dem Umfeld der Frau zu kontaktieren. Insgesamt befinden sich im Kanton Basel-Stadt rund hundert Personen in Quarantäne: Kinder aus der Kita, in der die Frau gearbeitet hat, Mitarbeiterinnen und Personen aus ihrem Umfeld. Dazu kommen rund fünf Dutzend Eltern, welche zur Betreuung der Kinder ebenfalls zu Hause bleiben müssen.

Kantonaler Krisenstab trifft sich neu täglich

Insgesamt hat das Universitätsspital Stand gestern Freitag rund 120 Tests auf Corona-Viren durchgeführt. Bei der Hälfte ist das Resultat noch ausstehend. «Die Lage hat sich diese Woche täglich verschärft», sagt Engelberger. Mit dem gestrigen Entscheid des Bundesrates sei eine neue politische und rechtliche Lage entstanden. «Wir müssen davon ausgehen, dass das Corona-Virus in der Region angekommen ist», sagt Engelberger. Nun seien Einschränkungen notwendig, um die unkontrollierte Ausbreitung zu verhindern oder zumindest zu bremsen. Der drastische Schritt ist nun die Absage der Fasnacht: «200000 Menschen auf engem Raum würden das Risiko einer unkontrollierbaren Verbreitung stark erhöhen», sagt Engelberger. Man müsste mit einer Reihe von Übertragungen rechnen, die man nicht mehr rekonstruieren könnte.

Den Entscheid, der in die Basler Geschichtsbücher eingehen wird, fällte die Regierung gestern Morgen in einer Sondersitzung. Bereits zweimal hatte der kantonale Krisenstab diese Woche zuvor getagt, ab sofort trifft er sich täglich zur Lagebeurteilung. Der Ernst der Lage wurde auch bei der gestrigen Pressekonferenz sichtbar: Vom Polizeichef über den Kantonsarzt bis zum Spitaldirektor waren alle mit anwesend.

Wir können den Virus nicht fernhalten, aber wir können die Kontrolle behalten.

(Quelle: Lukas Engelberger, Gesundheitsdirektor BS)

Ab 200 Personen braucht’s eine Bewilligung

Von den neuen Einschränkungen ist nicht nur die Fasnacht betroffen: Auch Sport- oder Kulturveranstaltungen mit über 1000 Beteiligten sind gestrichen. Und alles darunter muss von den Behörden abgesegnet werden. Die Bewilligungspflicht gilt auch für grössere private Anlässe wie etwa eine Hochzeit oder Firmenfeier.

Am gestrigen Nachmittag hat das Gesundheitsdepartement die Rahmenbedingungen noch präzisiert: Bei Anlässen mit weniger als 200 Personen liegt die Risikoabwägung über die Durchführung beim Veranstalter. Ausgenommen sind davon Veranstaltungen mit einem Bezug zur Fasnacht. Sie sind untersagt, unabhängig von der Grösse. Bei Anlässen mit zwischen 200 und 1000 Teilnehmenden ist eine Genehmigung durch das Gesundheitsdepartement nötig. Dieses führt eine Risikoabwägung durch.

Noch unklar ist, ob in zehn Tagen die Kinder wieder in die Schule können, wenn die Ferien zu Ende sind. Das Erziehungsdepartement will in der zweiten Hälfte der nächsten Woche entscheiden und informieren. Wenn sich die Lage nicht verschärfe, gehe er davon aus, dass die Schulen wieder aufgehen, sagt Bildungsdirektor Conradin Cramer. Zumal aktuell auch die Kindertagesstätten regulär geöffnet sind.

Auch bei der Universität ist noch offen, ob und wie kommende Woche der Betrieb wieder aufgenommen werden kann. Die Universität hat für die Studierenden eine eigene Hotline eingerichtet, in der Fragen rund um Lehre oder Forschung beantwortet werden. «In den ersten 24 Stunden hatten wir bereits über 100 Anfragen», sagt Sprecher Matthias Geering.

Nicht mit dem ÖV unangemeldet zum Arzt

Gesundheitsdirektor Engelberger sagt: «Das Risiko ist hoch, dass uns das Corona-Virus noch lange beschäftigen wird.» Es sei davon auszugehen, dass weitere Corona-Viren-Tests positiv ausfallen werden. «Wir sind zuversichtlich, dass wir individuellen Fällen nachgehen können», sagt Engelberger. «Wir können den Virus nicht fernhalten, aber wir können die Kontrolle behalten.» Auch Kantonsarzt Thomas Steffen sagt: «Im Moment ist alles möglich.» Eine offene Frage sei etwa, ob der bevorstehende Frühling die Ausbreitung des Corona-Virus bremsen könnte, wie dies bei der saisonalen Grippe zu beobachten ist.

Entsprechend wichtig sei die Mitarbeit der Bevölkerung. Wer sich krank fühlt, speziell mit Symptomen einer Atemwegsinfektion (Fieber, Husten, Atembeschwerden), soll zu Hause bleiben und telefonisch mit dem Hausarzt Kontakt aufnehmen. Ohne Anweisung des Arztes sollte man nicht in eine Praxis gehen. Wer sich krank fühlt, soll auch nicht die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen.

Homepage
Der Kanton hat eine eigene Informationsseite aufgeschaltet: www.coronavirus.bs.ch